Sonntag, 9. Dezember 2012

Gleichnamigkeiten

squeeze


man stelle sich vor, jemand gründet mit freunden/innen eine musikgruppe. der name dafür wird heiß diskutiert, er soll ja doch zum gebotenem passen, eben einen art visitenkarte sein und/oder leicht & einprägsam über die zunge rollen. schlußendlich einigt man sich auf diesen oder jenen, absolviert auftritte, erspielt sich eine wachsende fangemeinde, fabriziert sogar ein album und plötzlich erfährt man, der (band-) name sei bereits vergeben. mitunter kommen probleme auf die eigene formation zu, die eventuell kosten verursachen und nerven kosten. ohne hier auf speziell juristische weisheiten oder nationale wie internationale rechtslagen eingehen zu wollen, soll aufgezeigt werden, daß es diese oder ähnliche situationen bereits des öfteren gegeben hat.
erst heuer wurde diesbezüglich eine rechtsstreitigkeit beendet, wobei die 2010 zusammen-gewürfelte britische casting show boy band One Direction, von einer gleichnamigem, unter dem radar agierenden, 2009 gegründeten, u.s. punk-formation auf 1 mill. usd geklagt wurde. aber mit der großen produktionsfirma plus Sony Records im rücken sowie einer weltkarriere in aussicht, konnten sich erstere, welche via management mit einer gegenklage antworteten, durchsetzen. zweitere nennen sich nun Uncharted Shores und sind angeblich gleichfalls mit dem richterspruch zufrieden. haben möglicherweise zur aufmunterung ein trostpflaster verpaßt bekommen.
als kleiner act kann man gegen die big player durchaus etwas rausholen, wenn man mal den fuß in der türe hat. so lief es damals wohl in punkto Nirvana ab. da denkt natürlich jede/r sofort an das grunge-rock-trio um märtyrer Kurt Cobain, showman Dave Grohl als auch graue maus Chris Novoselic. aber es gab schon vorab ein 1965 formiertes prog-/psychedelic-duo, welches auf der insel (mäßig erfolgreich) aktiv war und platten aufnahm. sie trennten sich 1971 um ab 1985 wieder gemeinsam zu arbeiten und 1992 ihre namensvettern zu klagen. am ende einigte man sich außergerichtlich auf weiterhin beiderseitiger verwendung des namens. unter der hand soll gerüchten zufolge eine sechsstellige summe zugunsten alter rechte geflossen sein. da konnten es die beiden engländer dann leicht mit humor nehmen und ein hippie-cover von "lithium" einspielen.
heute nennt man besagte briten inoffiziell Nirvana UK, doch manche gruppen müssen ihre länderbezeichnung führen, wenn sie in territorien veröffentlichen oder auftreten, wo es künstler/innen gleichen namens gibt. so geht es z.b. dem 1989 in northwich, cheshire aus der taufe gehobenen rave-rock-fünfer The Charlatans. nach ihrem erstlingswerk "some friendly", welches auch jenseits des atlantiks erschien, flatterte ihnen eine beschwerde ins haus, denn dort gab es bereits ab 1964 ein quintett unter dieser bezeichnung. die prägten seinerzeit die flower-power-szene der 60er in san francisco mit. bezüglich plattenlabels hatte die truppe aber weniger glück und so erschien ihr debüt ("the charlatans") erst 1969, kurz vor ihrer auflösung, bei Philips Records. fiel dann auch prompt durch, weil der sound bereits wieder obsolet war, ein neues zeitalter begann - auch musikalisch. in der zweiten hälfte der 90er als auch 00er gab es einige wiedervereinigungs-konzerte. man einigte sich damals ohne richter mit den widerparts vom andern ozeanufer. diese liefen in den staaten nun unter The Charlatans UK.
der london-5er Squeeze, gegründet 1974, ließ sich sein erstes, gleichbetiteltes album von VU-ikone John Cale produzieren. er verpaßte ihnen ordentlich drive und dies führte zu einer mischung marke new wave mit einer prise post-punk, wie sie von ihnen nie wieder gehört wurde. nichtsdestotrotz hatte A&M Records, das zuständige u.s. label, bereits vorab (lächerliche) bedenken, weil es dort gleichzeitig einen wenig reüssierenden classic-rock-vierer namens Tight Squeeze gab. somit lief das ganze (bis zur nächsten lp) in nordamerika unter U.K. Squeeze. wie übrigens auch in australien (bis gegen ende der 80er), denn da gab es wirklich eine gleichbenannte band.
gelegentlich darf es auch ein bißchen mehr als bloß zwei buchstaben sein, so wie bei den brit-poppern Suede. ihr gleichfalls "suede" betiteltes debüt aus `93 hatte in den vereinigten staaten anfangs noch keine probleme. es folgte eine u.s.-tour und MTV rotation und plötzlich war das lager einer gleichnamigen cabaret-/jazz-sängerin auf das britische quartett aufmerksam geworden. die künstlerin, welche in ihrer heimat recht erfolgreich ist und klingt wie eine kreuzung aus Liza Minelli und Bette Midler, hatte folglich das (lokale) recht auf ihrer seite und erwirkte eine namensabänderung für den amerikanischen markt, zu lasten ihrer kontrahenten. die heißen seitdem ebendort The London Suede.
in gewisser weise ähnlich lief es für die ska-combo The Beat. sie mußte sich in den staaten The English Beat nennen, weil es dort unter ihrer eigentlichen bezeichnung eine alternative rockgruppe gibt, die dafür im gegenzug in europa als The Paul Collins Beat fungiert. in australien kannte man die briten jedoch einst als The British Beat, weil die dortige plattenfirma ohne absprache, auf eigene faust agierte. um das ganze noch mehr zu verwirren gibt es von ebendieser ska-formation, die sich übrigens 1983 auflöste, mittlerweile zwei reunion-ableger. eine im königreich (The Beat), die andere in den staaten (The English Beat).
etwas weniger kompliziert war es beim phänomenalen 80ies synthie-pop-duo Yazoo. sie liefen in amerika vom start weg als Yaz, weil man beim zuständigen vertrieb eine kollision mit dem dortigen roots-label Yazoo Records vermeiden wollte. wogegen sich The Raconteurs, das ami-rock-projekt von Jack White mit der The Greenhorns rhythmus-truppe plus Brendan Benson, gebietsweise überhaupt umbenannten. sie heißen in australien The Saboteurs, weil es im bundesstaat queensland eine kaum bekannte jazz band gibt, welche sich mit der record company der rocker, bezüglich der namensrechte, finanziell nicht einigen konnte.
es kommt aber auch vor, daß sich große marken auf den schlips getreten fühlen. wie im falle der 1989 formierten, englischen indie-rock band Verve, welche ab 1994 den artikel The vorschieben mußte, weil sie dem legendären, gleichnamigen jazzlabel in die quere kamen. damit waren die jungs aus wigan zwar knapp an der `92 gegründeten amerikanischen rockband The Verve Pipe dran, aber es ging sich aus. dies war bei den dänischen hard rockers Disneyland After Dark nicht der fall. sie starteten ihre karriere anfang der 80er. als sie ende des jahrzehnts international durchstarteten, hatten die comic-figuren Mickey, Donald & Goofy schaum vor dem mund. um eine klage von The Walt Disney Company abzuwenden, wechselte die truppe auf das kürzel D-A-D.
all diese beispiele sind noch lange nicht das ende der fahnenstange. da gäbe es, neben anderen, noch Jet, Kaleidoscope, No Mercy, Skid Row, Infernal, Blink-182, Jigsaw, Dust Brothers, Mama Kin, Space oder Liberty X. somit sieht man, bloß ein wörterbuch aufschlagen und so lange blind auf einen namen zu zeigen, bis es klick macht, heiligt auch nicht die mittel. da sollte man schon genauer nachgucken, um ärger oder gar einen karriereknick zu vermeiden.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Zahlenrätsel

adele1


also da war diese woche auf NME online zu lesen, daß Adele von ihrem, im letzten jahr erschienenem, erfolgsalbum "21", bis jetzt weltweit 25 millionen einheiten verkaufen konnte. es wird sicher noch die eine oder andere mehr werden, ist anzunehmen. okay, inklusive bezahl-downloads, aber diese art des absatzes ist wohl der geringste aufwand und um den kompletten longplayer z.b. auf Amazon deutschland runterzuladen, löhnt man immerhin 10.- euro. jetzt irgendwie auch nicht die super okkasion. generell verblüffend, denn aufgrund von industrie- wie künstler/innen-aussagen hat man immer das gefühl, musik wird nur mehr durch illegales filesharing bzw. downloading verbreitet. bloß wenige aufrichtige zahlen noch für tonkunst aus der konserve. aber woher kommt dann diese (groß-) menge? 25 millionen, ungefähr diese anzahl haben mittlerweile Simon And Garfunkel von ihrer bekanntesten lp verkauft - "bridge over troubled water", die kam aber bereits 1970 auf den markt. in den goldenen jahren. auch Carole King hat von ihrem meisterstück "tapestry" bis jetzt ähnliche mengen abgesetzt, jedoch kam es 1971 in die läden. hingegen schafften Prince And The Revolution, mit ihrem super-soundtrack "purple rain" aus `84, erst ca. 20 millionen. alle zahlen sind global zu verstehen.
The Official Charts Company U.K., das verkaufszählwerk des königreichs, wiederum meldete dieser tage, der topseller 2012 in kategorie album im united kingdom kommt von der schottischen r&b sängerin Emeli Sandé - "our version of events", welches bereits auf die million zusteuert. in punkto compilation führt die bereits 82. folge des insel-phänomens "now that´s what i call music", mit über 800 000 stück. das weihnachtsgeschäft klarerweise noch nicht eingerechnet. der mitte november veröffentlichte nachfolger "83", ist bereits das sich am schnellsten verkaufende album 2012. irgendwer verdient bei dem ganzen, entgegen aller bekundungen, doch nicht so schlecht.
gut, ein kleiner act kann sich dafür wenig kaufen, doch dies wohl auch, weil dank World Wide Web heutzutage praktisch jede/r künstler/in sein kann. die dichte ist eben extrem hoch und die luft wird nach oben zu immer dünner. aber das war, sagen wir jetzt mal, in den 70ern ähnlich. da gab es an jeder hausecke irgendeine rockband, welche vielleicht in geringer stückzahl ein oder zwei platten auflegte und danach ruhmlos in der versenkung verschwand. für all jene, die es schafften, fielen zig durchs sieb, konnten davon nicht leben. werden mitunter heute als versunkene perlen gehoben und bringen nochmals 2000 exemplare des re-releases unter die leute. oder in den 60ern, da gab es wohl mehr singer/songwriter als bauarbeiter und jede/r war froh, wenn sie/er in irgendeinem coffee-shop einen auftritt gegen freie getränke ergattern konnte. viele schafften es gar nicht af vinyl, andere bekamen einen vertrag bei einem kleinen label, wo die erfolgsaussichten eher gering waren. wie viele sind davon übriggeblieben?
gleichfalls in den sixties erschien "the velvet underground and nico", eine scheibe, welche gemeinhin als einfluß sowie meisterwerk gilt, sich jedoch weltweit bis heute nur gut-geschätzte 1 million mal verbreiten konnte. Lana Del Rey hatte von ihrem heuer erschienenem longplayer ("born to die") bereits mitte des jahres das dreifache abgesetzt und der neue country-pop darling Taylor Swift verkaufte von "red" in den staaten schon 1.2 millionen in der ersten woche.
sicher sind die zeiten allgemein nicht besser geworden, sie werden aber gelegentlich auch schlecht gejammert. im music-business ist noch niemand verhungert und man kann dort immer noch etwas verdienen - abgesehen vom tournee-geschäft.

Sonntag, 25. November 2012

Rocksause

ages


okay, bin wieder mal viel zu spät dran, aber für die (sicher kommende) "10th anniversary edition" geht es sich noch aus. wollte mir den film bereits im kino ansehen, doch zumeist gemäßigte kritiken ließen mich darauf verzichten. abgesehen davon, kommt im kino ohnehin keine partystimmung auf - im gegensatz zu meiner bude. wollte somit auf die dvd-veröffentlichung warten und diese, im einklang mit der blue-ray (inklusive extended version), ist nunmehr seit wochen auf dem markt. daher habe auch ich mir jetzt das als rock & roll romance gepriesene ROCK OF AGES reingezogen und das ergebnis hat mich durchaus mitgerissen.
im original bekanntlich ein musical, das im jahre `87 an l.a.´s sunset boulevard angesiedelt ist. das buch dafür verfaßte Chris D´Arienzo (der auch am filmscript mitschrieb). premiere war im juli 2005 in los angeles. danach hatte das erfolgsstück ein gastspiel in der glücksspiel-stadt las vegas, reiste durch den rest der u.s., ging nach kanada, australien, u.k. und wird heute noch aufgeführt. basis des kassenschlagers ist ein 80ies hitpaket mit u.a. Whitesnake, Twisted Sister, Def Leppard, Foreigner oder Poison. schlußendlich sicherte sich Warner Bros. die filmrechte und spannte regisseur Adam Shankman vor den karren. erstaufführung dafür war im juni 2012.
geboten wird, im rahmen der verfilmung, eine solide schauspielerische leistung, vor allem von Alec Baldwin als szeneerprobter, geeichter club-besitzer, Paul Giamatti als schmieriger, doppelbödiger manager der alten schule sowie Tom Cruise, der den abgehobenen, zugedröhnten rockstar gibt, welcher scheinbar den Dalai Lama von Hugh Hefner nicht unterscheiden kann. man hätte ihm gerne öfter im bild, er kann jedoch stimmlich nicht ganz überzeugen. klingt teilweise so dünn wie billiges toilettenpapier. nahm angeblich sogar gesangsunterricht - sollte das geld zurückbekommen. generell sind die namhaften rollen aber mit schauspielern/innen besetzt und daher sollte die (stimm-) leistung am ende doppelt zählen. abgesehen davon war möglicherweise Axl Rose ein/das vorbild für die erarbeitung von Cruise´s performance. zumindest dachte ich sofort an ihn (nichts gegen dessen röhre).
die handlung selbst ist nicht gerae das gelbe vom ei. diese dient jedoch bei musicals generell nur als bindfaden zwischen den vocal-parts. genre-klischees werden breitgetreten, jedoch ist keine noch so schräge situation undenkbar. eine lovestory, frei nach Journey´s allzweck-hymne "don´t stop believin´", dient als dekoration der geschichte. positiv fällt auf, daß fast in jeder dritten einstellung eine gitarre im bild und auch jede menge vinyl teil der ausstattung ist. der absolute trumpf ist aber, wie bereits angerissen, die musik. vermittelt einfach ein rocking good feeling und wenn die songs angespielt werden, hat man umgehend die finger an den imaginären saiten. da bleibt kein sitzplatz warm. die titel werden, wie üblich, von den protagonisten/innen selbst gezwitschert und es hätte schlimmer kommen können. ein organ mit hohem wiedererkennungswert sucht man vergebens. war möglicherweise auch nicht erwünscht, denn so bleiben die originale unerreicht. daher begibt man sich nach dem abspann sofort zum plattenregal um die alten scheiben rauszuziehen, in die abgenützte, zu eng gewordene, hoffnungslos verpisste lederhose zu springen, das ausgewaschene metal-shirt überzuziehen und den wischmop als perücke zu mißbrauchen. es darf somit wieder abgerockt werden.
gut, Oscar wird es definitiv keinen geben - egal in welcher kategorie - und böse zungen können behaupten, daß man heutzutage anscheinend alles, was drei akkorde und halbwegs einen handlungsstrang aufweist, zu einem musical verwursten kann. doch hin & wieder leichte kost schont den magen. wer sich für rockmusik begeistern kann und gerne über das dazugehörende umfeld schmunzelt, wird zufriedengestellt. "camp rock" ist hier weit entfernt.

Sonntag, 18. November 2012

Live Classics Vol. 14

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AEROSMITH - Live Bootleg


AEROSMITH, das sind für die breite öffentlichkeit wohl in erster linie der extrovertierte Steven Tyler, gesang, welcher stets wie Mick Jagger´s cousin rüberkommt und in punkto outfit immer versuchte das original zu übertrumpfen, sowie sein (häufiger) songschreibpartner, der introvertierte Joe Perry, gitarre, welcher den Keith Richards gibt, zu Tyler´s Jagger. dieses rollenspiel als auch die (musikalischen) blueswurzeln von AEROSMITH führten früher oft dazu, daß sie als Rolling Stones für arme bezeichnet wurden. waren jedoch, zumindest in den 70ern, zumeist rauher wie härter unterwegs als die Stones.
Tyler´s familie hatte einen zweitwohnsitz in sunapee, new hampshire, u.s.a. und dort lernte der damals 22-jährige im sommer `70 Perry kennen, welcher mit bassist Tom Hamilton in einer truppe namens The Jam Band spielte. man verstand sich auf anhieb, beeinflußt von der British Invasion bzw. acts wie Yardbirds, The Beatles oder eben Rolling Stones wollte man gemeinsam etwas aufziehen. um bessere möglichkeiten zu haben zog man nach boston, massachusetts. Steven war anfangs am schlagzeug, holte aber dann einen alten freund, Joey Kramer, an die becken und wechselte selbst an die bühnenkante. dazu kam, als zweiter gitarrist, Ray Tabano, der schon bald durch Brad Whitford ersetzt wurde. die klassische besetzung war nun komplett. man hängte in einem kleinen haus nahe der bostoner universität ab, wo man probte, an songs bastelte und party machte. auftritte hatte man in clubs oder an highschools der näheren umgebung. man nahm jedes engagement an das sich bot, spielte sich sprichwörtlich den arsch ab. hin und wieder trat man auch in new york auf, wo sie vom management-team Steve Leber & David Krebs entdeckt und unter vertrag genommen wurden. sie verschafften den jungs 1972, ebendort, einen showcase im legendären Max´s Kansas City, bei dem Clive Davis anwesend war und sie für Columbia Records verpflichtete.
1973 erschien die erste (longplay-) frucht dieser partnerschaft in form des gleichnamigen debüts, welches jedoch beim publikum durchfiel, obwohl es (aus heutiger sicht) mit "dream on" sowie "mama kin" zwei hausgemachte klassiker enthielt. Columbia wollte den vertrag am liebsten wieder lösen. die band tourte um ihr leben, quer durch die nation und baute sich unter vollem einsatz eine treue hard rock fangemeinde auf. über die jahre spielte man sich vom eröffnungs-act bis zum headliner hoch und bestritt in weiterer folge ausverkaufte tourneen, weltweit. davor aber erschien mit "get your wings" (1974) doch noch die zweite lp und eroberte das Billboard top 100 verkaufs-ranking. ein jahr später schnupperte man mit dem hard-rock-meilenstein "toys in the attic" bereits an den top-ten. es war der ersehnte wie hart erarbeitete durchbruch. spätestens ab hier wußte der/die musikfreund/in was aus der rille kommt, wenn AEROSMITH am label steht. im mai `76 kam das noch eingängigere "rocks" in die läden und schaffte die top-3. diese platte, die vorige als auch der nachfolger "draw the line" (ende `77), wurden von Jack Douglas gewinnbringend produziert, waren millionenseller und die band nunmehr der ultimative u.s. hard rock act.
dieser aufstieg mußte erst mal verkraftet werden und dies ging am besten mit alkohol als auch drogen. vor allem Tyler & Perry schossen sich die venen wund und eroberten sich mit ihrem massiven suchtgift-mißbrauch den spitznamen Toxic Twins (abermals eine Stones-parallele, siehe Glimmer Twins). doch auch der rest der bande ließ kein zeugs ungenützt herumliegen. dies schlug sich natürlich auf die produktivität, qualität als auch das interne klima. risse im gefüge taten sich auf, die phasen zwischen den veröffentlichungen wurden länger. ein auftritt in Michael Schultz´s filmversion von "sgt. pepper´s lonely hearts club band", die von Robert Stigwood produziert wurde und seine schützlinge Bee Gees präsentierte, sorgte für ausverkauf-rufe. der soundtrack-beitrag von AEROSMITH war eine interpretation von "come together".
im selben jahr (1978) wurde als überbrückung eine in-concert dolp namens "live bootleg" eingeschoben. raubpressungen waren damals hip, von den künstlern/innen teilweise geduldet, von den plattenfirmen gehaßt. so versuchte man die piraten gelegentlich mit ihren eigenen waffen zu schlagen. betitelte legale mitschnitte als illegal und lehnte den output mitunter auch optisch an die (damals) oft billige ausstattung der schwarzpressungen an. ein beispiel dafür ist eben das hier besprochene werk, welches aus musikstücken, aufgenommen während der 77er "express-tour" sowie 78er "live bootleg tour", wie auch zwei titeln ("i ain´t got you", "mother popcorn") eines april `73 rundfunk-mittschnitts besteht.
lange rede - kurzer sinn, ich bin bereit stoff zu geben. während des nachmittags habe ich bereits belastungstests am verstärker wie den lautsprechern durchgeführt, die nadel ist sauber, der teller dreht sich - let´s rock!
die erste seite beginnt vielversprechend mit "back in the saddle" und mit der luftgitarre im anschlag galoppiere ich umgehend durch die wohnung - yippie yippie yeah, um danach zu "sweet emotion" schlangenmäßig vor der anlage hin & her zu tanzen. via "lord of the thighs" als auch "toys in the attic" spiele ich mich so richtig warm, die posen kommen wie von selbst. der zweite abschnitt beginnt mit "last child", beinhaltet diese eingängige akkordfolge, die davor schon kurz bei Ornette Coleman´s "ramblin´" auftauchte und danach durch Ian Dury´s "sex and drugs and rock and roll" unsterblich wurde. The Beatles´ "come together" ist der nächste track, den greift man mit geschlossenen augen und auch der text ist kein problem. die stehlampe muß als mikrophonständer herhalten. einzige gefahr ist, daß ich mir die lippen verbrenne und plötzlich wie eine teufels-kreuzung aus Tyler & Jagger aussehe. es folgt "walk this way", nichts hält mich mehr. in ekstase reiße ich mir den pyjama-oberteil vom leib und schmeiße ihn der zimmerpflanze um die blätter. muß mich zurückhalten, damit ich mittendrinn nicht ins laufwerk greife und zu scratchen beginne. "sick as a dog" hält den blutdruck auf hohen niveau, die schädeldecke droht wegzufliegen - hätte vielleicht den purzelbaum nicht schlagen sollen.
side three is next und auch das dritte bier muß daran glauben, um den flüssigkeitsverlust auszugleichen. ohne treibstoff kann man eben nicht vollgas geben. "dream on" zieht mich wieder ans mikrophon, schunkle im rhythmus, drehe mich um die eigene achse und brülle den refrain gegen die zimmerwand. wogegen bei "chip away the stone" sowie "sight for sore eyes" wieder lockeres riffen angesagt ist. dies erfolgt im breitbeinigen stand, nur der oberkörper wippt mit. bloß um anschließend bei "mama kin" wieder ordentlich die sau rauszulassen. apropos, mittlerweile ist mir auch die pyjamahose abhanden gekommen. jedoch keine zeit zum adjustieren, denn bei "s.o.s." werden die hände zum klatschen gebraucht. okay, ziehe mir nun etwas über. letzte seite, vorletztes bier. "i ain´t got you", schmissiger blues, im original von Clarence Carter, den einst schon u.a. die Yardbirds und kurz danach The Animals für sich entdeckten. mündet nahtlos in den James Brown klassiker "mother popcorn" - bewegungstherapie für müde knochen. als nächstes ertönt überraschend "draw the line". ist nicht auf der gatefold-sleeve angegeben und somit abermals ein seitenhieb auf die (damals) semiprofessionelle bootleg-szene. als letzter song des durchlaufs folgt "train kept a rollin´", abermals eine Yardbirds-verbindung. das ganze nimmt wieder voll fahrt auf, ein letztes aufbäumen meinerseits, tanze in Tyler-manier um den tisch. den backflip lasse ich aus um mir den notarzt-einsatz zu ersparen. die luftgitarre wird zum ausklang nochmals zu den takten von "strangers in the night" gewürgt und der zauber ist vorbei. zu den explosionen des nachklingenden feuerwerks reiße ich die letzte flasche auf.
fazit: ein ehrliches, schnörkelloses live-werk, an dem praktisch nichts herumgedoktort wurde. ehrliche handarbeit für den/die bodenständige/n haus-rocker/in. wer hierbei etwas auszusetzen hat, nächstes jahr kommt Justin Bieber - ab in die erste reihe.
im juli `79 kam es während einer aufgeheizten show in cleveland, ohio zum showdown. Joe Perry hatte die schnauze voll, schmiß alles hin. der band-weggefährte als auch gelegentliche co-writer Richie Supa schloß kurzfristig die lücke, ehe Jimmy Crespo die gitarre übernahm. ende `79 erschien "night in the ruts", konnte das erfolgslevel in etwa halten. im jahr darauf verabschiedete sich Whitford, an seine stelle trat Rick Dufay. man fabrizierte einen gemeinsamen output betitelt "rock in a hard place" (sept. `82), wobei sich der erfolg im rahmen hielt. im märz `84 reformierte sich wieder das bewährte line-up, um mit einem neuen vertrag bei Geffen Records durchzustarten. "done with mirrors" aus ende `85 war das erste resultat, doch man hatte das gefühl, da geht noch mehr. anti-sucht-therapien wurden durchgeführt, junge bands beriefen sich auf AEROSMITH, neue fans waren dazugekommen, die alten krochen wieder aus den löchern. eine zusammenarbeit mit den rappern Run DMC und deren produzent Rick Rubin brachte eine crossover-version von "walk this way" in die hitparaden als auch auf die MTV-bildschirme. man war wieder in aller munde.
der künstlerische höhepunkt des wiedervereinten fünfers erschien im september 1989 in form von "pump". wie der vorgänger "permanent vacation" (`87) als auch der kommerziell noch erfolgreichere nachfolger "get a grip" (`93), produziert von Bruce Fairbairn. infolge setzten AEROSMITH eher auf soft rock balladen marke Cher. bevor ihr damaliger vertrag noch auslief, unterzeichneten sie bereits einen noch lukrativeren bei Sony Reords, doch die folgenden tonträger sind nicht unbedingte must-haves. dieser tage erschien der aktuelle output - "music from another dimension!". ein glattes, durchgebürstetes altherren-album, welches rüberkommt, als würde es opi nochmals schaumgebremst krachen lassen. wer jedoch den pfeffer, die räudige anmache von früheren glanztaten sucht und sich einfach wieder mal ordentlich einen runterrocken möchte, der/die ist mit einem teil aus dem bewährten backkatalog besser bedient.

Sonntag, 11. November 2012

Publikumspartizipation

pantera


diese woche meldete NME News, daß sänger Robert Plant während eines auftritts im rahmen der südamerika-tournee mit seiner aktuellen begleitband Sensational Space Shifters, im Luna Park, buenos aires, argentinien, von einem angreifer umgestoßen wurde. man hatte gerade das letzte lied beendet (Led Zeppelin´s "rock and roll"), Plant verabschiedete sich vom publikum, als ein junger mann auf ihn zustürmte. nicht überliefert ob dieser wegen der geplatzten Zep-reunion verärgert war oder Robert bloß stürmisch umarmen wollte, doch ein aufmerksamer sicherheitsmitarbeiter warf sich ihm entgegen. Plant kam zwischen die beiden und wurde umgerissen. der nunmehr bereits 64-jährige ex-Zeppelin-frontmann war jedoch (erstaunlicherweise) umgehend wieder auf den beinen, beruhigte die situation und man verschwand anschließend in die backstage-räumlichkeiten. der eindringling wurde entsorgt.
dieser vorfall erinnert natürlich sofort an die attacke auf Noel Gallagher am 7. september 2008, während des Oasis gastspiels beim V-Festival im Island Park, toronto, ontario, kanada. ein gewisser Daniel Sullivan kam von hinter der bühne und stieß den älteren Gallagher-bruder, während jener gerade seinen gitarrenpart zu "morning glory" ablieferte, mit voller wucht über den monitor. Sullivan wurde von der security umgehend dingfest gemacht, während der verdutzte Noel in die garderobe gebracht wurde. nach einer unterbrechung spielte die band schockiert das set zu ende. drei gebrochene rippen, blaue flecken, prellungen plus sonstige wehwehchen blieben davon. als folge konzertabsagen, verpaßte promo-termine und daraus resultierte angeblich der müde verkauf des longplayers "dig out your soul". für Daniel Sullivan gab es ein jahr hausarrest, seine frau lief ihm mit den kindern davon, er wurde von Oasis-anhängern bedroht, reportern/innen belagerten ihn und zusätzlich hatte er noch eine haftungsklage am hals.
ärger als Noel erwischte es einst den seligen Frank Zappa. am 10. dezember 1971, fast eine woche nach dem feurigen gig im Casino Barrière De Montreux, spielte Zappa And The Mothers Of Invention im londoner Rainbow Theatre. als zugabe brachte man gerade "i want to hold your hand" von The Beatles, als der aufgebrachte besucher Trevor Howell auf die bühne rannte und Frank in den orchestergraben stieß, wo dieser regungslos liegenblieb. als andenken daran gab es für den bandleader, neben einem ordentlichen brummschädel, einen verletzten nacken, schulterprellung, kehlkopfquetschung, aufgeschlagenes kinn, gebrochene rippe als auch beinfraktur - machte in summe einen spitalsaufenthalt, der in einen mehrmonatigen rollstuhl-fesselung mündete. der flüchtende bösewicht konnte von der Mothers-roadcrew gestellt, bearbeitet und anschließend der polizei übergeben werden. zwölf monate knast faßte er aus. bezüglich seines motivs gab es zwei versionen: einerseits sollte seine freundin Frank verehrt haben, andererseits ging ihm die (seiner meinung nach) lahme performance auf die socken.
wie man sich bei angriffen zur wehr setzt, bewies z.b. der im jänner 2010 an einer überdosis verstorbene, amerikanische garage-punk Jay Reatard. er war aufgrund seiner provokanten bis abwertenden art nicht gerade beliebt. ob in den eigenen reihen oder mitunter auch beim jeweiligen publikum bzw. den eigenen fans. von der bühne weg verpaßte er schon mal einem aufmüpfigen zuseher einen tritt oder beschimpfte ganze reihen. während eines konzerts von ihm und seiner truppe im Emo´s in austin, texas, u.s.a., im dezember `09, wurde er kurz hintereinander von zwei besuchern bestürmt. der erste, mit erhobenen fäusten auf ihn zukommend, wurde noch von den aufpassern abgefangen, der zweite versetzte Reatard einen schlag, worauf ihn dieser mit dem mikrophon-ständer bearbeitete. als die situation unter kontrolle war, zeigte Jay der menge den mittelfinger und verschwand. auch Rolling Stones gitarrist Keith Richards ist offensichtlich kampfbereit, wenn es darauf ankommt. am 19. dezember 1981, im Hampton Coliseum, virginia, u.s.a., im rahmen der Tattoo You Tour, lief plötzlich ein unbekannter, während "(i can´t get no) satisfactiion", auf Mick sowie Keith zu. als letzterer ihn erblickte nahm er seine Fender Telecaster ab und verwendete sie zur verteidigung als keule, worauf sich der angreifer sofort in die arme der securities rettete. diese wachsamkeit hätte man den ansonsten eher lethargisch wirkenden piratenverschnitt kaum zugetraut.
nun, ein oder zwei angreifer sind ja eventuell noch zu bändigen und mädels, die einem um den hals fallen, mitunter auch erwünscht, doch was macht man bei einem wildgewordenen haufen? entweder davonlaufen oder die birne hinhalten, so wie der chilenische punk-vierer Machuca, im juli 2007 in santiago, chile. als sie mitten im set einen song dem fußballteam von CF Universidad De Chile widmeten, wußten sie angeblich nicht, daß sie sich im zentrum des rivalen CSD Colo-Colo befanden. oder wollten bloß provozieren beziehungsweise ihr fuck-you attittude zur schau stellen und bekamen dafür ein paar hinter die löffel - fair trade, denn so dämlich kann man eigentlich nicht sein. jedenfalls war eine stage invasion die folge. mühsam konnte von den roadies wieder alles beruhigt und der auftritt fortgesetzt werden.
amüsanter da schon das gastspiel des rappers 50 Cent im mai `08 in luanda, angola, afrika, mittlerweile eine der teuersten städte der welt, wo jedoch zwei drittel der bevölkerung in armut leben. mit elektrokabel-großen goldketten um den hals, wird man ebendort schnell zum opfer. so enterte ein juwelen-kenner die bühnenbretter und riß dem reimeschmied sein statussymbol vom hals, um anschließend wieder zurück in die menge zu springen. doch 50 Cent hängt an seinen werten und stieß geistesgegenwärtig einen bodyguard hinterher. mit vereinten kräften konnte man schlußendlich dem dieb habhaft werden und das gute stück sicherstellen.
tragisch und ohne happy end hingegen der gewaltakt gegen gitarrist Darrell Lance Abbott, besser bekannt als Dimebag Darrell. er gründete einst u.a. mit seinem bruder, schlagzeuger Vinnie Paul Abbott, die trash metal formation Pantera und als diese implodierte, hoben die beiden gemeinsam Damageplan aus der taufe. am 8. dezember 2004 performte man vor gut 200 metalheads in der Arosa Villa in columbia, ohio, u.s.a., als während des eröffnungssongs Nathan Gale mit einer feuerwaffe die bühne erklomm, 5 mal tödlich auf Dimebag schoß, 3 weitere leben auslöschte sowie 7 leute verletzte, ehe er von einem polizisten getötet wurde. nach längeren untersuchungen kam heraus, daß Gale schwere psychische probleme hatte, welche zur vorstellung führten, die band würde seine gedanken lesen, seine ideen klauen und ihm darüberhinaus noch auslachen.
man merkt schon, so ein rockstar-leben ist nicht immer eine wundertüte mit sex, drugs und rock & roll drinnen, sondern hat auch seine schattenseiten, wo manchmal die sonne nie wieder auftaucht.
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Vinyl über alles!

in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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