Sonntag, 20. Januar 2008

Live Is Life

blood-red-shoes


das konzertjahr 07 war nicht unbedingt der große heuler.
den takt bestimmte die reunionwelle bzw. alte-herren-tourneen.
so war auch mein live-highlight des vergangenen jahres, ein von
den toten auferstandener - Brian Wilson.
newcomer die auf der bühne überzeugten waren die ausnahme.
The Mighty Roars, The Headlines, Trouble Over Tokyo, The Pigeon
Detectives, Dogs, Kreisky, Friska Viljör, Noisettes oder To My Boy,
um einige zu nennen. hoffnungsvolle clubauftritte von acts wie
Blanche, The Coral, Explosions In The Sky sowie ! ! !, fielen ins
wasser. gegen ende des jahres machte sich bei mir eine konzert-
müdigkeit bemerkbar. die dosis der erbrachten leistungen war zu
gering um sucht zu erzeugen. doch bin ich bereit, wenn auch nicht
allzu optimistisch, für neue darbietungen.
das erste performance-highlight hat es bereits gegeben. Blood Red
Shoes, ein mann/frau gespann im stile von The White Stripes oder
The Kills, sind definitiv ihr geld wert.
was bringt uns 2008 noch? den ersten österreichauftritt der down-
loadkaiser Radiohead (eher nicht, da touren sie früher die antarktis),
Led Zeppelin (möglich, wenn ticketpreise keine rolle spielen),
My Bloody Valentine (da müßte jemand zaubern), Steve Earle (kommt
wahrscheinlich wieder nicht), Amy Winehouse (nur über ihre leiche)
oder The Verve (dies könnte machbar sein) - mehr wünsche als gute
feen.
praktisch sicher sind American Music Club (eine weitere wieder-
vereinigung), Hayseed Dixie und das interessante Maximum Black
Festival mit bands wie Frog Eyes, Dirty Projectors, Six Organs Of
Admittance, Deerhof und den kuratoren Final Fantasy.
weitere vielversprechende ankündigungen konnte ich bis jetzt
nicht ausmachen. aber das jahr dauert ja noch ein bißchen und
somit stirbt die hoffnung zuletzt.

Sonntag, 13. Januar 2008

Ring Frei

lee-perry


auch das weihnachtsgeschäft brachte keinen prozentuellen
anstieg der albumverkäufe. einzig beim absatz der singles ist
die tendenz steigend, doch dieser posten war ohnehin kurz
vor dem aufprall.
um dem downloadtrend rechnung zu zollen, startet der internet-
händler Amazon demnächst mit dem mp3 handel. vorab konnte
er bereits verträge mit den vier großen musikgesellschaften -
Universal Music Group, EMI Group, Warner Music Group und
kurz vor dem start noch Sony BMG Group - abschließen.
interessant ist auch, daß die files ohne d.r.m. (digital rights
management software), also ohne kopierschutz verkauft werden.
somit ist Amazon das einzige portal, welches alle songs der markt-
beherrscher "ungeschützt" anbietet. iTunes, im vergleich, hat diese
vereinbarung nur mit der EMI Group.
insider vermuten, daß die majors einen zweiten "big player" zwecks
ausgleich aufbauen wollen. andererseits wird von den konsumenten
angenommen, sie suchen sich den billigsten download mit dem be-
sten service und transferieren ihn dann (hauptsächlich) auf einen
i-pod. dieser meinung ist natürlich auch Apple-gründer Steven P.
Jobs, der jede musikdatei von jedem online-music-store mit seiner
software willkommen heißen will. doch um auch beim filesverkauf
weiterhin die nase vorne zu haben, hat iTunes bereits europaweit
seine preise vereinheitlicht.
andererseits ist illegales runterladen einfach nicht totzukriegen und
somit fehlt ein gutes stück vom kuchen, obwohl der legale markt
weiterhin boomt. der (sicher fortschreitende) wegfall des kopier-
schutzes wird die entwicklung nach beide seiten hin noch ver-
stärken, aber mit dem einstieg von Amazon wird das fell neu
verteilt. wobei der eine oder andere kleinere anbieter wahr-
scheinlich auf der strecke bleiben wird.
womit wir wieder bei den albumverkäufen wären, die weiter-
hin nur in eine richtung gehen können. die offlinehändler werden
in zukunft noch mehr zu kämpfen haben.

Sonntag, 6. Januar 2008

Das Beste Aus 07

auch dieses jahr gab es wieder viele gute alben und eine menge von
interessanten filmen. beim besten willen schaffte ich es nicht alles
wertvolle anzuhören bzw. anzusehen - mea culpa.
hier ist meine auswahl an außergewöhnlichen leistungen des jahres;


icky-thump
album des jahres: icky thump - The White Stripes
bei der bereits 6ten veröffentlichung bin ich generell
zuerst mal skeptisch und gehe zwei schritte zurück
um die hardcore-fans vorbeizulassen. doch die
"geschwister" White liefen wieder zur vollen form
auf. blues- und bluegrass-einflüsse, erdige gitarren-
arbeit, trockenes schlagzeugspiel und hin und wieder
ein gastinstrument benützt ergibt gewohnte klasse.


no-pussy-blues
single des jahres: no pussy blues - Grinderman
der Bad Seeds/Birthday Party verschnitt brüllt seinen
notstand der geneigten hörgemeinde entgegen. untermalt
von kreischenden, sägenden, unter feedback aufjaulenden
gitarren, repressiven drums und frustriertem baß.


beasts-of-bourbon
comeback des jahres: The Beasts Of Bourbon - little animals
nach neun jahren wieder ein studioalbum der aussie-rocker.
es gleicht einem abgestandenem drink in dem eine tote
fliege treibt. kein schirmchen, keine früchte, kein eis und
keine serviette. nur purer alkohol und fliegenpisse, kein klimbim.


pistols
wiederveröffentlichung des jahres:
never mind the bollocks here´s The Sex Pistols
der re-release des (für mich) besten album aller zeiten.
wenn jemand wissen will, was denn punk für ein ding
sei, einfach diese scheibe auf den tchibo-plattenspieler,
ein kübel bier und pogotanzen bis die nachbarn klopfen.


the-mighty-roars
newcomer des jahres: The Mighty Roars
das englische trio spielt auf dem debüt "swine and cockerel"
ihr garagerock/punkgemisch kompromißlos herunter. live
(noch) in den kleinen clubs, springen sie einem mit der
vollen ladung direkt ins gesicht. arbeiten derzeit in den
staaten am nachfolger.

brian-wilson
konzert des jahres: Brian Wilson - staatsoper wien
er war bereits jenseits von gut und böse. doch nach der
lossagung von seinem dominanten psychiater schaffte
er wieder die kehrtwende. live ein absolutes ereignis,
besser als jede Beach Boys show der letzten -zig jahre.
was nicht zuletzt an einer band lag, die wie aus einem
guß spielte. eine 90-minütige fahrt in einem offenem t-bird
auf einem kalifornischen freeway.



amy-winehouse
solokünstlerin des jahres: Amy Winehouse
okay, "back to black" ihr zweites album, kam (als cd)
bereits ende 06 auf den markt. doch 2007 war das
bisher erfolgreichste jahr für die überdrehte sängerin
mit dem soul in der stimme. qualität gepaart mit öffentlich
gelebten exzessen ergibt 1.8 mill alben alleine im u.k..
wird interessant zu beobachten wer zuerst untergeht,
Amy´s stern oder ihr organismus.


trouble-over-tokyo
solokünstler des jahres: Trouble Over Tokyo
Christopher M. Taylor, der engländer hinter dem ein-mann-
projekt veröffentlicht nun bei einem österreichischen label,
weil er ebendort seine vorstellungen verwirklichen kann.
vinyl kommt darin anscheinend nicht vor. Kate Bush trifft
Radiohead treffen Rufus Wainwright. live ist er noch besser.


in-rainbows
band des jahres: Radiohead
diese jungs wissen wie man eine (premieren-) party schmeißt.
jedermann ist eingeladen, eintritt bei freier spende oder gratis.
"in rainbows" war ein album in gewohnter qualität. schade,
daß es verschenkt wurde. dafür sind jetzt die ticketpreise
für die kommende tour saftig.


apocalypto
Filmmusik des jahres: apocalypto - James Horner
das musikwunderkind mit Morricone-einfluß untermalte nicht
nur Mel Gibson´s maya-epos, sondern trieb ihn auch voran.
der score verschmilzt mit darstellern und kulisse und ist teil
des gesamterlebnisses.


the-prestige
film des jahres: the prestige
regiehexer Christopher Nolan drehte ein märchen für
erwachsene mit starbesetzung. zauberer, magier,
scharlatane und ein streben nach erfolg ohne rücksicht
auf verluste im london der jahrhundertwende.


hard-candy
dvd des jahres: hard candy
praktisch ein 2 personen stück und wäre somit auch ein
tip für modernes theater. Patrick Wilson und Ellen Page im
ungleichen zweikampf der geschlechter ums nackte über-
leben. marke blind date mit hindernissen.


babel
regisseur des jahres: Alejandro Gonzalez Inarritu
filmte mit "babel" ein ergreifendes drama um leid, schuld,
sühne und verzweiflung. er verknüpft die handlungsstränge
des episodenfilms perfekt und dirigiert das engagierte, inter-
nationale schauspieler-ensemble meisterlich.


la-vie-en-rose
schauspielerin des jahres: Marion Cotillard
sie lieferte ein leidenschaftliches schauspiel als der spatz
von paris in der Edith Piaf bio "la mome" bzw. "la vie en rose".
sie rasierte sich für die rolle nicht nur den haaransatz und die
augenbrauen, sondern warf ihr ganzes können in die waag-
schale und überstrahlte den rest der truppe.


the-last-king-of-scotland
schauspieler des jahres: Forest Whitaker
das texanische arbeitstier verkörperte im wahrsten sinne
des wortes den ugandischen diktator Idi Amin. eine kerbe
mehr auf der skala seines talentes.

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Untote

makaveli


laut der us-zeitschrift forbes gibt es ein leben nach dem tode.
die vor kurzem veröffentlichte liste der bestverdienendsten
toten berühmtheiten zeigt, daß mit dem ende des irdischen
daseins nicht alles vorbei sein muß. im gegenteil, man kann
sogar mehr geld einspielen als zu seiner aktiven zeit. somit
bleibt verwandtschaft, nachkommen oder begünstigten das
hungertuch erspart.
hier die reihung der top-goldesel aus dem jenseits nach
jahreseinkommen 07;

1) Elvis Presley - 49 millionen usd
er hatte bereits zu lebzeiten jede menge schmarotzer um
sich gescharrt, die jeden der königlichen fürze anerkennend
beklatschten, um nicht seine gunst zu verlieren. eine pene-
trante wiederveröffentlichungspolitik sorgt für den anhaltenden
luxus des estate.

2) John Lennon - 44 mill. usd
eine locke aus seinem haar wurde kürzlich durch eine ehe-
malige Beatles-frisöse zur versteigerung angeboten und
erzielte 48.000 usd. dies verdeutlicht den marktwert des
1980 verblichenen. nachdem letztes jahr des songkatalog
zum download freigeschalten wurde, bietet itunes nun die
videokollektion via netz an. nie war er so wertvoll wie heute.

3) Charles M. Schulz - 35 mill. usd
erfinder der erdnüsse

4) George Harrison - 22 mill. usd
auch er ist seit oktober auf itunes erhältlich. somit ist die
musik aller ex-Beatles digital verfügbar, die gemeinsamen
longplayer sind noch zukunftsmusik. seit seinem tod sind
auch die Traveling Wilburys wieder das maß aller dinge.
george bekommt 2008 seinen stern auf dem hollywood
walk of fame.

5) Albert Einstein - 18 mill. usd
erfand das "zungezeigen"

6) Andy Warhol - 15 mill. usd
erfinder der suppendosen

7) Theodor "dr. seuss" Geisel - 13 mill. usd
kinderschreck

8) Tupac Shakur - 9 mill. usd
nie wurde so wenig output in derart vielen variationen
verkauft. es existiert keine stimmübung von ihm, die posthum
noch nicht mit beats unterlegt oder als duett veröffentlicht
wurde. starb, wie es sich für einen gangster-rapper gehört,
im kugelhagel.

9) Marilyn Monroe - 7 mill. usd
erfinderin der blondinenwitze

10) Steve McQueen - 6 mill. usd
erfinder der "wie-wirke-ich-cool-lehre"

11) James Brown - 5 mill. usd
nach seinem tod ende 06 ist die verlassenschaft immer
noch nicht vollständig geregelt. nicht alle frauen sehen
ihre ansprüche befriedigt. nach diversen re-releases
des bewährten materials, wird die musik des soulbrothers
auch wieder in der werbung eingesetzt um das feuer
am köcheln zu halten.

12) Bob Marley - 4 mill. usd
sein ehemaliger bassist (`69 -`81) klagte die plattenfirma
und die Marley familie wegen unbezahlter tantiemen.
die Marley´s wiederum klagten eine mobilfunkgesellschaft
und universal music bezüglich unerlaubter verwendung
zu werbezwecken. damit die diversen anwaltskosten ge-
sichert sind, wurde "exodus" zum 30-jährigen jubiläum in
vier formaten (standard & deluxe cds, vinyl, usb stick)
wiederveröffentlicht.

13) James Dean - 3.5 mill. usd
erfinder des dackelblickes

Sonntag, 16. Dezember 2007

Gitarrenteufel

ike


das böse hatte auch im musikgeschäft einen namen - IKE TURNER.
geboren am 5. november 1931in clarksdale mississippi verstarb er
am 12. dezember in seinem heim in san diego.
in seiner langen karriere arbeitete er als dj, sessionmusiker, band-
leader, solokünstler, produzent und talentescout. seine erste gruppe
hieß Kings Of Rhythm, mit der er anfang der 50er den hit "rocket 88"
hatte, welcher gerne als erste rock & roll aufnahme bezeichnet wird.
1957 entdeckte er die damals 17-jährige Annie Mae Bullock, heiratete
sie ein jahr später und die gruppe mutierte zu Ike & Tina Turner (oft-
mals wurde auch Show oder Revue angefügt). ein sexy r&b outfit,
das neben guter musik, mit Tina stets im knappen kleid und den chor-
sängerinnen genannt The Ikettes, auch etwas für das auge bot.
mit den tonträgerverkäufen hinkte der act aber hinterher.
das änderte sich als Ike & Tina 1969 das vorprogramm der Rolling
Stones tour bestritten (im wahrsten sinne des wortes). mit einem
rockigeren sound konnte man das weiße publikum überzeugen und
hits wie "i want to take you higher", "proud mary" oder "nutbush city
limits" waren die folge.
doch IKE war kein softie. neben einer vorliebe für alkohol und drogen
war er hinter jedem rock her und für die frau gemahlin gab es auch
mal eine tracht prügel als "liebesbeweis". Tina fühlte sich nicht nur
mißhandelt sondern auch als gefangene und schaffte 1976 die flucht
von ihrem peiniger. nach einer folgenden mehrjährigen durststrecke
zeigte für mrs. Turner das erfolgsbarometer wieder nach oben. für
IKE ging es bergab. er verlor neben seinem aushängeschild auch
das publikumsinteresse und versank tiefer in alkohol- und drogen-
konsum. die 1986 erschienene biographie seiner (nun) ex-frau
"i, tina" wurde 1993 als "what´s love got to do with it" verfilmt und
zerstörte den ruf des r&b sowie r&r pioniers, der nach mehreren
drogendelikten `91 zu einer vierjährigen haftstrafe verurteilt wurde,
endgültig. bis kurz vor seinem tod spuckte er noch feuer, wenn die
sprache auf die darstellung seiner person durch den schauspieler
Laurence Fishburne kam.
sein musikalisches schaffen wurde drittrangig, es blieb schlechtes
benehmen, gewalt, drogen, gefängnis, finanzielle probleme und di-
verse fehlentscheidungen als referenz. 2001 wollte er mit seiner
autobiographie "takin´ back my name" das bild zurechtrücken, doch
der versuch mißlang. neben verschiedenen, mäßig erfolgreichen
alben und bedingt effektiven solotourneen, tauchte er 2005 auf der
zweiten Gorillaz lp auf und gewann `07 überraschend einen
"grammy" für die cd "risin´ with the blues". ebenso heuer überreichte
ihm bewunderer Damon Albarn den "mojo legend award".
bei allem menschlichen makel sollte man IKE TURNER als nicht un-
wesentliches rad der musikgeschichte gedenken. mit seinem gespür
für musik, dem extravaganten stil die gitarre zu spielen und seiner
gabe talent zu erkennen, hat er die musik ein stück weitergebracht.

für mich steht er musikalisch auf einer stufe mit Bo Diddley, Chuck
Berry oder Little Richard und menschlich in einer linie mit Frank Sinatra,
Phil Spector sowie James Brown.
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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