Sonntag, 24. Februar 2008

Legaler Schwarzhandel

arctic1


der markt für konzertkarten aus zweiter hand ist im vereinigten
königreich 200 mill. gbp schwer.
liveauftritte boomen weiterhin weltweit und jeder der mal auf
der insel einen gig besuchte weiß, daß diese oft schon lange
vorab ausverkauft sind. die einzige chance vor ort sind dann
meist die "tickettouts" und deren preise meist schmerzlich hoch
aber verhandelbar. im zeitalter von internet werden natürlich
auch via diesem eine menge sitz- oder steh-plätze wiederver-
kauft. auf websites wie Ebay, Viagogo, Seat Exchange, Seat-
wave, GetMeIn u.a. können tickets für bereits ausgebuchte
veranstaltungen um erhöhte preise (=gewinnspanne für die
zwischenhändler) erstanden werden.
im auftrag des britischen kulturressorts wurde dieser gewinn-
trächtige markt bereits letztes jahr untersucht, eine beurteilung
soll demnächst erfolgen. als grund der nachforschungen wird
vorrangig schutz der konsumenten angegeben. wenn z.b. tour-
neen oder konzerte abgesagt werden, kann man sich die im vor-
aus gekaufte 2nd hand eintrittskarte an die wand nageln, denn
ein umtausch beim wiederverkäufer ist praktisch nicht möglich
und die ursprüngliche ausgabestelle nicht immer eruierbar. auch
würde man ebendort nur den eigentlichen wert zurückbekommen.
den oft 100%igen (oder mehr) aufschlag kann man sich aufzeich-
nen.
natürlich werden auch entgehende steuereinnahmen, von einem
gewerbe das praktisch nicht existiert bzw. einem handel der privat
erfolgt, ein grund für die offizielle aufmerksamkeit sein.
auf grund der öffentlichen diskussion wurden jetzt auch andere
beteiligte auf den plan gerufen. kurzerhand wurde die Resale Rights
Society (RRS) ins leben gerufen. eine organisation die (momentan)
vierhundert auftretende künstler wie The Verve, Robbie Williams,
Arctic Monkeys, KT Tunstall, Radiohead und mehr vertritt.
initiiert vom Music Managers Forum und unterstützt von der Per-
forming Right Society.
sie alle wollen für ihre klienten ein stück vom kuchen. wenn also
jemand angenommen via Ebay ein um 25.- gbp gekauftes The Verve
billett um 45.-- gbp veräußert, dann soll die band (und ihr apparat),
welche bereits am ausgabepreis verdiente, auch vom aufschlag
einen teil abbekommen. wenn eine plattform oder ein händler sich
nicht daran hält, sollen rechtliche schritte möglich sein.
natürlich hört es sich irgendwie gerecht an, wenn die künstler
hier mitschneiden wollen, denn mit ihrem namen wird geschäft
gemacht. doch anders gesehen wäre es auch lukrativer für die
performer, wenn dann in zukunft noch mehr tickets in diesen
markt fließen würden = doppelter verdienst.
an der preisspirale wird weiter gedreht und der vor den karren
gespannte konsument darf es ausbaden.

Samstag, 16. Februar 2008

Da Capo

zep


das lukrativste konzert 2007 war die LED ZEPPELIN reunion
im rahmen des Ahmet Ertegun tributs in london. obwohl es
verschoben wurde, da sich Jimmy Page damals an der hand
verletzte und am vorgesehenen termin nicht gitarre spielen
konnte. ergab doppelte reisekosten für fans die von
auswärts kamen und bereits gebucht hatten. dies schlug sich
zwar nicht zugunsten des konzerts nieder, doch zu ungunsten
der konzertbesucher, welche ohnehin für die tickets tief in die
tasche greifen mußten. dagegen wird die demnächst erschei-
nende dvd vom auftritt der hard rock heroen direkt als schnäp-
pchen durchgehen.
diese wiedervereinigung hat erst recht eine zep-mania rund um
den globus ausgelöst. die albumverkäufe des backkatalogs ver-
fünffachten sich. t-shirts, bücher, dvds - alles wo LED ZEPPELIN
draufstand, brachte zusätzlichen gewinn. aber da ist noch mehr
potential vorhanden.
YOU CHOOSE NET ist eine internetplattform auf der mitglieder ihre
anliegen offenlegen und damit um unterstützung werben können.
ob es sich um umweltthemen, menschen- oder tier-rechte als-auch
politik usw. handelt. auch kann man umfragen durchführen. die site
wirbt mit dem slogans "turning passions into actions" sowie
"create a campaign".
genau dies tat Adam S. aus coatesville, pa., usa. er verfaßte
am 12.11.07 eine petition um LED ZEPPELIN für eine welttournee
zu begeistern und buhlt damit recht erfolgreich um virtuelle unter-
schriften. bis dato haben ihm über 10 000 leute unterstützt. angeb-
lich hat auch der promoter der band bereits wind davon bekommen
und freut sich über das weltweite interesse.
eine etwaige tour steht momentan aber auf rot, da Robert Plant zu-
vor noch mit der bluegrass-lady Alison Krauss unterwegs ist.
gemeinsam brachten sie letztes jahr den gelungenen longplayer
"raising sand" auf den markt. das interesse daran war so groß,
daß die zusammenarbeit nun mit besagter tour eine fortsetzung
findet. diese dauert mindestens bis ende mai. der alte gockel Plant
genießt es sichtlich, wenn jetzt alles von ihm abhängt.
vor dem herbst wird sich also sicher nichts tun. wenn überhaupt,
wird es dann wohl nur selektierte termine geben, denn bedarf
wäre vorhanden für eine mehrjährige weltumrundung, doch dies
werden sich die alten herren, bei aller wiedergewonnenen spiel-
freude, sicher nicht antun. da braucht man dann doppeltes glück.
erstens, daß sie halbwegs in der nähe spielen, sowie zweitens,
damit man ein ticket erhält. da ist eine hungrige newcomerband,
die quasi vor der türe aufspielt, vielleicht doch die bessere option.

Sonntag, 10. Februar 2008

Top 5 Originellsten Filmszenen

das bedeutet schräg, jenseits der norm, aber doch mit niveau.
eine originelle szene muß nicht unbedingt aus einem top-film
stammen und umgekehrt. doch hier und jetzt spielen ausge-
suchte sequenzen die hauptrolle und der rest des streifens
hat sendepause.



way-of-the-gun
1) film: The Way Of The Gun
regisseur: Christopher McQuarrie
gegenstand: eröffnungsszene
hintergrundmusik: The Rolling Stones - "rip this joint"
handlung;
die zwei hauptprotagonisten mr. Parker und mr. Longbaugh
werden vor einem club in einen vorerst verbalen, später
körperlichen schlagabtausch verwickelt. höchste, je ver-
filmte schimpfwortdichte pro minute.
szene


boogie-nights
2) film: Boogie Nights
regisseur: Paul Thomas Anderson
gegenstand: raubszene
hintergrundmusik: kommt vom "awsome mix tape #6
Night Ranger - "sister christian"
Rick Springfield - "jessie´s girl"
Nena - "99 luftballons"
handlung;
die ex-pornostars Dirk Diggler und Reed Rothchild plus hand-
langer Todd Parker versuchen sich via eines getürkten drogen-
deals in beschaffungskriminalität. der permanent knallkörper-
zündende, chinesische gespiele des opfers, fettet das
hoffnungslose szenario auf.
szene teil 1
szene teil 2


reservoir-dogs
3) film: Reservoir Dogs
regisseur: Quentin Tarantino
gegenstand: verhörszene
hintergrundmusik: via K-Billy´s supersound of the 70-ies
Stealers Wheel - "stuck in the middle with you"
handlung;
der gangster mr. Blonde tänzelt dem gefangengenommenen
und gefesselten polizisten Marvin Nash etwas vor, um an in-
formationen bezüglich einer "ratte" in den eigenen reihen zu
kommen. zwecks nachdruck übergießt er ihn mit benzin und
leiht sich ein ohr. mr. Orange beendet das schauspiel.
szene


very-bad-things
4) film: Very Bad Things
regisseur: Peter Berg
gegenstand: schlußszene
hintergrundmusik: Tina And The B-Side Movement - "walls come down"
handlung;
Laura Garrety´s traum von heirat und anschließendem trauten
familienleben, für den sie bereit war alles zu tun, endete in einem
alptraum aus dem es kein erwachen gibt. ihr leben ging praktisch
die toilette runter.
szene


ms-sunshine
5) film: Little Miss Sunshine
regisseure: Jonathan Dayton & Valerie Faris
gegenstand: auftrittsszene
hintergrundmusik: Rick James - "super freak"
handlung;
die 7-jährige Olive will sich ihren sehnlichsten wunsch erfüllen
und den "little miss sunshine pageant" (eine art schönheits- und
talent-wettbewerb für kinder) gewinnen. die choreographie für
ihre darbietung wurde vom großvater entworfen und entspricht
dann doch nicht den herkömmlichen auftritten.


harry-sally
5) film: When Harry Met Sally
regisseur: Rob Reiner
gegenstand: orgasmusszene
hintergrundmusik: keine
handlung;
Sally versucht ihrem reisegefährten Harry in einem vollbesetzten
diner zu belehren, daß frauen einen orgasmus durchaus vor-
täuschen können. in folge überzeugt sie nicht nur ihn, sondern
auch den rest des lokals, durch eine lebhafte darbietung.
szene


TOD DER SYNCHRONISATION

Sonntag, 3. Februar 2008

Volle Kraft Vinyl

heavy-trash


zugegeben, ich sehe alles betreffend vinyl durch die rosarote
brille, doch ein gesteigertes interesse von seiten der kunden
als auch der plattenfirmen ist nicht zu leugnen.
fakt ist, daß die labels den gemeinen downloader immer noch
als bedrohung sehen und leute aus den eigenen reihen, wie
z.b. Michael Stipe, die behaupten ihre musiksammlung um den
hals zu tragen, verursachen ihnen magenschmerzen. ebenso
eine tatsache ist, daß ein cd-käufer eher dem runterladen von
songs aus dem netz frönt, als ein verehrer der schwarzen
scheiben. da kann der letztere ruhig einen mp3-player sein eigen
nennen, doch der endzweck ist ein anderer. somit macht der ein-
druck sinn, daß langsam versucht wird, die vinylausgaben als
objektiv besseren kauf dastehen zu lassen.
sei es schlicht durch bonustracks, welche der cd-version vorent-
halten werden (dies war während der besten zeit ebendieser
genau umgekehrt), oder die nun häufig praktizierte beigabe von
downloadcoupons für das gesamte album, aber neuerdings auch
mit inkludierten, zusätzlichen compact discs des identen materials.

aktuelles paradebeispiel ist das Jon Spencer nebenprojekt Heavy
Trash, welches als limitierte deluxe version in doppel 180g vinyl
im klappcover, bonus songs, cd und download-code für alle lieder
plus labelsampler daherkommt. das ganze um ca. 18.-- euro - so
buchstabiert man v a l u e f o r m o n e y. da ist doch jeder der
geleimte, der den herkömmlichen silberling kauft.
doch keine sonne ohne schatten. einerseits werden unverständ-
licherweise für manche newcomer unangebrachte summen ver-
langt. so kosten die aktuellen longplayer von Singapore Sling, Holy
Fuck oder The Pyramids ungefähr 20.-- euro. da muß mir dann
einer der klugen köpfe aus der marketingabteilung erklären, wie
diese eher unbekannten acts hiermit eine größere käuferschicht
ansprechen beziehungsweise einen versuch wert sein sollen?
andererseits kommen schallplatten auf den markt, die einem ein
loch in die börse fräsen. so die letzten veröffentlichungen von
Björk (über 30.--), Interpol (unter 30.--), Serj Tankian (über 35.--),
oder der abräumer, die erstmalige veröffentlichung der Cat Stevens
filmmusik zu "harold and maude" (satte 50.--).
keiner der neuen, jungen analogkäufer, die dieses hauptsächlich
im sinne der coolness tun, aber auch weil sie eine alternative zu
den körperlosen mp3-files wollen, greift so tief in die tasche.

doch es geht auch (jazz ist) anders. Die Ärzte bieten von ihrem
aktuellen lonplayer nach einer special edition nun auch eine bil-
ligere ausgabe an. die firma Sony BMG hat bereits letztes jahr
eine wiederveröffentlichungskampagne mit perlen wie "blood on
the tracks" von Bob Dylan, "combat rock" von The Clash, "horses"
von Patti Smith oder "at folsom prison" von Johnny Cash auf 180g
schweren scheiben zum diskontpreis gestartet. auch andere firmen
entstauben ihre archive, wenn auch oft zu weniger christlichen
preisen.
alles schön und gut, aber wenn man bei manchen preßungen nicht
schnell genug ist, schaut man durch die finger oder muß warten,
bis die maschinen nach längerem abstand ein weiteres mal gestar-
tet werden.
die zukunft der analogen tonträgerkultur ist also (vorerst) nicht
nur gesichert, sondern auch vielversprechend.

Sonntag, 27. Januar 2008

Gönnertum

the-blow-monkeys


"EMI - unlimited supply" sangen einst die Sex Pistols.
kein wunder, schmiß ihnen doch ebendiese 40 000 gbp
für nur eine veröffentlichte single hinterher.
heute sieht die sache freilich anders aus. die EMI group,
durch fusion und übernahmen eine der vier großen, markt-
dominierenden plattenfirmen, streicht eine menge jobs und
es wird nicht nur max mustermann aus der postabteilung
erwischen, sondern auch einige musiker(innen).
früher bekam ein künstler einen 4-alben-vertrag und hatte
zeit sich zu entwickeln, doch heute muß dieser froh sein,
wenn er überhaupt die möglichkeit bekommt einen ganzen
longplayer einzuspielen. viel studiozeit ist bei den dürftigen
vorschüssen die heutzutage ausbezahlt werden, so oder
so nicht drinnen. wenn das fertige produkt ein verlust wird,
ist man schnell wieder vertragslos und sitzt auf einer summe
schulden. wer sich mit einem major ins bett legt, wacht mit dem
teufel auf.
viele (praktisch) kontraktlose musikschaffende versuchen somit
alternative wege zu gehen. die mehrfachmillionäre Radiohead
möchte ich hierfür nun nicht unbedingt als beispiel sehen. aber
die uk-progrocker Marillion, deren beste zeit schon lange ge-
schichte ist, haben bereits vor ein paar jahren mit einer fan-
unterstützung von 30 000 gbp (weil das label geschluckt wurde)
eine us-tour absolviert. auch haben sie die letzten zwei cds auf
diese art von pump produziert. "marbles" von 2004 bestellten und
bezahlten 12 500 user vorab und erhielten dafür ein 2-disc-set
mit namentlicher erwähnung im booklet.
so auch deutschlands krawallmacher no.1, die Einstürzenden
Neubauten, welche bereits zum zweiten mal mit dieser methode
erfolgreich unterwegs sind. aktuell besser denn je, da, neben dem
sogenannten auftragsalbum "alles wieder offen", im selben prozeß
sogar material für einen zukünftigen release eingespielt wurde.
bekommen die finanzierer diesen nun auch?
superzwerg Prince wiederum verkauft seine veröffentlichungen
schon länger via netz an die fangemeinde und zur abwechslung
gab es im juli 3 millionen stück seines outputs "planet earth" mit
der zeitung Mail On Sunday. diese zahlte neben den produktions-
kosten auch noch eine mill. usd an den monarchen. schon 2004 gab
es zu den 60.- usd konzertkarten seiner majestät die disc "musicology"
als beigabe. diese aktion wiederholte er zuletzt im august bei den
21 shows in der londoner 02 arena.
aktuellster fall dieser neuen variante der selbstvermarktung sind
die 80er-white-boy-souljazzer The Blow Monkeys, welche einen
onlineaufruf nach 1000 fans tätigten, die je 15 gbp zur produktion
eines longplayers überweisen sollten. nach (hoffentlich) er-
folgreicher fertigstellung erhält der förderer das produkt mit
eigenem namen am cover und ein dankschreiben.
anders würde die gruppe wohl kaum noch eine reale chance
bekommen ihre kreativität öffentlich auszuleben. der geneigte
financier erhält ein individuelles stück, das, wenn schon künst-
lerisch nicht mehr das gelbe vom ei, doch von gewissem wert ist.
in zukunft ist wohl jeder musikfreund für seinen nachschub selbst
verantwortlich.
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der schallplattenfreund

jede scheibe hat zwei seiten

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Vinyl über alles!

in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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