Rentabilitätsgesichtspunkt

wenn zum beispiel eine junge band mit einem ihrer titel in der werbung unterkommt, dann hat dies, zumindest für mich, keinen sauren nachgeschmack. ganz im gegenteil, bin erfreut, daß sie einem größeren publikum zu ohren kommen und finanziell auch etwas butter aufs brot bekommen. sich ihre arbeit, wenngleich auf umwegen, rentiert. hierbei kann man wohl kaum von ausverkauf sprechen. es sei denn, die truppe versucht infolge diesen möglichen werbe-hit mit dem nächsten output zu reproduzieren, um eventuell den neugewonnenen fans zu gefallen. da blieben wohl einige alte anhänger/innen auf der strecke. jedoch hätte man möglicherweise die zig-tausend neuen gehalten - ausverkauf hin oder her.
auch für ältere acts, die vielleicht bereits einige alben am start hatten, welche aber zumeist bereits in der ersten kurve zum ruhm liegengeblieben sind, käme solch eine werbeuntermalung wie gerufen. es wäre auch hier zu begrüßen, wenn nach langem, beschwerlichem weg, doch noch etwas rentables rauskommen würde. blöd natürlich für die eingesessene gemeinde, sollte der/die künstler/in mit fliegenden fahnen zur neuen anhängerschaft überlaufen und plötzlich einen auf everybody´s darling machen. da bleibt einem/r nur über, sich einen anderen loser-act zu suchen, schwirren ja ohnehin genug herum.
aber etablierte musiker/innen, die ohnehin mit erfolg gesegnet waren und immer noch gut im geschäft sind, müssen doch nicht alle möglichkeiten ausschöpfen und ihre alten hymnen in fernseh- bzw. radiospots zu versilbern. gut, mit ihrer musik können die schöpfer/innen wohl machen was sie wollen - geistiges eigentum und so - doch andererseits, sofern man einst die single davon kaufte, das dazugehörende album erwarb, eventuell den track auf einer compilation sowie dem obligaten live-longplayer daheim hat und seriöserweise auch noch für den download zahlte, so hat man gleichfalls ein gewisses recht an diesem lied. klingt vielleicht vermessen, aber dann ist man so etwas wie ein shareholder. der song mag ja keine besondere bedeutung für den/die autor/in haben, weil er in etwa zwischen erster zigarette des tages und morgendlichem stuhlgang entstand. wobei im besten fall der refrain auf dem letzten blatt toilettenpapier entworfen wurde, welches gut & gerne noch gebraucht worden wäre. doch für den fan macht er gegebenenfalls sinn, da er beim ersten mal rumfummeln auf der rückbank, im autoradio lief, oder half über eine gröbere enttäuschung hinwegzukommen. was wiederum so mancher/m naiven das gefühl gab, dieser titel wäre nur für sie/ihn selbst geschrieben worden bzw. man läge gar auf einer wellenlänge. plötzlich hört man ihn jahre später als werbeuntermalung für dinge, die man gar nicht braucht. wer freut sich wirklich, wenn seine/ihre liebsten musikstücke im werbefenster laufen? in filmen wie auch fernsehserien mag es ja noch cool bis amüsant wirken, jedoch alles andere ist der alt-anhängerschaft oftmals schwer zu verkaufen. nebenbei hat wirklich kreative werbung ihre eigenen melodien.
für die musiker/innen kann das ganze natürlich eine menge an rentabilität nach sich ziehen, keine frage. neuauflagen, neuerlicher charts-eintritt, best-of samplers, tourneen, besserer plattenvertrag, bezahl-downloads, etc. . da muß man wohl charakterstark sein, um all diese möglichkeiten durch ein veto auszuschalten. was wiegt dagegen schon ein bißchen schlechte nachrede. obwohl, man könnte auch unschuldig zum handkuß kommen, sofern die rechte gar nicht mehr im eigenen besitz sind und man weder bejahen noch verneinen kann. nur weil man einst etwas unterschrieben hat, ohne es durchzulesen beziehungsweise man über den tisch gezogen wurde, wie es in der künstlersprache heißt. ist somit über die verwendung selbst entzürnt, da man in erster linie gar nichts daran verdient und zu allem überdruß noch ein paar verärgerte fans am arsch hat. die oberhalb erwähnten, möglichen folgeerscheinungen könnten aber die schmerzen lindern.
turntable - 21. Okt, 16:26