Sonntag, 12. September 2010

Gruppenbild

angry-them


immer irgendwie faszinierend zu beobachten, wie bands zu
beginn ihrer musikkarriere als verschworene einheit auf-
treten, mit der zeit gesellen sich mißgunst, umbesetzungen
als auch streit dazu und am ende gehen sich manche sogar
an die gurgel.
so war es definitiv bei den Eagles, die, als sie sich im herbst
1980 trennten, eigentlich nie mehr gemeinsam auftreten
wollten. heute weiß man, daß geld alle wunden heilt. oder
auch The Velvet Underground, bei denen sich die beiden
alpha-tiere Lou Reed & John Cale auch heute, nach all den
jahren, noch nicht riechen können und jede weitere zusam-
menarbeit in übler nachrede endete.
auch wenn eine formation den namen eines ihrer protago-
nisten/innen trägt, ist vorsicht geboten. dies geht nicht gut.
so hat z.b. Bryan Adams bei seinem Rockpalastauftritt `83,
im interview mit Alan Bangs vor versammelter besetzung
zu protokoll gegeben, daß Bryan Adams eine band sei, kein
einzelkünstler. bald danach, als sich der erfolg endgültig
einstellte, war diese aussage geschichte. anderes beispiel
dafür - das musikerkollektiv Santana lieferte vom start weg
drei erfolgreiche alben nacheinander ab. danach wurde
daraus, bedingt durch bandinterne drogen- als auch ego-
probleme sowie der spirituellen erleuchtung des namens-
gebers, der künstler (Carlos) Santana plus (umstruktu-
rierter) begleittruppe. wie wird dies wohl für den aktuellen
indie-vierer Mumford & Sons, benannt nach sänger plus
gitarrist Marcus Mumford, enden?
manchmal schüttet auch die plattenfirma benzin ins
zwischenmenschliche feuer der gruppendynamik. wenn
eine person aus dem gefüge herausragt, meist ist es der/
die sänger/in, dann wird versucht diese/n abzuspalten.
ein/e interpret/in ist einfacher sowie billiger zu vermark-
ten bzw. gewinnbringender. dies oder ähnliches muß sich
wohl bei der irischen runde Them abgespielt haben. nach
der `66er u.s.-tour, bei der The Doors den support-act
gaben, ging sänger Van Morrison daheim, in trauter
umgebung, in sich und startete infolge eine solo-karriere.
Them waren, mehr oder weniger, vergangenheit. auch
schon Motown Records vermarktete Michael Jackson, neben
der mitgliedschaft in The Jackson 5, als einzelkünstler. dies
wurde er zu gänze (von kurz-reunions abgesehen) als er
bei Epic Records einen solo-deal unterzeichnete.
aber natürlich tragen auch einflüsterer (meist) aus dem
unmittelbaren umfeld ihr schäuflein bei. ebenso bringen
drogen- sowie alkoholprobleme ein gewisses maß an para-
noia mit ins spiel. oft ist das ganze aber auch egozentrisch
gesteuert. eigentlich sollte die formation als gesamtes, das
sich fortbewegende vehikel sein, getragen von den einzelnen
musikern, welche die räder darstellen. leider mutiert ge-
legentlich das ausgeprägteste "ich" zum gefährt und die
restliche truppe wird zu ersatzrädern degradiert, welche
das laufwerk darstellen. The Stooges eignen sich hierbei
wunderbar als modell. aus ihnen wurde Iggy & The Stooges
und anschließend die einzel-laufbahn von Iggy Pop. als
das ende der fahnenstange erreicht war, begann das theater
wieder von vorne. um im genre zu verweilen hätten wir
noch die Heartbreakers als exempel. nach dem ende der
New York Dolls gründeten deren ex-mitglieder Johnny
Thunders & Jerry Nolan unter mithilfe von Walter Lure
sowie Billy Wrath diese truppe und setzten als standes-
gemäße duftmarke das debüt "l.a.m.f." (steht charmanter-
weise für "like a mother fucker") ab. danach war es auch
schon wieder vorbei. ein jahr später gab es eine re-formation
ohne Nolan und schon hieß man Johnny Thunders & The
Heartbreakers. zumindest für weitere 12 monate, dann
war es abermals beendet. lustigerweise läuft heute auch
die wiederveröffentlichung von "l.a.m.f." unter dem doppel-
namen.
natürlich kann niemand etwas dafür, wenn die mitglieder
wegsterben, doch gruppen, die über einen längeren zeit-
raum in unveränderter zusammensetzung musizieren,
sind generell, in dieser schnellebigen zeit ohnehin, selten.
Beastie Boys, U2 oder auch Radiohead sind hier ein paar
der wenigen ausnahmen.

Sonntag, 5. September 2010

Draufgabe

mojo2


eine bespielte silberscheibe im verbund mit einem (musik-)
journal, ist heutzutage fast obligat und holt kaum mehr
eine/n hu(e)nd/in hinter dem ofen hervor. überhaupt wenn
es jetzt wieder kälter wird. vinyl, als beigabe zu einer zeit-
schrift und dies im cd- bzw. mp3-zeitalter, gab es bereits
beim brititschen NME und das hatten wir auch schon im
deutschsprachigen raum, wo gewissen exemplaren der
druckwerke Musikexpress oder auch Rolling Stone, ebenso
7-inch singles beilagen.
dieses monat setzt die graue eminenz unter den u.k. monats-
musikzeitschriften - Mojo - noch einen drauf. denn sie ver-
treibt teile ihrer auflage mit einer langspielplatte, welche
im verbund mit dem magazin (als collector´s edition), ähn-
lich einer doppel-lp, in ausklappbarem cover untergebracht
ist. zu hören gibt es, wie bei der herkömmlichen ausgabe
mit compact disc, "let it be revisited". eine neuinterpretation
des letzten albums von The Beatles, der lieblingsband der
redaktion. zwölf künstler, so unterschiedlich wie Judy
Collins, The Jim Jones Revue oder Phosphorescent, hauchen
den elf songs der urfassung ("one after 909" wurde doppelt
verbraten) neues leben ein.
das 1970 veröffentlichte original der pilzköpfe war seit
jeher, aufgrund der (nachträglichen) produktion durch
den schon damals zwischen genie & wahnsinn tänzelnden
Phil Spector, umstritten, auch in den eigenen reihen. auf-
nahmetechnisch eigentlich der vorletzte The Beatles long-
player, doch nach mehreren hundert studiostunden, die
teilweise auch mitgefilmt wurden und in einem zur legende
gewordenen live-auftritt am dach des Apple-gebäudes mün-
deten, landete man, arbeitsmäßig als auch zwischenmen-
schlich, in einer sackgasse. die bänder wurden abgelegt,
man brauchte luft, das management wurde gewechselt
und um finanziell wieder auf kurs zu kommen, ging die
gruppe nach einer pause für eine letzte zeit in die Abbey
Road studios und spielte den nach dem studio benannten
bestseller ein.
anschließend war der kuchen eigentlich gegessen, doch da
gab es ja noch diese bänder. wo der vierer satt hatte, wollte
die plattenfirma mehr. John Lennon brachte somit Phil
Spector ins spiel, den er bewunderte und dieser sollte sich
um das verbliebene material kümmern. heraus kam be-
sagte lp und ein anschließend kochender Paul McCartney,
der sich schlußendlich mit dem `03 veröffentlichten "let
it be... naked" rächte.
mit den Mojo-versionen hat Spector nichts mehr zu tun.
er sitzt wegen mordes im gefängnis und bringt dort den
wärtern das pfeifen bei. auch ein anderer Beatles-fan hat
sich bereits bei ihm, zwecks erwünschten gedankenaus-
tausch, gemeldet. der seit jahrzehnten einsitzende Charles
Manson, doch dieser ist selbst dem schrägen Phil zu durch-
geknallt.
vom umschlag der nummer 203 dieser monatsschrift
gucken natürlich die fab four (dies übrigens mindestens
zwei mal pro jahr) und ein McCartney exklusiv-interview
wird ebenso angepriesen. aber was soll onkel Paule auch
machen, wenn die alle immer wieder die alten geschichten
hören wollen? Ringo bringt es eben nicht so gut rüber, oder
kann sich nicht mehr voll erinnern und sonst ist keiner
mehr da, der ihm die arbeit abnimmt. Yoko Ono´s sicht
der dinge ist nicht unbedingt der grobe heuler.
erhältlich ist die auf 1000 stück limitierte spezialausgabe
im königreich sowie in den staaten in ausgewählten läden.
alle anderen konnten es via website probieren, jedoch ist
ebendort die ware bereits vergriffen. es gibt eine warteliste,
sollte etwas retourkommen, doch die chancen sind minimal.
die nächste anlaufstelle wäre E-bay.

Sonntag, 29. August 2010

Live Classics Vol. 8

u2-live

U2 - Live "Under A Blood Red Sky"


diese ende `83 erschienene mini lp wird, vor allem auf-
grund fast identer cover, gerne mit dem gleichnamigen
(damals) vhs-tape assoziert, welches zusätzlich noch mit
"U2 live at red rocks" untertitelt ist. der großteil der songs
des longplayers, 5 von 8, stammt aber von einem rock-
palast auftritt vom 20. august 1983. nur zwei lieder -
"gloria" sowie "party girl" - kommen aus dem repertoire,
das in der Red Rock naturarena nahe denver, colorado,
am 5. juni des selben jahres zum besten gegeben wurde.
dort aber war der himmel alles andere als "blood red",
denn es regnete den ganzen tag lang. ein weiterer titel -
"11 0´ clock tick tock" - wird noch von einer ein monat
früher gespielten show in boston beigesteuert. es handelt
sich um eine werkschau der tour zu ihrem wahrscheinlich
politischten als auch thematisch agressivsten studioalbum -
"war".
beim wieder-mal-durchhören dieses liveklassikers spürte
ich abermals, was mich einst an U2 begeisterte und ich
heute vermisse. natürlich kann man auch mit einer
gruppe mitwachsen, oder besser gesagt nebeneinander
herleben, wie es einem/r beliebt, aber hier lauscht man
einer band auf dem weg nach oben und da kann man sich
alle konzerte der aktuellen tour geben, man wird immer
nur einer band in der entgegengesetzten richtung begegnen.

genauer gesagt gibt Larry Mullen Jr. hierbei den rhythmus
vor, als wäre er ein armeetrommler, Adam Clayton feuert
seine bassläufe dem publikum voll in die eingeweide, David
"The Edge" Evans läßt die gitarre zeitweise aufheulen, wie
ein wal der `ne braut sucht und Paul "Bono" Hewson´s
stimme klingt frisch, kraftvoll, ehrgeizig, fesselnd, noch
nicht vom jet-set-leben zerfressen und er ist einfach rock-
sänger, kein messias in allen gassen. der sound einer clique
mit visionen, die nach größerem giert und dafür bereit ist
die stufen zu nehmen, anstatt mit dem fahrstuhl ins pent-
house hochzufahren. aus einer zeit, als es noch rein um die
musik ging, nicht um schnick-schnack. ein vierer, der, zu-
mindest in musikalischer hinsicht, eine revolution auslösen
wollte und nicht bei den politikern hinten rausguckte.

wenn man die augen schließt, fühlt man die band förmlich,
rauh, wild, jung, ungestüm, roh. man befürchtet, daß sie
einem/r ins gesicht springen, instinktiv zuckt man zurück.
vom bereits erwähnten "gloria" über "sunday bloody sun-
day" bis zum beruhigenden ausklang mit "40", wird einfach
auf teufel-komm-raus abgerockt, als gäbe es kein nächstes
konzert - so hat man zumindest das gefühl, aber vielleicht
war dies ja auch nur showbusiness?
das quartett formierte sich 1977 in dublin und machte
ab 1978 unter dem markennamen U2 programm. agieren
immer noch in originalbesetzung und nie drang ein streit
an die öffentlichkeit. eigentlich aus dem alternativen eck
kommend, doch über die jahre zu rockdinosauriern mutiert.
jenes werk und die zu beginn angeführte visuelle veröffent-
lichung, welche aus marketinggründen in den staaten auf-
genommen wurde, unterstützten infolge den durchbruch
ebendort. dies wiederum, sowie der damalige erfolg von
gruppen wie Replacements, REM oder auch Hüsker Dü,
war ein startschuß für den rock-underground, ein beweis
daß man es schaffen kann.

Sonntag, 22. August 2010

Freud & Leid

elton1


kino kann durchaus ein erlebnis sein. manche filme sind
so aufwendig produziert, die kommen erst so richtig auf
der (nicht mehr ganz so) großen leinwand rüber. oder
die 3-d-technologie, das muß man in den sälen gesehen
haben, zu hause fehlt da (noch) etwas - bei mir vor allem
das geld. diese technik macht aus einer durchschnittlichen
handlung wie z.b. "avatar" einen sehenswerten film. nicht
viel anders wird es beim kommenden "resident evil" teil sein.
natürlich gab es auch in punkto ton verbesserungen.
aber wenn man so überlegt, wieviel eine kinokarte heute
kostet, da bekommt man (relativ) bald nach veröffentli-
chung schon die dvd dafür. im idealfall das 2-disc-set mit
deleted, extended sowie behind the scences und eventuell
noch einer dokumentation zum thema.
gut, kino sollte eben ein erlebnis sein - oder auch nicht.
aber vielleicht bin ich ja der einzige, welcher sich durch
das immer ärger werdende essen & trinken in den licht-
spielsälen gestört fühlt. rascheln, kauen, schmatzen,
gurgeln, rülpsen sowie sich verschlucken und dies
mindestens neunzig minuten lang - super. ebenso wie
oft bei konzerten, muß man sich die frage stellen, warum
kaufen sich leute ein ticket, wenn sie sich doch eigentlich
nur unterhalten wollen? dies ginge im büffet doch viel
besser, doch wahrscheinlich ist es dort nur halb so lustig.

natürlich ist bei filmfestivals oder in programmkinos das
publikum niveauvoller, interessierter und es sind auch
keine kinder dabei, welche die altersgrenze unterschreiten
und sich bei anspruchsvolleren streifen ohnehin fadisieren.
dafür ist das angebot an material als auch oft an karten
eingeschränkt. im extremfall fährt auch nicht jede/r auf
werkschauen des vietnamesischen oder weißrussischen
filmschaffens ab.
am besten wäre wohl ein eigenes kino, doch dann bräuchte
man erst wieder ein popcorn-mampfendes sowie soft-drink-
schlürfendes publikum, welches eine/m über wasser hält.

Sonntag, 15. August 2010

Zappelig

casablancas


The Strokes sänger Julian Casablancas sagte vor einigen
wochen in rahmen eines interviews, daß ein album vom
anfang bis zum ende durchzuhören, eigentlich nicht
seinem geschmack entspräche. er bevorzuge einzelne
songs.
nun, da argumentiert er seiner generation und den nach-
gefolgten sicher aus der seele und ich will ihm hierbei nicht
unbedingt widersprechen, einer meinung sind wir aber
trotzdem nicht.
wenn ein longplayer im ganzen nicht hörbar ist, dann ist
er auch nicht kaufbar - zumindest nicht zum vollpreis.
bleibt doch sitzen auf euren drei-bis-vier-guten-lieder-alben
plus füllmaterial. jedoch ein werk, welches einen beginn
und ein ende sowie in der mitte etwas zu "erzählen" hat,
ein stück mit "hand & fuß", das kann man sich auch durch-
hören, da will man gar nichts davon verpassen und die
damit verbrachte zeit ist es einem/r auch nicht leid.
bei einem roman liest man ja auch nicht nur einzelne
kapitel, oder bei einer dvd guckt keine/r nur ausgewählte
szenen. im gegenteil, da möchte man, bei einem streifen
der es wirklich wert ist, die geschnittenen szenen auch
noch eingefügt haben und nicht anschließend zum hinter-
herbetrachten.
das gesamtwerk als solches ist interessant bzw. wenn man
ein paar teile der musik hört, will man den rest auch ken-
nenlernen - um das "bild" zu vervollständigen. bei platten
wie "creeping up on jesus" von The Big Dish, "copperhead
road" von Steve Earle, Erma Franklin´s "soul sister",
Quireboys´ "a bit of what you fancy" oder auch "the ablist"
von Rob Swift - um nur ein paar zu nennen - da möchte ich
auf keinen track verzichten.
gut, dies waren jetzt vielleicht nicht jene longplayer, die
jede/r zu hause rumliegen hat, doch auch klassiker wie
John Coltrane´s "a love supreme", "pearl" von Janis Joplin
als auch "murmur" von REM, kennt Julian Casablancas
von a - z scheinbar nur vom hörensagen.
das heißt aber jetzt nicht, daß man sich jeden einzelnen
song davon auf ein mix-tape aufnimmt, auf compilation-
cds brennt oder auf den mp3-player lädt, aber dies sind
ja zwei paar schuhe. wer ausschließlich diese art des musik-
genusses wählt, die/der zappt wahrscheinlich auch per-
manent zwischen den fernsehsendern hin & her und sieht
sich kaum einen film oder beitrag vollständig an. von
überall etwas, doch nichts zur gänze - kann am ende noch
etwas getrennt werden oder verschmiltzt alles in sich?

nebenbei bleibt auch noch die frage offen, wieso Julian
Casablancas letztes jahr ein soloalbum auf den markt warf
und nicht nur eine ep, oder noch besser eine art "under the
influence" zusammenstellung?
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Vinyl über alles!

in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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