Sonntag, 20. September 2009

Seelenlos

eric-clapton


konzerteintrittskarten, wie waren die früher individuell -
bilder, zeichnungen, band oder albumcover darauf abge-
bildet. heute werden sie meist über verschiedene ausgabe-
stellen verkauft und jede davon hat ihr eigenes, praktisch
für alle veranstaltungen idente, fade aussehen. nur
künstler, datum sowie auftrittsort unterscheiden sich
voneinander. als spiele es praktisch keine rolle mehr,
wo man hingeht bzw. zu wem. doch auch originaltickets,
für die einst so mancher auf vergünstigungen verzichtete,
sind keine offenbarung mehr und schon gar kein herzeig-
bares souvenir. wenn man vor ort am eingang zahlt,
bekommt man maximal einen stempel verpaßt, der,
bei entsprechender körperhygiene, noch in der selben
nacht geschichte ist.
einst engagiertes design, nun versunken im meer der gleich-
gültigkeit. ähnlich den stark an wert eingebüßten record-
sleeves. die immer weniger werdenden tonträgerkäufer
sollen kreatives schaffen finanzieren, damit die gratis-
downloader auf ihren I-pods wissen was sache ist, doch dies
wird auf dauer nicht gut gehen. die folge ist low budget art
für gratisblitzer.
auch die der ankündigung dienenden konzertposter werden
immer trostloser. schon gegen ende der 60er wurden
plakate gefertigt, die heute noch an nostalgiker in form
von drucken verkauft werden. das aktuelle material,
welches im zeichen des rotstifts produziert wird und meist
nur die blanke information liefert, kann maximal jene
begeistern, die bereits sehnsüchtig auf die beworbenen
protagonisten gewartet haben. für neues, zusätzliches
publikum, bräuchte es doch ein mehr an beteiligung,
doch diese kostet. darum wird alles immer gleichge-
strickter, farbe weicht der bläße, individualismus beugt
sich der masse und eigenheiten verschmelzen zu gleich-
artigkeit.
ja gut, man kann all dies als nebensächlichkeiten abstem-
peln, auf den kern, die musiker(innen) und ihr werk kommt
es an und es stimmt auch irgendwie, doch das drumherum
ist die gewisse würze, welche alles zusammen zum erlebnis
macht.

Sonntag, 13. September 2009

Alte Hüte

beatles-masters


am 9. september erschienen weltweit, wie in allen
möglichen medien propagiert, die alten alben von
THE BEATLES in neuer form. "remastered - rediscovered",
wie uns das marketing wissen läßt. angeblich wurde an
die vier jahre daran herumgedoktort und laut Paul
McCartney sowie Yoko Ono, klingt das Fab Four gesamt-
werk so gut wie nie.
Ringo wurde anscheinend nicht gefragt. aber vielleicht
kommt ihm das ganze auch schon komisch vor. möchte
jetzt gar nicht zählen, wie oft material der (ehemaligen)
Pilzköpfe in diversen formaten neu aufgelegt bzw. wieder-
veröffentlicht wurde. jedesmal sei der klang besser als
alles dagewesene. nun hört man angeblich töne, die vorher
wohl nur dem tierreich vorbehalten waren.
wahrscheinlich werden hierbei die masterbänder wieder in
die einzelnen spuren aufgeteilt, bei manchen wird der regler
etwas mehr nach oben geschoben, damit dieses instrument
oder jenes geräusch mehr in den vordergrund rückt, etwa-
ige fehler ausgebügelt, alles durch einen filter gejagt, all-
fällige störgeräusche entfernt, das ganze neu abgemischt
und nach dem derzeit besten verfahren auf den träger
gebracht. eventuell findet man noch etwas, das vorher
gar nicht in der tüte war.
doch kann ich mich nicht erinnern, daß THE BEATLES,
das label EMI oder produzent George Martin bei der erst-
veröffentlichung gesagt hätten, die jeweilige lp entspräche
nicht den erwartungen bzw. den im studio eingespielten
tatsachen. auch später war dies nie ein thema. "revolver"
als auch "sgt. pepper´s lonely hearts club band" waren
bereits meilensteine, als sie noch in klassisches vinyl
gepreßt, auf (heute) antiquarischen equipment abgehört
wurden.
im laufe der jahre wurden zuerst die schwarzen scheiben
"remastered" und später "digitally remastered" aufgelegt.
frei dem motto "best possible sound quality". doch nun
heißt es plötzlich "digitally remastered for the first time
ever". gilt wahrscheinlich nur für die 1987 erstmals pro-
duzierten cds, die angeblich damals schon klar, wie nichts
zuvor klangen. auch 2006 entlockte der dazumal bereits
fast taube George Martin, in zusammenarbeit mit seinem
sohn, zum erstaunen aller betroffenen, so manchem THE
BEATLES titel neue töne. dies geschah für das "love" projekt
des Cirque Du Soleil. diesmal wurde er aber nicht in den
erneuerungsprozeß miteinbezogen.
die 2009er releases sollen eine möglichst authentische
wiedergabe der original analogaufnahmen darstellen.
also etwas mit der technologie von heute bearbeiteten,
damit es klingt wie in den guten 60ern. da beißt sich der
hund selbst in den schwanz. fakt ist, jede(r) die/der sich
eine bessere anlage oder einzelne komponenten kauft, im
falle des falles sein tonabnehmersystem upgradet, hört
die werke von John, Paul, George & Ringo oder sonstigen
künstlern, wie nie zuvor. natürlich setzt in weiterer folge
der gewöhnungseffekt ein. andererseits, wenn man diese
neuen cds in die Tchibo-kompaktanlage lädt und auf
play drückt, braucht man sich nicht zuviel erwarten,
denn der ultimative schliff der aufnahme, benötigt den
letzten schrei der wiedergabe, um bestens zur geltung zu
kommen.
frage mich nur, ob es wirklich leute gibt, welche sich jede
neuauflage kaufen, um sie anschließend gegeneinander
auszuspielen. eher werden sie zwecks komplettierung ab-
gelegt, die qualität der reproduktion spielt hierbei eine
untergeordnete rolle. letzteres gilt auch für die rund zwei-
hundert euro kosten der stereobox. die monoedition gibt
es billiger, braucht man dann auch nur einen lautsprecher.
natürlich sind die alben, für die schmale börse oder zum
probehören, auch einzeln erhältlich.
diese offensive spült allen begünstigten eine stange geld in
die laden. wenn dies dann gezählt ist, werden die nächsten
projekte in angriff genommen. die Disney Studios möchten
den `68er trickfilm "yellow submarine" neu verfilmen.
auch hierzu wird es den soundtrack (wahrscheinlich)
in einer art geben, wie wir ihn bisher noch nicht hören
durften.

Sonntag, 6. September 2009

Live Classics Vol. 4

motorhead

MOTÖRHEAD - No Sleep `til Hammersmith


zum ausklang der urlaubszeit, wenn die nachbarn teilweise
noch ausgeflogen sind, kann man wieder mal die lautspre-
cher entstauben, sie ordentlich durchblasen. hervorragend
dafür geeignet wäre dieses livealbum des englischen metal-
trios MOTÖRHEAD, das aber nicht, wie ich damals ob des
titels selbst glaubte, im londoner Hammersmith (einst noch)
Odeon aufgenommen wurde, sondern in leeds´ Queens Hall
sowie newcastle´s City Hall. der name des longplayers steht
eher für eine tour, bei der sie kein auge zugemacht haben.
denn "party" war seit jeher das motto des bandleaders
Lemmy Kilmister (gesang, baß)und dem rest der definitiven
besetzung dieser formation mit Phil "Animal" Taylor
(schlagzeug) sowie "Fast" Eddie Clarke (gitarre, gesang).
zwischen diesen dreien flogen sprichwörtlich die funken
und sie waren auch verantwortlich für studioklassiker
wie das gleichnamige debüt, "overkill", "bomber" oder
"ace of spades". letzterer war auch der grund für die tour,
die zu diesem mitschnitt führte, der wiederum auf platz
eins in den u.k. charts einstieg.
plötzlich waren drei ungewaschene, versoffene, rülpsende
als auch genüßlich furzende metalheads, die heißeste band
auf der insel und auch international war die kacke am
dampfen - dies nicht zu unrecht. das ganze beginnt mit
dem treibenden titelsong von "ace of spades" und obwohl
man zuhause im wohnzimmer sitzt, möchte man am
liebsten aufspringen, sich nach vorne an den bühnenrand
drängen und den jungs zur anerkennung die mittelfinger
entgegenstrecken.
favoriten wie "overkill", "(we are) the road crew", "bomber"
oder zum abschluß "motörhead", lassen einem den kopf
nicht ruhig halten. dies ist ein geradliniges, ungekünsteltes,
brachiales mitten-ins-gesicht-package, der einst wildesten
hunde im musikbusiness. punk im metalpelz.
ein weiteres, weniger engagiertes studioalbum namens
"iron fist" gab es noch in dieser besetzung, doch dann begann
der erfolg seinen tribut zu fordern und dieses magische drei-
eck brach, aufgrund von differenzen - ergo egos, auseinan-
der.
Lemmy, der einstige The Jimi Hendrix Experience roadie
und spätere Hawkwind bassist (er wurde von den trippen-
den space rockern ironischerweise wegen eines drogenver-
gehens gefeuert), ist die einzige konstante in der langen
geschichte von MOTÖRHEAD mit wechselnden musikern.
Clarke gab zu besonderen anlässen für ein paar songs
bühnencomebacks, wie auch Taylor, der nebenbei noch
zwischen `87 und `92 abermals ein fixes mitglied des
damaligen quartetts mit Phil Campbell und Wurzel war.
demnächst erwartet uns ein neues album des aktuellen
line-ups um Kilmister sowie eine tournee. ein richtiger
outlaw stirbt eben in seinen stiefeln und nicht im bett.

Sonntag, 30. August 2009

Beifutter

ME_280


deutschlands Musikexpress greift zum zweiten mal in den
schwarzen topf und gibt seiner aktuellen ausgabe (09/09),
gegen kleinen aufpreis, zusätzlich zur obligaten cd, eine
split-7-inch, mit Bloc Party´s neuer single "one more chance"
auf der a-seite sowie Simian Mobile Disco´s "audacity of
huge" in der b-rille, bei.
an ersteren kann man sehen, wie es momentan im musik-
geschäft zugeht. Bloc Party brachten letztes jahr ihr drittes
album "intimacy" auf den markt, welches abermals künst-
lerisch überzeugen konnte. auch touren sie, wie heutzutage
üblich, umfangreich und bieten dem publikum mitreißende
auftritte. trotzdem stehen sie momentan ohne vertrag da.
dieser song, der nur auf neueren ausgaben des aktuellen
longplayers zu finden ist, entsprang noch der alten bindung.
wenn heutzutage die verkaufszahlen nicht stimmen, über-
legen sich label oder vertrieb zweimal, ob sie einen auslau-
fenden vetrag verlängern.
besser geht es da (momentan noch) den zweiten protago-
nisten. das elektro-pop-rock-duo Simian Mobile Disco, be-
stehend aus James Ford & James Anthony "Jas" Shaw,
welches der aufgelösten britischen indie-band Simian
entsprang, versucht ihrem debüt mit dem neuen output
"temporary pleasure" noch einen draufzusetzen. sie haben
dafür auf die unterstützung der frontfiguren von Gossip,
Hot Chip, Yeasayer sowie Super Furry Animals gesetzt.
nach der anstehenden promoarbeit geht es ende oktober
auf us-tour.
da eine hin & wieder beigelegte 7-inch die verkaufszahlen
erwiesenermaßen aufbessern kann und für zusätzliche
reputation sorgt, steigt nun auch das schwesternmagazin
Rolling Stone (deutsche ausgabe) in den ring und gab dem
am 27.8. erschienenen heft eine neupressung der vierten
prä-debüt-veröffentlichung von den Stone Roses, die single
"made of stone" mit der rückseite "going down", bei.
das gegen ende `96 aufgelöste rave-quartett ist mit dem
nunmehr 20-jährigen jubiläum ihres grandiosen erstlings
"the stone roses" abermals in aller munde. im rahmen der
"feierlichkeiten" tauchen immer wieder gerüchte um eine
wiedervereinigung auf, doch (noch) will einmal dieses,
dann jenes ex-mitglied nicht. wie immer eine problem-
mischung aus geld und ego.
für sammler jedenfalls eine gelegenheit, da solche releases
immer weltweit begehrt sind. jedoch stößt der verlag mit
den vinylbeigaben in punkto export nach schweiz sowie
österreich auf unlösbare probleme. schon in rahmen der
ersten 7-inch-aktion im februar, wurde vergeblich nach
logistikmöglichkeiten gesucht. die lösung liegt wahrschein-
lich am boden des weißbierglases.
interessenten außerhalb deutschlands haben am ehesten
chancen beim nationalen vertrieb.

Sonntag, 23. August 2009

Swedish - Jukebox

schweden


mein diesjähriger city-trip führte mich nach Stockholm.
"Venedig des nordens", retourniert dir jede(r), wenn sie/er
erfrägt, daß es in die schwedische hauptstadt geht. nur,
bereits vor ort war kaum jemand. denn ich würde es eher
als eine mischung aus Amsterdam sowie Kopenhagen
beschreiben.
auch vorab, bei den üblichen tip-hotspots im internet,
ist die skandinavische metropole nicht immer bzw.
spärlich vertreten. ist eben nicht so ein touristenmagnet
wie London, Paris oder Rom. was aber den aufenthalt umso
gemütlicher macht, wenn nicht alles so überlaufen ist.

seit 1634 ist man offiziell die hauptstadt Schwedens, ver-
teilt sich auf 14 inseln, hat aktuell ca. 800 000 einwohner,
ist ab 1995 mitglied der eu, verzichtet aber auf den
"teuro" und rechnet grob mit 1:10 schwedische kronen.

in punkto architektur bietet die stadt alt, in form einer
historischen stadtmitte sowie manchen häusern auf
dem beliebten ausflugsziel, der park- und museumsinsel
Djurgarden, als auch neu, dargestellt durch die auf dem
festland liegende, moderne city mit bankgebäuden, büro-
hochhäusern, ministerien sowie shoppingmeilen. all dies
kann mit fahrrad, bus, auto, per pedes oder mit dem boot
erkundet werden.
das klima ist auch im sommer etwas rauher, als man
in mitteleuropa gewohnt ist. einheimische unterscheiden
sich von touristen, meist durch die leichtere kleidung.

abschließend muß ich für meinen geschmack feststellen,
daß mir Stockholm zu wenig "rockte". es gibt zwar ein paar
musikläden und das rettende Hard Rock Cafe, welches
unter anderem mit größerer würdigung von Van Halen,
Bruce Springsteen, INXS oder U2 überzeugen konnte,
doch unter dem strich schaute zu wenig raus. gerade
in den letzten 15 jahren kamen doch jede menge gepflegter
bands aus Schweden, das sich damit zu einem der topmusik-
länder europas gemausert hat. doch damit wurde man vor
ort nicht unbedingt konfrontiert.
hier nun die auswahl zu meiner riff-betonten Schwedentour.

a) CARDIGANS - Iron Man
mit dieser zuckerwatte-version des Black Sabbath
klassikers, war der hauptstadtvierer lounge-cover-
bands wie Nouvelle Vague oder marke Hollywood,
Mon Amour um lichtjahre voraus. die band liegt
nun auf eis, da sich sängerin Nina Persson lieber
ihrem ehemaligen nebenprojekt A Camp widmet.

b) PEN EXPERS - Star
dieses sextett formierte sich 2004 in göteborg und
zählt Joy Division als auch Crime & The City Solution
zu ihren einflüssen. veröffentlichten `07 ihr erstes
album und der nachfolger "baby is gone straight"
ist bereits fertig.

c) ABBA - Does Your Mother Know
ob man sie mag oder nicht, sie sind schwedens
erfolgreichsten musiker und entkommen kann
man ihrem nachlaß kaum. hier zeigen Björn,
Benny, Agnetha & Frida, daß sie auch rocken
können - hätten sie es nur öfter probiert.

d) THE HIVES - Main Offender
starteten zu beginn der 00er mit einem sound,
im damals angesagtem garage rock stil durch und
machten nägel mit köpfen. wurden kurz darauf
von Oasis entdecker Alan McGee unter vertrag
genommen. anschließend führte sie der erfolg
in die arme der majorlabels und die kanten
wurden immer weniger.

e) MANDO DIAO - Sheepdog
dieser 5er wurde ebenso vom garage rock revival
anfang des jahrzehnts an die oberfläche gespült
und untermauerte seine daseinsberechtigung
mit dem krachigen debüt "bring `em in". eine
zeit lang hielten sie noch ihren unbekümmerten
stil aufrecht, doch mittlerweile schwimmen
auch sie in ruhigeren gewässern.

f) GRAVEYARD - Evil Ways
ebenfalls in göteborg im jahre `06 gegründeter
classic rock vierer mit psychedelischer note,
bei dem ein ordentliches riff noch etwas zählt
und auch dementsprechend abgefeiert wird.

g) BACKYARD BABIES - Minus Celsius
das hart rockende quartett lernte sich bereits
während der schulzeit kennen, formierte sich
schlußendlich ende der 80er und tourt seither
heftig. bekamen kürzlich einen karriereschub
verpaßt, da sie mit diesem song in Guitar Hero III
vertreten sind.

h) REFUSED - The Shape Of Punk To Come
im jahre `91 gegründete hardcore band, welche
die grenzen des genres verschob. lösten sich am
höhepunkt ihres werdeganges, nach veröffentlichung
des wie jener song betitelten albums, 1998 auf.
haben mit ihrem meisterstück nicht nur eine
reihe schwedischer gruppen beeinflußt.

i) DEATHSTARS - Death Dies Hard
goth/glam metal quintett, gegründet anfang 2000,
das vor allem optisch, mittels gesichtsbemalung und
uniformen, gut rüberkommt. vergleiche mit Marilyn
Manson, HIM oder Rammstein sind unüberhörbar.
haben sich durch massive livepräsenz bereits eine
ordentliche fangemeinde erarbeitet.

j) THE HELLACOPTERS - In The Sign Of The Octopus
diese 1994, anfangs als nebenprojekt, gegründete
retro rock formation, ist bereits in den ewigen jagd-
gründen. sie absolvierten letztes jahr ihre finale tour
und beendeten diese mit 4 ausverkauften konzerten
in stockholm. auf dem plan stehen noch ein posthumes
livealbum sowie eine art tourfilm.
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