Sonntag, 12. Juli 2009

Workaholics

costello


künstler, welche einen ungezügelten output pflegen,
sind mir suspekt. wie zum beispiel Bob Dylan, der
praktisch ohne unterbrechung tourt sowie nebenbei
immer wieder etwas veröffentlicht. worüber anscheinend
viele recht glücklich sind und stolz erzählen, wie oft sie
ihm schon live sahen bzw. welche aufnahme davon
authentischer rüberkommt. Neil Young ist von ähnlichem
schrot & korn. es scheint als bringe er im spätherbst seiner
karriere, mehr material unter die leute als zu seiner hoch-
zeit. wobei sein letztes studioalbum "fork in the road" über
jeden zweifel erhaben war.
auch Elvis Costello hat wieder fahrt aufgenommen. schickt
nicht einmal ein jahr nach "momofuko" bereits den nächsten
longplayer namens "secret, profane and sugarcane" in die
läden. jüngstes beispiel ist Jack White. er ist zwar (relativ)
frisch verheiratet, aber offensichtlich selten zu hause.
nach The White Stripes (sind demnächst wieder mit
einem neuen werk an der reihe), The Raconteurs sowie
dem James Bond titelsong, ist er nun mit der formation
The Dead Weather umtriebig. er hält sein level (außer
bei 007) beachtlich hoch.
desgleichen hält Stephen King seine leser auf trab. er
verfaßt sogar noch unter pseudonym, sowie geschichten
aus verschiedenen sichtweisen. führt ebenso mal regie, da
er mit den verfilmungen seiner werke selten zufrieden ist.

Robert De Niro, der trotz krebserkrankung (oder deswegen)
im autopilot-modus einen film nach den anderen dreht
und dabei sämtliche qualitätskontrollen außen vor läßt.
sein alter "rivale" Al Pacino ist ihm dicht auf den fersen.

natürlich braucht es einem ja nicht zu kümmern, doch
hat es auch eine gewisse tragik, wenn jemand der sichtlich
begabt ist, den man bewundert (hat), seine fähigkeiten
ungebündelt zum fenster rauswirft. früher traten verleger,
plattenfirmen oder ähnliches auf die bremse um den markt
nicht zu übersättigen, doch im zeitalter der selbstvermark-
tung beziehungsweise des barrierefreien marktes, hat der
künstler weniger beschränkungen. was gleichfalls eine
gute eintwicklung ist. bringt es doch die freiheit des
schaffenden, die befriedigung des verehrenden als auch
die bereicherung der begünstigten.
es kommt aber auch einer art der verdrängung gleich.
wenn die gemeinde von ihrem idol permanent mit "nah-
rung" versorgt wird, kommt sie weniger dazu sich nach
etwas anderem umzusehen. entsteht aber eine lücke,
wird vielleicht versucht diese mit etwas neuem zu
schließen. da tun sich dann plötzlich neue welten auf.
schlußendlich kann jede/jeder für sich selbst entscheiden,
wie weit er sich einer/einem schaffenden ausliefern will
und ob überhaupt.

Sonntag, 5. Juli 2009

Zusammenspiel

tommy


bei den Ramones waren die songs alle irgendwie nach
dem gleichen muster gestrickt - 1,2,3,4 und ab ging
die post. von AC/DC kann man ohne groß nachzudenken,
eine lp an die andere reihen und der sound von The Cure
beziehungsweise The Fall hat sich über die jahre auch
kaum geändert. dies finden die einen jetzt gut, doch die
anderen weniger originell. es gab natürlich auch künstler
wie Frank Zappa, Elvis Costello oder (mit einschränkung)
Sinéad O´ Connor sowie David Bowie, die ihren stil mehr-
fach abwandelten. bei weiteren wiederum hätte man sich
gewünscht, sie wären ihrer linie treu geblieben.
aber wenn ich mir einen longplayer kaufe, erwarte ich
doch eher eine einheitliche richtung und diese sollte beibe-
halten werden. nicht aus jedem dorf einen hund, wie der
volksmund zu sagen pflegt. denn ich sehe das album als
gesamtwerk und nicht als sparbüchse für ideen.
wenn es nach der plattenfirma geht, wäre wohl eine hit-
single, welche den markt öffnet, eine ballade plus die eine
oder andere coverversion der idealfall. anfang der 80er
war eine reggaenummer auf der langspielplatte für die
breitere publikumswirkung ebenso vonnöten. doch wenn
ich mir ein album durchhöre, möchte ich nicht das gefühl
haben ich lausche dem radio, wo versucht wird, soviel
bedürfnis wie möglich abzudecken. es muß ja kein konzept-
werk wie "tommy" von The Who, Green Day´s "american
idiot" oder Emerson, Lake and Palmer´s "pictures at an
exhibition" sein, bloß ein stilistischer faden wäre für
meinen geschmack wünschenswert.
wenn einem der sound eines tonträgers gefällt und dieser
beibehalten wird, dann stehen die chancen gut, daß man
den output als ganzes mag. es muß ja nicht jeder musiker
den eingangs erwähnten acts nacheifern, doch kontinuität
innerhalb einer arbeit ist mir persönlich angenehmer.
natürlich gibt es genug leute die widersprechen würden,
aber sind diese überhaupt am gesamtbild interessiert?
oder sind es jene, welche sich anschließend die lieblings-
tracks auf den mp3-player laden und die cd für immer
ablegen bzw. gleich weitergeben sowie im extremfall gar
nicht erst kaufen? was wiederum zum momentanem
schreckgespenst in form von "tod des albums" passen
würde.
jeder will nur mehr die singles, greatest hits oder gar eine
ultimate collection. jedoch genau dieses spielt sich am ehe-
sten tot, wurde so oft eingesetzt, daß man bei den eröff-
nungsakkorden bereits kopfweh bekommt und es erst nach
jahren wieder verträgt. das nichtausgekoppelte material,
welches mit dem airplay-stoff harmonisiert, ist teil des
ganzen sowie der rahmen des gesamtbildes. die wahre
substanz eines musikers zeigt sich nicht an den charts-
platzierungen sondern an der "füllmasse". nur paßt dies
eben schlecht in unsere schnellebige zeit in der alles
komprimiert sein muß.

Sonntag, 28. Juni 2009

Moonwalker

jacko


"MICHAEL JACKSON ist tot", diese, das wochenende
beherrschende nachricht, klingt so irreal als wäre
Micky Mouse verstorben. dabei hätte er selbst wohl
den vergleich mit Peter Pan bevorzugt (auch dessen
ableben wäre unglaubwürdig), erinnerte in den letzten
jahren aber eher an Elizabeth Taylor.
MICHAEL JACKSON wurde am 29. august 1958 in gary,
indiana, usa in eine kinderreiche familie, bei der musik
immer die hauptrolle spielte, hineingeboren. von kindes-
beinen an musizierte er mit seinen brüdern als Jackson 5
(vormals Jackson Family) und nachdem sie bereits konzerte
von künstlern wie The Isley Brothers, Gladys Knight And
The Pips oder O´Jays eröffnet hatten, wurde die formation
ende `68 von Berry Gordy´s hitfabrik Motown Records
unter vertrag genommen. jung-MICHAEL, der sich seine
art der performance von James Brown abgeschaut hatte,
baute man nebenbei auch noch zum soloact auf. nach
Jackson 5 hits wie "abc", "i want you back" als auch "the
love you save", die heute noch jeden tanzboden füllen,
brach die bruderschaft den knebelvertrag mit Motown
Records und war nach einer außergerichtlichen einigung
frei für Epic Records. der markenname blieb aber beim
alten vertragspartner und so hießen sie nun schlicht
Jacksons.
zukünftig hatte die familie mehr kontrolle, die brüder
konnten sich kreativer entfalten. wobei MICHAEL seine
solokarriere nicht aus den augen ließ und im filmmusical
"the wiz" nicht nur eine vogelscheuche gab, sondern auch
am soundtrack mitarbeitete. hierbei traf er auf eine der
umtriebigsten sowie erfolgreichsten figuren der musik-
geschichte - Quincy Jones. diese begegnung war richtung-
weisend im weiteren werdegang.
mit ihm scorte er einen hattrick in form von "off the wall"
aus dem jahre `79, "thriller" (`82) sowie "bad" (`87), der
den musikalischen ruf des MICHAL JACKSON in ewigkeit
zementierte als auch wegweisend war & ist für zig-künstler-
generationen. wie viele aber-millionen alben von diesem
dreierpack verkauft wurden, anzahl der auszeichnungen,
chartsplatzierungen und wie oft teile daraus gesampelt
wurden, bleibt ein fressen für statistiker. wie auch all
das nachfolgende, ohne Jones eingespielte schaffen des
meisters.
im soge seines unbeschreiblichen aufstiegs, mutierte
JACKSON zum "Wacko JACKO". erfolg war das ziel, welches
ihm vom dominanten vater & manager Joe Jackson in
die wiege gelegt wurde. somit ordnete er diesem alles unter
und da im endeffekt die hautfarbe eine rolle spielt(e), ver-
kaufte er seine seele und wandelte sich vom schwarzen
star zum "weißen" superstar. diese eigentlich jahrzehnte
dauernde transformation zerstörte ihn nicht nur, sondern
brachte auch nebenwirkungen wie gesundheitliche pro-
bleme, depressionen, phobien, medikamentensucht plus
eine gestörte psyche mit sich. zusätzlich gab es in seinem
umfeld noch unzählige parasiten, die aus all den ihm
eigenen sonderheiten profit schlugen. eine folge seiner
gestörten persönlichkeit drückte sich dadurch aus, daß er
zu dicht an kleinen jungs klebte. dies zog ihm endgültig den
teppich unter den füßen weg und die jahrelang manipulie-
rten medien schlugen zurück.
die letzten 20 jahre füllte JACKO zeitweise mehr die klatsch-
denn die musikpresse. finanziell kollabiert werkte er zuletzt
an einem neuen album, gab die hälfte seiner rechte an den
Lennon/McCartney kompositionen (welche er 1985 Yoko &
Paul vor der nase wegschnappte) an seinen brötchengeber
Sony ab und sollte ab 13. juli fünfzig ausverkaufte konzerte,
über 6 monate verteilt, in london geben. obgleich es hierbei
wieder probleme gab, da angeblich vorab ein vertrag für
eine us-tour der Jacksons (mit seinen geschwistern gab es
immer wieder kollaborationen) unterschrieben wurde.

diese schwierigkeit scheint nun behoben, denn am 25. juni
verstarb der selbsternannte "king of pop" in los angeles an
herzstillstand. es werden wohl maximal 75% der tickets
retourniert werden und sein tod erinnert (nicht nur in
diesem fall) an den des "king of rock & roll", mit dessen
tochter Lisa Marie Presley er fast zwei jahre lang
publicityträchtig verheiratet war. aufgrund seiner
loyalen fangemeinde sowie dem geschäftstüchtigen
umfeld ist wohl ein ähnlicher totenkult zu erwarten.

Sonntag, 21. Juni 2009

Live Classics Vol. 3

nirvana1

NIRVANA - MTV Unplugged In New York


das, ende der 80er vom sender MTV ins leben gerufene,
tv-format "unplugged", bei dem bekannte musiker die
perlen ihres (an und für sich) elektronisch verstärktem
repertoires, mit akustischen insrumenten wiedergeben,
war, von der idee her, bereits damals ein alter hut.
Elvis Presley´s "`68 comeback special" war eine NBC-
tv-aufzeichnung, bei welcher der großteil des programms
mit so wenig aufwand wie möglich wiedergegeben wurde.
die "let it be sessions" von The Beatles, wobei proben mit
neuen songs, coverversionen sowie alten klassikern der
band in einem filmsudio gedreht wurden, sowie unzählige
akustische radioauftritte von verschiedensten künstlern,
die manchmal auch in limitierter auflage als tonträger
oder gar als raubpressung veröffentlicht wurden. all dies
gab es bereits vor der inbetriebnahme dieses musiksenders.

trotzdem, der bekannteste mitschnitt der MTV sendereihe
wurde am 18. november 1993 in den Sony music studios,
new york aufgezeichnet und zum 14. dezember gesendet;
NIRVANA - "unplugged in new york".
NIRVANA, jene band aus den vereinigten staaten - es gab
bereits ab den späten 60ern eine formation dieses namens
in england, die aber eher in der psychedelischen richtung
unterwegs war - gegründet bereits 1987, doch erst ab
april `91 war die klassische besetzung mit Kurt Cobain
(gitarre, gesang), Chris Novoselic (baß), David "Dave" Grohl
(schlagzeug) zusammen. von hardcore, punk sowie classic
rock inspiriert, kreierte man einen sound, der infolge als
"grunge" schubladisiert wurde, doch von Kurt einst ironisch
marke "Bay City Rollers getting molested by Black Flag"
bezeichnet wurde.
nach drei studioalben plus einer raritätensammlung, nahm
das trio ein angebot des senders an, zimmerte ein programm
für den auftritt und nach zwei tagen probe trat man zur
besagten zeit, unter mithilfe von cellistin Lori Goldston als
auch dem neu für konzerte verpflichteten gitarristen Pat
Smear, vor das ausgewählte publikum.
da NIRVANA nicht, wie in diesem tv-format üblich, ein
greatest-hits-programm runterspulten, sondern eher songs
aus der zweiten reihe den vorzug gaben und den rest der
laufzeit mit liedgut von musikern, die sie bewunderten
auffüllte, gab man auch drei nummern unter teilnahme
des Meat Puppets brüderpaares Cris & Curt Kirkwood zum
besten. die band promotete des öfteren acts, welche ihrer
meinung nach unter wert gehandelt wurden.
das set selbst machte dem thema alle ehre und man hat
beim anhören zeitweise das gefühl, die musiker sitzen bei
einem im wohnzimmer. so intim als auch fragil kommt
das ganze aus den lautsprechern. die stimme von Cobain
wirkt zerbrechlich und droht manchmal fast zu kippen.
man könnte auch sagen, sie spiegelt seinen damaligen
gemütszustand wieder. fast vier monate nach der erst-
ausstrahlung nahm sich Kurt Cobain das leben. desillu-
sioniert, verzweifelt, seine hilferufe wurden nicht erhört.

mit diesem hintergrund war das am 1. november heraus-
gebrachte album ein verkaufsschlager. das programm
wurde bereits mehrmals wiederholt und ist mittlerweile
auch als dvd am markt. "MTV unplugged" gab es vor
NIRVANA und danach, doch kein auftritt schaffte dieses
level. inzwischen ist jener einfall voll ausgelutscht und
ich frage mich, wen es wirklich noch juckt? wie wäre es,
wenn z.b. Antony Hegarty oder Kate Bush vollverstärkt
heavy metal singen würden?

Sonntag, 14. Juni 2009

Namhaft

yoko-ono


kürzlich wurde die zweijährlich stattfindende Biennale Di
Venezia, eine kunstausstellung, welche sich heuer zum drei-
undfünfzigsten mal jährt, eröffnet. seit 1970 wird dabei
unregelmäßig ein Goldener Bär für das lebenswerk eines
künstlers vergeben. vergangene preisträger sind unter
anderen Orson Welles, Charles Chaplin, Clint Eastwood
oder Ennio Morricone. die diesjährige war YOKO ONO.
sie wurde als schlüsselfigur der nachkriegskunst, sowie
für die pionierarbeit auf dem gebiet der performance-
und konzeptkunst ausgezeichnet.
YOKO hatte bereits mehrmals im rahmen der Biennale
werke ausgestellt. am spektakulärsten 2002, als sie ein-
hundert särge, die jeweils einen kleinen olivenbaum als
symbol des friedens trugen, betitelt "face it", zur schau
stellte.
die preisträgerin hatte sich bereits in den frühen 60ern
in new york, via performance- sowie improvisationskreisen,
etabliert. sie ging mitte des jahrzehnts nach london und
wie das schicksal es wollte, traf sie am 9. nov. 1966 in
einer lokalen kunstgalerie, die eine ihrer ausstellungen
zeigte, auf John Lennon. infolge beschritten die beiden
von `68 - `80 gemeinsame wege.
dazwischen lagen eine hochzeit in gibraltar, bed-ins, sieben
gemeinsame alben (vom 68er "two virgins" bis zum post-
humen 84er "milk and honey"), bagism-events, konzerte
plus filme, drogenräusche, friedensaktivismus, urschrei-
therapien, trennung (lost weekend) sowie wiedervereini-
gung, ein sohn und schlußendlich das ende der beziehung,
durch den gewaltsamen tod des ex-Beatle, am 8. dez. 1980.

die witwe Lennon hatte bereits während der gemeinsamen
tage, musik unter eigenem namen veröffentlicht. "plastic
ono band" (gegenstück zu John´s gleichnamiger lp) oder
"approximately infinite universe", setzte ihr tonkünstler-
isches schaffen nach seinem ableben fort - "season of glass",
"yes, i´m a witch" - brachte diese woche eine 4-track-ep
"don´t stop me" in die downloadshops und wird im herbst
ihren nächsten longplayer "my head and the sky" veröf-
fentlichen. doch ihre musik war dann am erfolgreichsten,
wenn sie von anderen remixed wurde bzw. sorgte am
meisten mit prominenten mitspielern für aufregung.

nun für ihr musikalisches lebenswerk wurde sie (berech-
tigterweise) nicht ausgezeichnet. auch ihr restliches
kunstschaffen ist zwar ideenreich, teilweise originell
sowie avantgardistisch, doch die frage nach anspruch
der ehrung bleibt ebenso spekulativ, wie ob sie es ohne
Lennon als mäzen, partner, kooperator überhaupt bis
zur Biennale geschafft hätte. denn auch diese festivals
schmücken sich gerne mit großen namen.
den globalen status der wiedererkennung erreichte sie
hauptsächlich durch die gemeinsamen tage mit John
Lennon beziehungsweise der verbreiteten annahme, sie
hätte The Beatles terminiert.
das ganze hat auf jeden fall etwas avantgardistisches.
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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