Mittwoch, 5. November 2008

Live Classics Vol. 2

mc5

MC 5 - Kick Out The Jams


MC 5, der mitte der 60er gegründete 5-er aus der M-otor C-ity
detroit, michegan, debütierte mit einem live album. dies schien
dem Elektra label der beste weg, um die ungezügelte, brachiale
energie dieser (in folge) wegweisenden rockband rüberzu-
bringen. ihre konzerte waren laut, roh, agressiv, meist politisch
und führten in naher zukunft gelegentlich auch zu krawallen.

besagter mitschnitt wurde im detroiter grande ballroom ende
oktober `68 aufgenommen. der legendäre sager "kick out the
jams, motherfuckers" führte zu protesten von selbsternannten
sittenwächtern sowie teilweise auch händlern. das anstößige
wort wurde von der plattenfirma nachträglich durch "brothers
and sisters" ersetzt. doch bezüglich der darbietung gab es
keine kompromisse.
sänger Rob Tyner, Wayne Kramer und der spätere Patti Smith
gatte Fred "Sonic" Smith an den gitarren, bassist Michael Davis
als auch schlagzeuger Dennis Thompson spielten kick-ass rock
and roll, der mit seinem bürgerschreck-image blaupause für die
später folgende punkbewegung war. einführende worte gab
es meist von Brother J. C. Crawford.
die aufnahme selbst vermittelt den eindruck die musiker stünden
unter strom. sie gehen ab wie eine rakete und es keimt der wunsch,
man hätte sich vor ort zur elektrisierenden musik in der menge
suhlen können. der sound kommt aus den boxen wie stromschläge.
die einflüsse sind so unterschiedlich wie blues, rock, jazz oder
psychedelia beziehungsweise Sun Ra, The Kingsmen, The Who,
The Troogs, The Seeds oder Blue Cheer.
der longplayer wurde anfang `69 veröffentlicht und noch im
selben jahr trennte sich Elektra Records von den protagonisten,
die sich einfach mit jedem anlegten, unter vorwurf
mangelnder professionalität. die gruppe unterschrieb kurz
darauf bei Atlantic Records.

MC 5 wurden vom anfang an durch den lokalen dj und jazz- & blues-
journalisten John Sinclair unterstützt, der fortan auch als
manager fungierte. er brachte politischen aktivismus
mit ins spiel. Sinclair gründete die White Panther Party,
war deren minister of information und gab den musikern
später unterschlupf in seiner kommune. dort
gab es drogen, freie liebe sowie politische diskussionen.
in den frühen 70ern wurde der Panthers-gründer mit zwei joints
erwischt und zum auftakt des "war on drugs" dafür zu einer
haftstrafe von bis zu 10 jahren verurteilt. um die prozeßkosten
aufzutreiben spielten MC 5 spendenkonzerte. durch öffentlichen
druck sowie prominenter untersützung von u.a. John Lennon,
Yoko Ono oder Stevie Wonder kam Sinclair infolge gewonnener
berufung nach zwei jahren wieder frei.
die chemie zwischen manager und band stimmte aber nicht mehr
so richtig, deshalb ging man getrennte wege. laut zeitzeugen
ging mit dieser trennung auch die explosivität verloren. MC 5
lösten sich nach drei alben anfang 1972 auf, doch diese live-
konserve bleibt als zeitdokument.


John Sinclair´s 10-punkte-programm der White Panther Party
vom 1. november 1968 im originalton;

1) full endorsement and support of Black Panther Party´s 10 point
program.
2) total assault on the culture by any means necessary, including
rock `n´ roll, dope and fucking in the streets.
3) free exchange of energy and materials - we demand the end
of money!
4) free food, clothes, housing, dope, music, bodies, medical care -
every thing free for everybody!
5) free access to information media - free the technology from
the greed creeps!
6) free time and space for all humans - dissolve all unnatural
boundaries.
7) free all schools and all structures from corporate rule - turn
the buildings over to the people at once!
8) free all prisoners everywhere - they are your brothers.
9) free all soldiers at once - no more conscripted armies.
10) free the people from their "leaders" - leaders suck - all power
to all the people. freedom means free everyone!

Montag, 27. Oktober 2008

Wichtigtuer

molina


neulich in einer kleinen live-location, beim gelungenen auftritt
von Juana Molina, der argentinischen mischung aus Astrud
Gilberto und Björk, vor leider nur (ca.) 50 besuchern;
ein junger mann steht ganz hinten im eck und hält, während
des vor kurzem begonnenen konzerts, ein kleines mikrophon
in der hand. ein szene-adabei sowie sein saufkumpan stellen
ihm zur rede. was er da mache, für wen und er solle dies
schleunigst einstellen, es wegpacken. der eingeschüchterte
besucher tut wie ihm geheißen.
nach getaner "arbeit" prosten sich die beiden selbsternannten
musikpiratenfahnder zu. wenn man schon keinen eintritt bezahlt,
da man auf der gästeliste steht, nebenbei noch mit den tonträgern
meist bemustert wird, dann schützt man wenigstens die kunst
seiner gönner.
die industrie, sowie die stars von gestern, heute als auch morgen
können beruhigt schlafen, wenn doch sheriff Ottakringer Bock
und sein gehilfe Ottakringer Lager für recht und ordnung sorgen.

natürlich könnte man jetzt den typen mit dem aufnahmegerät als
gewissenlosen raubkopierer hinstellen, der kapital aus anderer
leute talent schlagen will und keine gegenleistung dafür abliefert.
oder gar einer, der seinen mitschnitt als freien download im netz
anbietet. meiner ansicht nach war es ein fan, der sich ein privates
vergnügen bereiten wollte. er beklatschte, nachdem er die hände
frei hatte, jeden song und blieb auch bis zum ende, als seine
widersacher längst wieder draußen an der bar saßen und
den sieg der gerechtigkeit zelebrierten.
einen schwungvollen handel mit illegalen cds kann man bei
musikern, die eher noch (trotz 5 veröffentlichungen) unter der
"waseroberfläche" operieren, wohl kaum aufziehen und eine
allenfalls im internet veröffentlichte datei, würde sich in puncto
popularität vielmehr produktiv auswirken. dieses war in letzter
zeit des öfteren zu beobachten.
somit sollten gewisse leute, welche eigentlich überhaupt
nicht mehr wissen wie man sich für musik begeistert bzw.
es möglicherweise nie wußten, einfach die kirche im dorf
lassen.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Back On Ice

black-ice1


australiens riff-rock-fünfer AC/DC veröffentlichte dieser tage
seinen 14. studio-longplayer namens "black ice".
der vorgänger "stiff upper lip" war vor acht jahren erschienen
und die pause hat der band um die gebrüder Angus & Malcolm
Young gutgetan. nach dem ersten durchhören zu beurteilen,
handelt es sich hierbei um den gelungensten output seit 1990´s
"the razor´s edge".
neuen sound darf (und will) man sich natürlich keinen erwarten,
es ist alles beim alten geblieben. böse zungen behaupten auch,
sie nehmen ein und dasselbe album immer wieder neu auf - mal
besser, mal schlechter. diesmal eben besser (als zuletzt), werden
fünfzehn songs dargeboten. fast ein drittel hat das wort "rock"
bereits im titel und so klingt das ganze dann auch. rockig, riffig,
knüppeldick.
im vorfeld tauchte eine kopie des werkes illegal im netz auf und
wurde vorab über 400.000 mal runtergeladen. download-anbieter
werden von der band aber generell links liegengelassen. die veröf-
fentlichung soll als ganzes im regulären handel verkauft werden.
mit dieser politik brachten sie 07, alleine in den staaten, fast 1.5 mill.
tonträger via ladentisch an die gefolgschaft.
auch in "black ice" setzt man große hoffnungen. um die verkäufe
anzukurbeln startet am 28. oktober in wilkes-barre, pennsylvania,
die passende tour. der schulranzen ist bereits gepackt. im april
wird das uk heimgesucht und anschließend werden wahrschein-
lich unsere breiten berockt.
sänger Brian Johnson, bassist Cliff Williams, schlagzeuger Phil Rudd
sowie die (gitarren-)brüder Young werden garantiert für volle ränge
sorgen. dann ist ohnehin wieder bis zu 10 jahre pause.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Top-5-Trip-Hop-Alben

plötzlich sind sie alle wieder da. als ob jemand den schalter um-
gelegt hätte. Portishead brachten heuer ihr drittes, schlicht "third"
betiteltes album unter die leute. Tricky kehrte unerwartet zurück
und veröffentlichte "knowle west boy", Massive Attack, vom trio
zum duo, soloprojekt und nun wieder duo, bringen wahrscheinlich
noch heuer ihren fünften longplayer auf den markt. Morcheeba
waren zwar nie weg, die letzten jahre aber auch nicht voll da.
haben aber ebenso einen aktuellen output in den regalen.
DJ Shadow ist gleichfalls noch im geschäft. fehlt nur noch, daß
Kruder & Dorfmeister ihre lange versprochene, gemeinsame platte
veröffentlichen.
Trip Hop lebt (wieder), doch keiner will mehr etwas damit zu tun
haben. diese schubladisierung kam, je nach quelle, von der presse
oder den labels. wie immer man es nennt, die einflüße waren jazz,
breakbeat, dub, funk, psychedelia, soul, hip hop sowie ambient.
die langsamen, verzögerten, fast stotternden, gebrochenen, elek-
tronischen beats waren die substanz. melancholie, angst, depres-
sion, schwermütigkeit die zutaten.
das ganze kam ab ca. 1993 richtig ins rollen, hatte mit bristol eine
patenstadt, wurde von meist unabhängigen labels gefördert (bis
die majors davon wind bekamen) und hielt uns bis ende der 90er
bei (schwermütiger) laune. eine neue welle von gitarrenbands
schob dann der trübseligkeit einen riegel vor.
um die ganze bewegung revue passieren zu lassen, gibt es hier
nun die 5 meisterwerke dieser musikrichtung;



portishead
1) Portishead - "dummy"
leidgeprüfter gesang, klaustrophobische loops, klagende
beats, unterkühlte samples, schmerzverzerrte scratches,
trübsinnige saiteninstrumente, beklemmende atmosphäre.
das (eigentliche) duo aus bristol machte die depression
dinner-party-tauglich.


morcheeba1
2) Morcheeba - "big calm"
ein beweis, daß Trip Hop auch total grooven kann. dieses
album kriecht in die gehörgänge und setzt von da die gelenke
in bewegung. die brüder Godfrey, damals noch in zusammen-
arbeit mit der göttlichen (stimme) Skye Edwards, schufen
hiermit ein chill-out-wundermittel. anschließend drehte sich
für die beteiligten alles viel zu schnell.


massive-attack
3) Massive Attack - "blue lines"
waren schon Trip Hop bevor die bezeicnung noch erfunden
war und die ganze sache ins rollen kam. die hip-hop- und
dub-einflüße sind hier nicht zu überhören. das (damalige)
trio 3D-Del-Naja, Daddy G. Marshall sowie Mushroom A. Vowles
unterstützt von den vokalisten Shara Nelson, Horace Andy,
Tricky (Kid) als auch Tony Bryan lieferte mit dieser lp einen
klassiker des 90er electronic booms ab.


tricky
4) Tricky - "maxinquaye"
anleitungen zum alp-träumen aus der Massive-Attack-
schmiede. gruselige beats bieten die kulisse für die
stimme seiner ex-freundin Martine. der meister selbst
murmelt dazwischen als beschwöre er den leibhaftigen.
wahrscheinlich tut er dies auch. musik für tage an denen
die sonne nicht scheint.


dj-shadow
5) DJ Shadow - "entroducing"
der äußere rand der musikrichtung. sehr abwechslungs-
reiches album, welches man durchaus in mehreren fächern
unterbringen könnte. zutaten von jazz über hip hop bis zu
breakbeat bieten die essenz für einen bullenritt durch die
atmosphäre. Josh Davis lieferte mit dem debüt gleichzeitig
sein meisterstück ab. alles folgende hinkt hinterher.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Eat The Rich

50cent


wirtschaftsflaute, inflation, existenzminimum, us-bankenschlamassel,
umschuldung, teuerungswelle, sparpaket, finanzmarktkrise, konjunktur-
tief, kostensenkung, entlastung, rezession.
begriffe, welche wir täglich hören, lesen oder zu spüren bekommen.
sie prägen unseren alltag und wir werden auch in zukunft davon
betroffen sein.
doch es gibt auch noch leute, die das ganze überhaupt nicht zu
kratzen braucht. denn ihnen wird das geld in müllsäcken nachge-
schmissen. nein, die rede ist nicht von Dagobert Duck, sondern
von muskern aus der gleichnamigen, ach so schwächelnden
branche.
das Forbes magazin hat auch heuer wieder die liste der "best-paid
music stars" erstellt und zeigt auf, wer sich auch in zukunft noch
butter unter den kaviar schmieren kann.
hier die reihenfolge der bestverdiener der letzten zwölf monate;


1) 50 Cent - 150 millionen usd
hip hop, die sparte wo milch und honig fließt.
Curtis "50 Cent" Jackson machte alleine 100 mill. durch
den verkauf seiner anteile der getränkemarke Glaceau
an Coca Cola. nebenbei hat er noch modelinie, label und
mischt im filmgeschäft mit. rappen tut er auch noch - mehr
schlecht als recht.

2) The Police - 115 mill. usd
machten alleine 28,3 mill pro kopf mit ihrer reuniontour.
nebenbei noch merchandise und backkatalog. so kann
man auch ohne neues produkt mächtig abkassieren.

3) Jay Z - 85 mill. usd
ein 10-jahres-kontrakt mit dem konzertgiganten Live Nation,
anteile an den New Jersey Nets, werbeverträge mit Dell
sowie Budweiser plus das album "american gangster"
hievten Shawn "Jay-Z" Carter diesmal auf platz drei.

4) Beyonce Knowles - 80 mill. usd
die lebensgefährtin von rang drei und ex Destiny´s Child
drittel macht mehr kohle mit mode, publishing, werbung
und film als mit ihrer musik.

5) Toby Keith - 48 mill. usd
der patriotische country-rocker, der mit songs wie "beer
for my horses" die (us-)massen begeistert, verdient sich
durch massives touren, eigenes label, werbung für Ford
Motors und restaurants eine goldene nase.

6) Justin Timberlake - 44 mill. usd
der möchtegern Michael Jackson wird von Pepsi, Budweiser
und MTV unterstützt. hat ein mode- sowie plattenlabel,
restaurants und tourte zuletzt ausgiebig. nebenbei gibt er
auch noch in verschiedenen filmen die "blaße figur".

7) Madonna - 40 mill. usd
verkaufte sich mit haut und haaren an Live Nation. dies schlägt
sich natürlich auch im jahreseinkommen nieder. macht auch
sonst alles mögliche zu geld.

7) Celine Dion - 40 mill. usd
doppel-würg

7) Rascal Flatts - 40 mill. usd
dieses country-trio verkauft massen von cds, tickets,
downloads und merchendise in den us. dazu kommen
noch werbeeinnahmen. der demnächst erscheinende
"greatest hits" longplayer sichert den wohlstand ab.

10) Van Halen - 35 mill. usd
konnten ebenso mit einer reuniontour (ohne bassist
Michael Anthony) plus allem was dazugehört punkten.

10) Sean "Diddy" Combs - 35 mill. usd
oder wie er sich gerade nennt.
hat neben seiner musik das übliche mode- und plattenlabel
sowie eine eigene wodkamarke. macht auch in reality-tv.
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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