Montag, 5. November 2007

24 Hour to Control

24-hour-party-peoplecontrol


zwei filme, wo die selben protagonisten, zeitgleich am identen
ort aufeinandertreffen, aus verschiedenen blickpunkten betrachtet.

auf der einen seite Michael Winterbottom´s 24 HOUR PARTY PEOPLE,
veröffentlicht 2002. hier wird die manchester musikszene, ab mitte
der siebziger bis mitte der neunziger, in gestalt des tausendsassas
Tony Wilson (1950 - 2007) betrachtet. sein werdegang vom fernseh-
präsentator über plattenboß, manager, clubbesitzer und wieder retour.
ein wesentlicher teil des scheinwerferlichts fällt auf seine "hausband"
Joy Division (ehemals Warsaw, später New Order) und das drama
um dessen sänger Ian Curtis.
dieser wiederum ist die hauptperson in Antonio Corbijn´s CONTROL
aus 2007. hier wurde unter vorlage von Curtis witwe Deborah´s
buch "touching from a distance", der aufstieg und fall des introver-
tierten sängers mit hintergrund manchester musikszene, verfilmt.

Cobijn , der als fotograf begann, bereits musikvideos und live-dvds
ablieferte, drehte hiermit sein spielfilmdebüt. er traf beruflich bereits
im jahre `79 auf Joy Division und hatte somit den vorteil der informa-
tionen aus erster hand. zusätzlich nützte er die nunmehrigen New
Order musiker als berater.

im direkten vergleich ist die schauspielerische leistung in 24 HOUR
PARTY PEOPLE überzeugender. vor allem Steve Coogan als Tony
Wilson war oscarreif. auch die restliche crew war überdurchschnitt-
lich. beim gegenüber konnte Sam Riley als Curtis überzeugen. doch
gleicht seine darstellung des sängers einer idolisierung, wogegen
die darbietung von Sean Harris in 24h der realität näher sein dürfte.
der rest der band war bei CONTROL zwar häufig im bild, hatte aber
kaum text und kam somit eher als dumpfbacken rüber. muß wohl der
wahrheit entsprechen, da das insiderwissen hierbei eine stärke sein
sollte.
ebenso punktet das heurige werk mit einem rohen sound bezüglich
musik. dieses paßt perfekt zu der von Cobijn bevorzugten schwarz-
weiß optik. jede kameraeistellung gleicht einer photographie und so
hat man dann auch, ob der vielen angerissenen eindrücke, das ge-
fühl man blättert in einem erinnerungsalbum. der beziehung zwischen
Ian und Deborah wird vorlagenbedingt zu viel raum gewidmet. private
szenen wirken manchmal langatmig. ebenso gewinnt man den ein-
druck, daß die autorin und co-produzentin gewisse ereignisse
dargestellt haben wollte.
auch die hintergründe der handlung sind detailgenau. der regie-
debütant ist um authentizität bemüht. wogegen bei Winterbottom
auch mal der anachronismus durchschlug, doch dieses manko (?)
machte er mit humor wett und lieferte ein gagfeuerwerk.
CONTROL ist als gesamtwerk eindeutig düster und verhält sich zu
24 HOUR PARTY PEOPLE wie downers zu uppers.
choose your trip.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Halloween - Jukebox

halloween-pic-


meine aufmerksamkeit wurde einst durch John Carpenter´s
gleichnamigen, genialen horrorstreifen auf HALLOWEEN gelenkt.
der regisseur schuf mit geringem budget nicht nur einen klassiker,
sondern zeigte auch der gesamten filmkomponistenriege, daß man
mit einem alten synthesizer mehr spannung erzeugen kann, als mit
zig-köpfigem orchester.
heute ist es auch in unseren breiten üblich, den eigenen kindern,
oder solchen die kostümiert durch die straßen ziehen, nach dem
motto "süßes oder saures" am 31. oktober naschereien zu geben.
die wirtschaft freut sich darüber und mit ihr die zahnärzte.
das viele naschwerk verursacht karies, mit dessen folgen müssen
die kleinen dann leben.
um diesen trend entgegenzuwirken, gibt es von mir heuer für jedes
der süßesfordernden kids, ein altes C60 tape mit folgender, zum
event passender, musik darauf;

a) The 13th Floor Elevators - "roller coaster"
hiervon haben sich einige gothic-bands inspirieren
lassen. dieses gitarrenriff, aus dem debüt der psychadelia
vorreiter um sänger Roky Erickson, welcher später wegen
drogenbesitz in der nervenheilanstalt landete, stand jahre
später im dark-wave-handbuch.

b) The Sisters Of Mercy - "black planet"
diese gruppe war richtungsweisend für unzählige bands.
Andrew Eldritch, sänger und chef, war ein "fürst der finsternis"
und duldete nur untergebene in seiner band. alle 5 bis 10 jahre
belebt er das eigentlich ruhende projekt durch blutzufuhr neu.

c) Christian Death - "this is heresy"
kalifornische death rock pioniere mit schwülstigem klassik-
einschlag. da goth in den staaten erst passierte, als es
praktisch schon wieder geschichte war, hatten sie probleme
einen plattenvertrag zu bekommen. vorwürfe von blasphemie
und satanismus waren stateside obligat.

d) Southern Death Cult - "moya"
brachten es in dieser formation nur zu einer single und einem
(restevertungs-) album. danach ging es in geändeter besetzung
für kurze zeit als Death Cult weiter, bis schlußendlich nur mehr
The Cult "übrigblieb". diese haben jetzt wieder mal einen long-
player veröffentlicht.

e) Bauhaus - "ziggy stardust"
Major Tom, Ziggy, Thin White Duke oder Greta Garbo - Bowie
wollte alles sein, nur nicht er selbst.
Bauhaus sänger Pete Murphy wäre so gerne David Bowie ge-
wesen - dabei wurde er selbst zum star.

f) Fields Of The Nephilim - "dust"
die cowboys unter den untoten.
von den "Sisters" und Ennio Morricone beeinflußte spaghetti-goths,
die von den indie- in die main-charts gekrochen sind.

g) The Mission - "dance on glass"
die U2 der gothicszene. abtrünige der Sisters Of Mercy und
lieblinge der bleichen teenager der späten 80er. nach 2,5 guten
alben waren sie blutleer. ex-sänger Wayne Hussey tourt heute
immer noch als "Bono der finsternis".

h) The Cure - "the holy hour"
machten dark wave (oder was davon übrig blieb) auch für
onkel und tante interessant. pummelchen Robert Smith und
seine wechselnde besetzung landeten via abschußrampe
düsterrock auf einem platz an der sonne.

i) Nosferatu - "dark angel"
goth-rocker der späten stunde. kamen erst in den neunzigern,
also praktisch beim revival so richtig in gang. hatten permanente
line-up wechsel. eine zeit lang trommelte sogar (ex-Damned)
Rat Scabies für sie. wandern immer noch durch die gegend.

j) The Beatles - "helter skelter"
this song Charles Manson and (also) a little pub-band from
ireland stole from The Beatles. i´m giving it back :-)

Sonntag, 21. Oktober 2007

Doppelgänger

kiss-my-ass


retro ist die neue gegenwart.
modesünden der vergangenheit sind der aktuelle chic.
alte drehbücher werden zum dritten mal wiederverfilmt
oder ganze streifen im look vergangener jahrzehnte gedreht.
in den kinos hört man soundtracks mit liedern aus vergangenen
epochen und dokumentationen über "yesterday´s heroes" sind der
letzte schrei. so stehen natürlich die leiblichen musikoldies ebenso
hoch im kurs. manche der musiker sind gegenwärtig populärer denn
je. sich die backkataloge der veteranen zu besorgen ist kein problem,
doch viele der jungen bewunderer wollen auch ein liveerlebnis.
so touren bands mit zeitbedingt schwindender mitgliederzahl
praktisch als eigenhuldigung (The Who, MC5, The Doors, Deep
Purple, New York Dolls etc.), oder zwangsbedingt ohne den
ehemaligen frontmann (Thin Lizzy, Magic Band, From The Jam,
The Blockheads usw.). Natürlich gibt es auch acts die (fast) in
vollbesetzung touren (The Police, Only Ones, The Zombies, Asia,
Gang Of Four uvm.) und somit ein (fast) authentisches erlebnis
bieten.
doch können oder wollen die älteren semester gar nicht das
gesamte interesse befriedigen, beziehungsweise manche bands
oder künstler(innen) gibt es überhaupt nicht mehr. hier tat sich
eine marktlücke auf, die zum lukrativen geschäft wurde - tribute bands.
gruppen welche die musik der jeweiligen künstler schablonenhaft
wiedergeben, sich so kleiden oder schminken und im besten fall
ähnlich aussehen wie das original. weltweit existiert dieses phä-
nomen mittlerweile. viele dieser musiker bestreiten damit ohne
problem ihren lebensunterhalt, für andere reicht es nur zum zubrot.
so trat vor kurzem das Abba double Björn Again in der (kleinen)
wiener stadthalle vor ein paar tausend leuten auf. The Australian
Pink Floyd Show, The Rollin´ Stoned oder The Bootleg Beatles
spielten bereits weltweit auf festivals.
heute gibt es fast für jede top-band "zwillinge". sogar für aktuelle
bands wie z.b. Arctic Monkeys und auch für verschiedene ab-
schnitte der jeweiligen karriere (Genesis mit/ohne Peter Gabriel,
AC/DC mit Bon Scott bzw. Brian Johnson, u.a.).
wer seine lieblinge nicht mehr live sehen kann oder kein reunion-
ticket erhält, will zumindest ein substituterlebnis, vermittelt durch
doppelgänger. auftritt für formationen wie T. Rextasy, Beatallica,
Rumours Of Fleetwood Mac, Lez Zeppelin (4 mädels), Four Fighters,
2U, Kisses, Mötley´s Crüed und abertausende.
wenn schon nicht original dann wenigstens originell. so halten sich
auf dauer nur imitationen die wirklich glaubwürdig rüberkommen.
alle anderen versinken in der flut des angebots.
zu sehen demnächst in einer veranstaltungshalle in eurer nähe.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Regenbogenpropaganda

radiohead-art


allseits bekannt und heftig diskutiert, haben die englischen
avantgarde-rocker RADIOHEAD ihr siebentes studioalbum
"in rainbows" als download veröffentlicht.
zehn songs, die größtenteils bereits in der schublade lagen.
da kann man schon mal etwas neues versuchen - was der
qualität keinen abbruch tut.
revolution oder effekthascherei?
die user konnten selbst entscheiden, wieviel es ihnen wert ist
und kaum jemand zahlte den handelsüblichen gegenwert für
neue longplayer via netz. wahrscheinlich kostete der spaß
mehr als eingenommen wurde. die band schweigt sich über
anzahl und einnahmen aus und das management hofft auf einen
verkaufsschub wenn das album anfang nächsten jahres offiziell
erscheint.
RADIOHEAD haben ihren alten plattenvertrag bei EMI Records
erfüllt und können somit eigene wege bestreiten. ob dies der
richtige sei, weiß die gruppe selbst noch nicht. für die branche
wird der ausgang sicher zukunftsweisend sein.
so verkündeten die irischen pop-punker Ash bereits mitte des
jahres, daß sie mit ihrer nächsten veröffentlichung ebenfalls
andere vertriebswege gehen wollen. Trent Reznor´s Nine Inch Nails
hatten in bezug auf ihren letzten output bereits heftige differenzen
mit dem alten label und sind nun ebenso vertragslos wie die brit-
rocker Oasis oder die ehemaligen rave-rocker The Charlatans.
bei letzteren gab es unstimmigkeiten bezüglich verkaufserfolge.
softfunker und "wandelnde mütze" Jamiroquai erfüllte seine ver-
pflichtungen mittels "best of" und die rückkehr der 70er softrocker
The Eagles soll mittels gratis-single-download auf Amazon einge-
läutet werden.
wer braucht da noch die dicken herren hinter ihren schreibtischen?
existiert musik in folge nur mehr als datenaustausch?
wer "in rainbows" schon jetzt als handelsüblichen tonträger sein
eigen nennen möchte, muß für die sogenannte "discbox" mit 2 vinyl-
platten, 2 cds (eine davon mit outtakes), photographs, artwork und
lyrics stolze 40.-- gbp löhnen. irgendwie habe ich hier das gefühl,
man zahlt für jene, welche zum sparpreis runtergeladen haben.
die wahren, treuen fans sind nun die dummen. sie zahlen als
ausgleich, mehr für konzertkarten, lps und ähnliches.
ich habe alle RADIOHEAD studioschallplatten, doch sollte eine
eventuell später erscheinende vinyl-only-version nicht um einen
freundschaftspreis erhältlich sein, verzichte ich auf den erwerb.
bin nicht bereit den goldesel zu spielen, wenn sich die mehrheit
den teil um drei euro runterholt. worin liegt den der wert des
produktes? im material oder im geistigen eigentum bzw. der musik?
hail to the thieves!

Sonntag, 7. Oktober 2007

Frauenpower

cat-power


frauen im musikbusiness, das war von jeher eine minderheiten-
angelegenheit. nicht weil die damen keinen takt halten können
beziehungsweise nie den ton treffen, sondern weil es keine
namhaften, weiblichen plattenbosse gab und gibt. somit geben
die herren der schöpfung den tonabstand vor.
in frühen zeiten waren sängerinnen auch gesellschaftlich am
abstellgleis. sie standen mit animierdamen auf einer stufe. später
dienten sie mehr dem aufputz denn der musikalischen umsetzung.
hatte eine wirklich unabwimmelbares talent wurde sie als sex-
bombe verkauft - oder umgekehrt.
sicherlich sind mädels die begeisterungsfähigeren fans im bezug
auf male acts als burschen zum female gegenpart.
natürlich gab es immer wieder erfolgreiche vertreterinnen von
evastöchter im musikgeschäft wie Big Mama Thornton, Aretha
Franklin, Kate Bush, Tracy Chapman, Madonna oder Feist. aber
der anteil an der gesamtbranche war, abgesehen von vorüber-
gehenden modetrends, verschwindend gering. umso erfreulicher,
daß momentan wieder verstärkt ladies die möglichkeit haben ihr
können unter beweis zu stellen. so brachten uns die letzten jahre
überraschungen wie die chansonnette Karen Ann, die harfinistin
mit der prägnanten stimme Joanna Newsom, "rauchkehle" Cat
Power, soulwiedergeburt Amy Winehouse, hip hop queen Missy
Elliott oder world-beat-prinzessin Mia.
es ist einfach erfrischend wieviel feminine begabung momentan
an die oberfläche geschwemmt wird. so sind im soge dieses
booms plötzlich auch alte sowie vergessene heldinnen interessant
und gefragt. versunkene perlen wie Karen Dalton, Judee Sill, Vashti
Bunyan als auch Nico verkaufen zur zeit mehr als zu ihren besten
monaten. das ruft natürlich auch bereits im ruhestand befindliche
diven wie Betty LaVette, Annie Lennox oder Tina Turner bzw.
ehemalige leadsängerinnen in person von Deborah Harry und
Siouxsie Sioux auf den plan. sie alle kehren als untote auf die
showbühne zurück.
trends muß man ausnützen, denn sie ebben schneller ab als die
neuerlichen plattenverträge laufen.
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der schallplattenfreund

jede scheibe hat zwei seiten

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Vinyl über alles!

in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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