Sonntag, 13. Mai 2012

Perlentaucher Nr. 17

sisterhood

künstler: THE SISTERHOOD
album: Gift


The Sisters Of Mercy, urväter des goth-rocks, einem post-punk subgenre, wurden 1980 in leeds, england von Andrew Eldritch (gesang, programmierung, anfangs auch schlagzeug) sowie dem gitarristen Gary Marx gegründet. sie lernten sich in John Keenan´s F Club, der ende der 70er im dortigen Brannigans stationiert war, kennen. es verband sie ein gemeinsames interesse für The Stooges, Motörhead, Leonard Cohen als auch das flair der spät-60er. in der damals angesagten do-it-yourself-manier wurde ein eigenes label namens Merciful Release gegründet, um kurz darauf die erste 7-inch "damage done" darauf zu veröffentlichen. anfangs als reines studio-projekt geplant, rekrutierten sie fast ein jahr später, um live auftreten zu können, Ben Gunn (gitarre), bassist Craig Adams (der mit seinen baßläufen den klang der frühen Sisters prägte) und als back-up, eine Boss Dr. Rhythm DR-55 drum machine, genannt Doktor Avalanche. sie wurde über die jahre immer wieder durch aktuellere marken ersetzt, heute geht dies über software. ein gemeinsamer ausgangspunkt für die neu aufgesellte truppe war, neben obigen einflüssen, der sound des electro/industrial duos Suicide. in summe fabrizierten sie dramaturgisch angelegten, düsteren, psychedelisch angehauchten rock, im verbund mit monotonem gesang. legendär die in dieser art zurechtgebogenen cover-versionen wie u.a. Rolling Stones´"gimme shelter", Bob Dylan´s "knockin´on heaven´s door", The Velvet Underground´s "sister ray" oder Cohen´s "teachers". all diese ingredienzen führten dazu, daß sie in den ersten jahren oft abwertend als hippies bezeichnet wurden. um dies auszureizen hieß ein konzert-reihe gar "tune in, turn on, burn out".
nun wurden keine auftrittsmöglichkeitn ausgelassen. erster höhepunkt, eine tour mit The Birthday Party plus The Psychedelic Furs. anschließend verließ Gunn, 3 singles & 2 eps später, im streit die band und wurde schlußendlich durch ex- Dead Or Alive gitarrist Wayne Hussey, dessen spiel sich bereichernd auswirkte, ersetzt. das (live-) bühnenbild war bewußt atmosphärisch-düster gehalten. dunkle kleidung, spärliche, kalte beleuchtung, stoisches auftreten, eingehüllt von trockeneisnebel. on stage wirkten die protagonisten wie vorboten der apolalypse. man hatte sich bereits eine beachtliche gefolgschaft erspielt - tendenz steigend. nach einer weiteren, erfolgreichen single bzw. ep ("temple of love") übernahm WEA Records, mitte `84, den vertrieb der Merciful releases. im märz `85 erscheint die debüt-lp "first and last and always", für die dark-wave-gemeinde das ultimative statement dieses acts. alles was danach kam, war zwar erfolgreicher, aber auch kommerzieller.
Eldritch´s nunmehr exzessiver lebensstil schadete seinem gesundheitszustand, entfremdete ihn vom rest der truppe und sorgte für interne spannungen. sein alter kumpel Marx stieg als nächster aus. er fühlte sich auch durch Hussey degradiert. am 18. juni 1985 zelebrierten die verbliebenen den letzten gemeinsamen (aus heutiger sicht) auftritt in der londoner Royal Albert Hall unter dem motto - Altamont: A Festival Of Remembrance. filmisch nüchtern (wenngleich soundmäßig aufgefettet) dokumentiert durch die veröffentlichung "wake". danach ging Andrew nach hamburg. Wayne reiste nach um an neuem material für einen nachfolge-longplayer namens "left on mission and revenge" zu arbeiten, doch die beiden kamen auf keinen grünen zweig. Andrew hatte vor den stil zu ändern, weg vom rock, mehr electro, wogegen Hussey weiterhin die gothic-welle reiten wollte. zurück in england sollten band-intern (Eldritch´s) songideen geprobt werden. es führte zu streitereien, Adams kam damit nicht klar, er schmiß hin und Hussey folgte kurz danach. anschließend beherrschte die auflösung von The Sisters Of Mercy die schlagzeilen der musikpresse.
ende `85 war Andrew in produzenten-funktion mit dem sänger James Ray im studio, als er erfuhr, daß Adams & Hussey (nunmehr gesang) als THE SISTERHOOD (ein fanclub der ex-formation) an einem comeback bastelten. in weiterer folge heuerten sie Simon Hinkler (gitarre) wie Mick Brown (schlagzeug) an. dies nahm fürst Eldritch persönlich, er wollte keinesfalls eine Sisters Of Mercy relation durchgehen lassen. er spannte Ray vor den karren (offiziell durfte er aus rechtlichen gründen nicht selbst singen) und nahm mit ihm, innerhalb von fünf tagen, den titel "giving ground" auf. mittlerweile spielten Hussey & co. ein demoband ein, welches von WEA, an die beide ex-Sisters-parteien gebunden waren, abgelehnt wurde. 25000 gbp hatte die plattenfirma für ein weiteres album in aussicht gestellt, egal von wem.
am tag des ersten THE SISTERHOOD gigs, februar 1986, im londoner Alice In Wonderland, warf Eldritch, der sich nun auch mit der ex- Gun Club bassistin Patricia Morrison verstärkt hatte, seine erstschlag-7-inch, unter identem namen auf den markt. der presse-hype über die rivalität trieb diese veröffentlichung, trotz schlechter kritiken, an die spitze der indie-charts. von rachsucht getrieben arbeitete Andrew fieberhaft an einer langspielplatte. als The Chorus Of Vengeance unterstützten ihn dabei, neben Morrison sowie Ray, auch Lucas Fox plus Alan Vega (Suicide). jedoch kamen von ihnen letztlich nur kleine beiträge, der bulk der arbeit stammte von Eldritch. realisiert in einer art von bunkerhaltung, die einer terrorzelle ähnelte. das material dafür bestand aus Sisters-zeugs für das geplante zweite album, überbleibsel als auch archivierte sound-ideen. der meister war stets spracheninteressiert und brach einst ein deutsch- wie auch französich-literatur-studium ab. somit ist der titel des hier behandelten, im luli `86 erschienenen longplayers, beidsprachig zu verstehen.
er birgt 5 stücke und beginnt unheilschwanger mit "jihad". eine botschaft gestrickt aus martialisch anmutenden beats mit orientalischem einschlag. "2-5-0-0-0" (die WEA summe) sowie der songtitel sind die wortspenden, welche wie maschinenpistolen-salven am ohr vorbeipfeifen. düsternis streckt sich über den zweiten track - "colours". das tempo wird gedrosselt. tribale, monotone rhythmen geben den ton an und die stimmung vor. die a-seite klingt hiermit, unter steigender bedrohung, aus. der gesang (bei "colours") kommt unverkennbar von Eldritch und die nummer tauchte (überarbeitet) auch im september `87 als "this corrosion" c-side wieder auf.
die b-seite wird mit der vorab-single "giving ground" eröffnet. electronic-beats die böses ankündigen. man kontrolliert instinktiv ob die wohnungstüre abgeschlossen ist. falls möglich wird der schlüssel ein weiteres mal gedreht. klingt als hätte Andrew auch hier seine stimmbänder im spiel. es folgt "finland red, egypt white". das tempo wird wieder erhöht, Doktor Avalanche ist in saft. dazu gibt es einen promo-text für das AK-47 gewehr. die komposition klingt nach kaltem krieg, waffengeschäfte in ausrangierten fabrikshallen und vermittelt ein gefühl, als würden ein paar hundert tote mehr oder weniger keine rolle spielen. wer jetzt noch nicht genug hat, dem/r gibt "rain from heaven" den rest. ein bedrohungsszenario wird aufgebaut. die textzeilen werden in form von kriegsberichterstattung dargeboten. der bogen spannt sich furchteinflößend. als der chor einsetzt brechen die dämme. es gibt kein entfliehen mehr, die rechnung wird präsentiert.
unterm strich ein kämpferisches album mit kriegerischen unterton, was auch in der auslaufrille seine fortsetzung findet. so ist auf der vorderseite "verteidigungskrieg" als auch "a gift from the raspberry reich" eingeritzt zu lesen, während die rückseite ein "und jetzt können wir vielleicht schlafen, oder?" ziert. jedoch, treibende, einprägsame hooks mit mitgröhl-refrains, wie sie mitunter auf folgenden The Sisters Of Mercy releases zu finden waren, sucht man hier vergebens. dieses werk vermittelt klaustrophobie, unmut, bitterkeit, feindseligkeit.
etwas mehr als ein jahr später waren Eldritch, Morrison sowie der gute Doktor als The Sisters Of Mercy wieder präsent und mit dem bereits erwähnten "this corrosion" in den charts. die erfolgsstory lief mit den obligaten umbesetzungen weiter. neue höhen wurden erklommen, aber der letzte studio-longplayer erschien bereits ende `90 als "vision thing". seitdem schmeißt sich Andrew mit den jeweiligen mitmusikern und seinen größten erfolgen gelegentlich auf die rampe. Hussey, Adams, Hinkler & Brown, die den wettlauf verloren haben, absolvierten damals eine bereits gebuchte europa-tour im vorprgramm von The Cult als THE SISTERHOOD und änderten anschließend den namen auf The Mission (u.k. - in den staaten). veröffentlichten weiters besagte demos mit achtungserfolg in eigenregie, was ihnen einen vertrag mit Mercury Records einbrachte. schafften es infolge zu einer art U2 für die dark-wave-gemeinde und boten Eldritch plus gefolgschaft die stirn. lösten sich 1996, nachdem die erfolgswelle abgeklungen war, auf, um drei jahre später wieder zurückzukehren. im märz `08 war der spuk abermals vorbei, doch 2010 begannen die feiern zum 25-jährigen jubiläum, die bis heute andauern. all dies mit unterschiedlichen line-ups.
während all der jahre gab es schlechte nachrede, anfeindungen, klagsdrohungen, sticheleien, doch mittlerweile scheint es beiden parteien zu blöd geworden zu sein.

Sonntag, 6. Mai 2012

The Party´s Over

beastie-boys1


ADAM NATHANIEL YAUCH (bild, links), auch bekannt als MCA (Master of Ceremony Adam), wurde am 5. august 1964 in brooklyn, new york geboren und verstarb, nach fast 3-jährigem kampf gegen speicheldrüsenkrebs, am 4. mai in manhattan, ny. er hinterläßt seine zweite frau Denchen Wangau, die gemeinsame tochter Tenzin Losel, die eltern Frances & Noel sowie zwei bandkollegen.
ADAM (baß) gründete 1981 mit high-school-freund Michael Diamond (Mike D, gesang, danach auch drums, mitte) die von u.s. hardcore-punk formationen wie Black Flag oder Dead Kennedys inspirierten BEASTIE BOYS. unterstützt wurden sie von gitarrist John Berry (später Thwig) als auch schlagzeugerin Kate Schellenbach (später Luscious Jackson). sie veröffentlichten gegen ende 1982 gemeinsam die 8-song-ep "polly wog stew" und eröffneten konzerte für Bad Brains wie Misfits. infolge verabschiedeten sich Berry & Schellenbach und kumpel Adam Horovitz a.k.a. AdRock (gitarre, rechts), ebenfalls aus dem hardcore-umfeld, stieg 1983 ein. nun begann man kollektiv zu rappen, weil es besser ankam. anfangs noch belächelt, denn die drei waren total konträr zum damals gehandelten anforderungsprofil. jedoch konnten sie mit dem im sommer `83 herausgebrachten song "cookie puss" einen underground-(achtungs)-erfolg landen. nun wurde der student Rick Rubin auf sie aufmerksam, schmiß sich bei ihnen als DJ Double R an die turntables und wies auch seinen freund, den manager Russell Simmons, auf die truppe hin. bald danach gründen die beiden mit 8ooo.- usd das label Def Jam Recordings und nehmen den dreier unter vertrag.
1986 erscheint die crossover-partykracher-lp "licensed to ill" und katapultiert die jungs in die erdumlaufbahn. verkauft sich millionenfach, stürmt die hitparaden und bringt den hip hop an die ohren des weißen mainstream. auch live bleibt kein auge trocken. go-go tänzerinnen, ein hydraulischer, überdimensionaler penis sowie literweise verspritztes bier, bestimmen das bühnenbild. abseits gibt es rüdes benehmen, vandalismus, gewalt als auch verhaftungen. letzteres führte einst auch dazu, daß der erste wien-auftritt der BOYS, november `87, im package unterwegs mit Public Enemy plus LL Cool J, ausfiel. ein streit über tantiemen beendet die kommerziell erfolgreiche zusammenarbeit mit Def Jam sowie deren eigentümern.
man wechselt zu Capitol Records, wo 1989 der total gegensätzliche (zum debüt), innovative wie experimentelle nachfolger "paul´s boutique" rauskommt. ein groove-feuerwerk, in dem über 200 samples verbraten werden. es ist aus heutiger sicht eines der größten hip hop alben aller zeiten, doch damals war es verkaufsmäßig eher ein flop. 1992 kam das zwischen den ersten beiden balancierende album "check your head" in die läden. es war der erste release auf dem neugegründeten, bandeigenen Grand Royal (später folgte auch eine kurzlebige zeitschrift mit identem namen) label, das aber vertraglich weiterhin an Capitol gebunden war. hierauf griffen sie erstmals wieder selbst zu den instrumenten.
mittlerweile bemühte man sich das von den medien ausgeschlachtete bad-boy-image abzulegen. auftritte gegen aids sowie für das recht auf abtreibung folgten. kurs auf soziales bewußtsein als auch politische korrektheit. in dieser phase wechselte YAUCH, nach einem tibet-trip sowie einem beigewohntem auftritt des Dalai Lama in den staaten, zum buddhismus und gründete in weiterer folge die Milarepa Foundation, welche mehrere Tibetan Freedom Concerts veranstalten sollte plus ein 9/11 benefit. nebenbei findet er auch noch zeit für seine leidenschaft, das filmschaffen. als Nathaniel Hörnblowér, ein quasi schweizer independent filmmaker, drehte er nicht nur BEASTIE BOYS videos für u.a. "intergalactic", "body movin´" oder "make some noise", sondern auch dokumentationen.
musikalisch ist der dreier 1994 mit "ill communication" wieder voll in der spur. unvergeßlich der Spike Jonze clip zu "sabotage". es folgten die longplayer "hello nasty" (`98), "to the 5 boroughs" (`04) plus der 2007er instrumental-output "the mix-up". 2008 ist ADAM YAUCH co-gründer der film-produktions- wie -vertriebsfirma Oscilloscope Laboratories (auch ein aufnahmestudio gehört dazu), die kürzlich mit "the messenger" sowie "exit through the gift shop" erfolgreich war. 2009 bremst die krebsdiagnose jedoch sämtliche aktivitäten. tourneen werden gestrichen, die arbeit am album "hot sauce committee part two" wird verschoben. es erscheint schlußendlich 2011. letzten monat werden die BEASTIE BOYS via laudator Chuck D, als einer der ganz wenigen hip hop acts, in die Rock & Roll Hall Of Fame aufgenommen. ADAM muß der zeremonie krankheitshalber frenbleiben, sein endgültiger abschied stand unmittelbar bevor.
die BEASTIE BOYS, die mehr als 40 millionen tonträger verkauften, mittels ihrer party-tunes auf so vielen festen die dancefloors füllten und auch in concert die gebeine zum moven brachten, sind, nach dem durch die umstände ohnehin gebremsten tatendrang der letzten jahre, wohl geschichte.

Sonntag, 29. April 2012

Gewitterwolken

ono-band


es ist eben alles relativ. etwas ist nicht greifbar und man besitzt es doch, wogegen man anderes eventuell hat, jedoch ist es kein individueller besitz. so verhält es sich, wenn mir jemand erklärt , er/sie hätte dieses oder jenes album und zeigt dabei auf seinen/ihren computer, mp3 player, smartphone oder tablet bzw. faselt etwas von einer wolke, obwohl der himmel im hellsten blau erstrahlt.
die hippen youngsters oder jene oldies, welche ihnen hinterherhecheln, konsumieren die musik heutzutage mittels streaming. also bloß anhören, ohne erwerb, körperlos, bei einem ohr rein und beim anderen raus. Deezer, Simfy oder Spotify heißen u.a. die anbieter dazu. letzterer hat angeblich an die 17 millionen titel zur auswahl. wohl nie richtig gezählt und schon gar nicht gehört, aber eben vorhanden. erinnert mich irgendwie an diese jahrmarkt-stände, die den jeweiligen namen, auf wunsch der zahlenden kundschaft, auf ein reiskorn schreiben. der/die nächste verkauft möglicherweise das leben auf einer erbse. wenn man von beiden genug hat, wirft man es einfach in die suppe.
jedenfalls muß man 5 bis 10 euro pro monat ablegen, um diversen songs der musikgeschichte (oder was der provider darunter versteht) barrierefrei lauschen zu können. es geht auch ohne gebühr, jedoch nur limitiert und man muß werbung ertragen. also fast wie radiohören, obwohl man selbst das programm bestimmt. wer nascht hier mit, am milliardenschweren kuchen? anbieter, server, plattenfirmen und natürlich auch die künstler. obwohl, letztere nur in form von krümelchen. bekommen sie doch für 90 000 aufrufe bloß ca. 10 euro, hab ich mal gelesen. da muß eine/r schon lange dafür stricken, damit etwas rauskommt. sicher, bei U2, Robbie Williams sowie Beyonce, da geht sich schon hin & wieder ein urlaub damit aus, doch die kleinen acts oder so halbe one-hit-wonders, da kostet die abrechnung gegebenenfalls mehr, als unterm strich rauskommt. sofern sie überhaupt gelistet sind.
damit für den user das programm auch mobil verfügbar ist, hängt es eben in sogenannten wolken. was man wiederum als cloud computing oder computer clouding bezeichnet. habe ich zumindest gelesen, denn mir geht all dies hinten vorbei. aber millionen von nutzern können wahrscheinlich nicht irren. vor allem jene nicht, die immer schon argumentierten, daß mp3s generell, sowie clouding (jetzt) im speziellen, die umweltfreundlichere alternative zu tonträgern seien. da war/ist man um gegenargumente natürlich verlegen. vor allem, wenn man ein halbes erdölfeld in den regalen stehen hat.
andererseits habe ich nun im radio von einer kürzlich veröffentlichten Greenpeace-studie erfahren, die sich mit genau diesem thema befaßt. so braucht so mancher der benötigten server-parks für betrieb als auch kühlung, die gleiche menge elektrizität wie 180 000 haushalte. alle zusammen, (beispielweise) als land gesehen, produzieren den fünft-größten stromverbrauch weltweit. die versorgung erfolgt, je nach standort, zu einem großen teil mit schmutziger energie. natürlich dementieren die marktleader bereits. niemand will nun den schwarzen apfel zugeschoben bekommen. fairerweise muß auch erwähnt werden, daß einige schon schritte in eine bessere richtung gesetzt haben.
wie auch immer, diese art von musiknützung ist ein weiterer schritt der distanzierung vom medium in seiner ursprünglichen form. safer listening sozusagen. der einzige verbliebene kontakt erfolgt via gehörgang und da werden jetzt sicher nicht wenige einwenden, daß die tonkunst genau dorthin gehört. klar, aber ich dachte immer, daß hinter den ganzen pappfiguren sowie falschen kulissen auf den bühnen dieser welt, einfach mehr dahinterstecken muß, als data centers. dazu passend, die bereits mal abgehandelten hologramm-shows, die nun via der gemeinsamen darbietung von zwei liedern durch Dr. Dre und Snoop Dogg mit dem bereits 1996 verstorbenen 2Pac, auf dem Coachella Festival in kalifornien, neuen antrieb bekommen haben. jetzt warte ich nur mehr auf das erste groß-ereignis, welches ausschließlich von längst verblichenen bestritten wird. ist sicher ausverkauft!

Sonntag, 22. April 2012

Erfolgsformel

jlh


einige lieder sowie eine portion leidenschaft wird möglicherweise alleine nicht ausreichen, um der welt musikalisch ein loch zu reißen. da braucht es rundherum noch etwas mehr. als Robert Zimmerman, Inga Marchand, Engaged Couples oder Kenny & The Cadets wird man etwas schwerer durchstarten, hier bedarf es schon eines eher pfeffrigen namens, der locker von der zunge rollt wie zum beispiel bei Grand Funk Railroad, Siouxsie Sioux, Jane´s Addiction oder auch Marilyn Manson - er vereinigt die schöne & das biest in seinem pseudonym, da will so manche/r mehr davon.
dann sollte der jeweilige schriftzug, wenn gedruckt, optisch gut rüberkommen als auch einprägsam sein. wie bei Chicago, Yes und u. a. Kiss, die mit zwei s-runen im emblem, angeblich ein entwurf von (ex-) gitarrist Ace Frehley, gekonnt provozierten. als sie einst bei uns bekannt wurden, war diese schriftweise nicht erlaubt, was promo-mäßig zu problemen führte. mittlerweile juckt es niemanden mehr. dazu, als sahnehäubchen, ein passendes logo, welches im idealfall, selbst isoliert vom rest, mit den künstlern assoziiert wird. hier hätten wir als vorbild diese art von militärischem höllenhund-kopf Snaggletooth von Motörhead, den kreis mit a-zeichen von Aphex Twin oder das nonplusultra - die Stones-zunge. im jahre `71 erdacht von John Pasche und über die jahre zum selbstläufer geworden, gilt sie mittlerweile als fashion-item.
trefflich wäre dann noch ein zusätzliches ding, welches das ganze konzept aus der masse heraushebt und zugleich für aufsehen sorgt. hier könnte man beispielgebend die horror-show von Alice Cooper sowie Bez, den schrägen tänzer der früheren Happy Mondays als auch Eddie (The Head), das maskottchen von Iron Maiden anführen. anfangs bloß eine maske, nahm er durch den britischen künstler Derek Riggs gestalt an. heute kennt vielleicht nicht jede/r downloader/in alle mitglieder, doch Eddie ist allen ein begriff. gleichfalls ein bringer, uniformiertes auftreten der protagonisten. gibt der gemeinde etwas zum identifizieren und ist ein schritt weg vom 08/15 outfit. siehe den alien-look der einstigen, österreichischen electro/disco-formation Ganymed, die schock-masken plus boiler suits von Slipknot als auch die an s/m angelehnte schmuddel-couture der Sex Pistols. in den 70ern von designerin Vivienne Westwood unter beihilfe von tausendsassa Malcolm McLaren entworfen, prägte diese modelinie eine generation und hat auch heute noch bestand.
in den goldgräberzeiten des musikbusiness ein um & auf, doch heutzutage, wo gratis mp3s die zweitbeste promotion sind, nicht mehr so essentiell, ist die verpackung, sprich albumcover. gegebenenfalls aber wieder im kommen, denn hiermit konnte man im besten fall ein produkt bloß aufgrund der hülle verkaufen und so manche/r tonträger-freund/in hat dies bereits bewiesen. da will ich jetzt gar nicht legendäre meisterwerke in form der hüllen von n. a. Frank Zappa & The Mothers Of Invention, Emerson Lake & Palmer als auch Pink Floyd (die mittels der zusammenarbeit mit den kreativköpfen von Hipgnosis maßstäbe setzten) strapazieren, sondern mal die kunst aus den hinteren reihen anführen. da gäbe es beispielshalber Supertramp´s "indelibly stamped", Stiff Little Fingers´ "go for it" sowie John Lee Hooker´s "house of the blues". man kann sichtbar mit einer simplen aber aussagekräftigen zeichnung, graphik oder photographie, die zum titel paßt, das feeling rüberbringt und möglicherweise etwas über den/die künstler/in vermittelt, etwaiges publikum ansprechen.
im zeitalter des internets benötigt man natürlich einen ordentlichen webauftritt plus diverse sites, die eine/m hypen, bevor man noch etwas veröffentlicht hat. wenn schlußendlich alles ausgearbeitet ist, braucht man sich nur mehr gegen die tausend anderen, die ebenfalls ambitioniert und voller ideen herumschwirren, durchsetzen.

Sonntag, 15. April 2012

Weinpanscher

slayer


kürzlich stellten die trash-metaller Slayer in zusammenarbeit mit einem kalifornischen produzenten, den rotwein Reign In Blood (benannt nach ihren `86er klassiker) der sorte cabernet sauvignon vor. momentan nur am testmarkt schweden erhältlich, kostet das süffige teil gepflegte 119.- sek (13,50 euros) pro stück im karton. wer nun glaubt hier wird am zielpublikum vorbeigeschossen, dem/r sei gesagt, Motörhead starteten bereits 2010 mit ihren australischen shiraz und konnten in skandinavien auf anhieb 120 000 flaschen an die dort ansässigen hard-rock-bottleheads bringen. mittlerweile hat sich Lemmy´s truppe mit einem web-vertriebs-spezialisten zusammengetan, um weltweit präsent zu sein und demnächst kommt auch ein shiraz rosé. wo geschäft zu machen ist, sind natürlich Kiss nicht weit. im herbst 2011 begannen sie mit einem kalifornischen zinfandel und seit jänner 2012 läuft der offizielle Kiss Wine Club. hier kann man bei interesse umgehend einen cabernet sauvignon sowie chardonnay, zusammen für wohlfeine 60.- usd (+ steuern + versand), bekommen und jedes weitere monat zwei zusätzliche bouteillen. auf wunsch so lange, bis man sich in den Kiss sarg gesoffen hat. aber auch australiens rock veteranen AC/DC bieten interessierten headbangers seit letztem jahr flüssiges aus ihrer heimat zum verkauf an; Highway To Hell Cabernet Sauvignon, Hells Bells Sauvignon Blanc, Back In Black Shiraz als auch You Shook Me All Night Long Moscato - also näher dran am lizenzierten produkt geht wirklich nicht mehr, da bleibt kein rock & roll gaumen trocken. ebenso erhältlich, der Whitesnake Zinfandel, auf den David Coverdale nach dem motto here i cash again schon mal das glas hebt.
es häuft sich mittlerweile, daß bands für weinserien die rüben hinhalten bzw. produzenten der, je nach geschmack, edlen tropfen auf protagonisten des musikmarkts setzen, die zudem über einen ausreichend trinkfreudigen anhang verfügen. somit sind die involvierten acts meist aus dem härteren lager, weil da eben noch ordentlich gebechert wird. daher steht also vorwiegend das klientel aus dem mosh- (oder nunmehr most-) pit im fokus. während des konzerts spritzt einem/r an jener stelle noch das bier um die ohren, doch anschließend wird zu hause oder im clubheim, zwecks chill-out, gepflegt ein fläschchen dekandiert. denn rein zum vorglühen für die große (konzert-) sause, sind die edlen sorten nicht geeignet. wäre doch schade, wenn der kostbare rebensaft im gewühl wieder hochkommt. gleichfalls sind die handelspreise dem koma-saufen nicht dienlich. allerdings hat guter wein eben seinen preis und sollte daher auch passend konsumiert werden. doch bezüglich geeignetem zubehör hinkt die branche noch hinterher. da wäre zum beispiel der weg frei für die Rammstein gläserserie, den Scorpions korkenzieher, das Meshuggah weinregal oder den kleinen Ozzy Osbourne wein-brevier - in schwarzem samt gebunden und so ausgeführt, daß man auch ohne wein-abc weiß was abgeht.
obwohl, nicht immer scheinen musiker/innen bzw. deren logo nur passiv auf dem etikett auf, sondern manche arbeiten aktiv an der produktion. so ist der ohnehin umtriebige Tool, A Perfect Circle sowie Puscifer frontmann Maynard James Keenan in drei weingüter involviert, hatte seinen ersten jahrgang in 2004 am markt und brachte 2010 die dokumentation "blood into wine" in die läden. gleichfalls riesig im geschäft, Fleetwood Mac schlagzeuger Mick Fleetwood. er arbeitet mit verschiedenen winemakers aus kalifornien wie washington state zusammen und vertreibt die ware unter Mick Fleetwood Private Cellar. Olivia Newton-John war schon 1983 mitbegründerin der australischen Koala Blue Wines und ebenso in der branche sind jam-rocker Dave Matthews, singer/songwriter Boz Scaggs, Primus sängrer Les Claypool, Simply Red rotwild Mick Hucknall oder sunny-boy Cliff Richard. die super-soft-rocker Train keltern zwar nicht selbst, betreiben jedoch einen wine club mit blog, wine of the month sowie mailing list.
der fan von heute zahlt möglicherweise nicht mehr gerne für die tonträger, aber ansonsten ist er/sie scheinbar durchaus bereit in die tasche zu greifen. in zukunft bringen musiker/innen statt eines albums vielleicht eine flasche wein raus. das cover ist vorne drauf und tracklisting wie credits kleben hinten. musik saugt man sich aus dem korken oder die app dafür befindet sich im verschluß. prost!
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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