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Sonntag, 29. November 2009

Sicht Oder Nicht

flash-and-the-pan


wenn meine schwester und ich als kinder mit oma ins kino
gingen, wollten wir immer in der ersten reihe sitzen. groß-
mutter war darüber weniger erfreut, doch für uns war es
der pure spaß.
nun es ist wirklich nicht schlecht in den vordersten reihen,
wie 3d nur ohne brille. mit der zeit wurden die hinteren
plätze immer beliebter. heute sitzen ich am liebsten hinten
fußfrei, doch dies ist kaum mehr möglich.
mit konzerten ist es ähnlich. anfangs konnte es nicht weit
vorne genug sein, am bühnenrand war das ziel. auf augen-
höhe mit den kniescheiben der stars. ein gefühl als ob man
selbst auf den brettern stehen würde und bei vielzähligem
besuch sieht man nachher auch so aus. mittendrin statt
nur dabei. doch der sound ist hinten, oder zumindest ab
der mitte, einfach besser. je weiter rückwärts, desto weniger
genauer sieht man zwar, aber dafür mehr vom ganzen.
wie bei einem bild, mit der nase drauf ist der gesamtein-
druck beschränkt. somit ist es im hintergrund eigentlich
perfekt, sofern man den event genießen will. wären nicht
genau dort die bereits öfter erwähnten plaudertaschen,
welche einem das hörerlebnis verübeln, aufgestellt. im
extremfall hat man dann auch noch adam riese vor sich.
dies bleibt einem vorne an der kante erspart. freie sicht
und die luft wird gebraucht um den platz zu halten.

andererseits besser, wie man es auch immer sieht, ein
schlechter platz als gar keiner. sollte das konzert längst
ausverkauft sein, paßt jede karte sowie jede sitz- oder steh-
gelegenheit, die man noch bekommen kann.
filme wiederum bieten (meist) mehr vorstellungen bzw.
möglichkeiten ein ticket zu ergattern und man kann somit
wählerischer sein.

Montag, 23. November 2009

Gebündelte Kräfte

vultures


Supergroups - eigentlich ein begriff aus ende der 60er/erste
hälfte der 70er. bis zur punkrevolte konnte damit noch
dicke kohle eingestrichen werden, danach waren all jene
plötzlich rockdinosaurier - zum aussterben verdammt.
irgendein pr-agent oder journalist hat heuer diese bezeich-
nung, für die gebundene kraft voneinander unabhängigen,
etablierten individualisten, wieder reaktiviert und nun, wo
das ganze am laufen ist, wird sie leichtfertig vergeben.
wenn sich drei/vier musiker, die irgendwann, irgendwo,
irgendeinmal in anderer formation bereits gepielt haben
zusammentun, dann wird ihnen nun dies superlativ sofort
umgehängt.
doch so war es ursprünglich nicht gedacht. der ausdruck
wurde praktisch mit Blind Faith aus der taufe gehoben.
Eric Clapton wollte das powertrio Cream hinter sich lassen
und gründete mit Steve Winwood (davor Traffic) sowie
Rick Grech (ex-Family) diese gruppe. er hatte keine ahnung,
daß sein vormaliger Cream-kollege Ginger Baker am Schlag-
zeug platz nehmen würde. somit war das unmittelbare ende
bei der formierung im mai `69 bereits vorhersehbar. ein
weiteres tat die praktisch explodierende erwartungshaltung
von fans als auch presse dazu. das debüt vor 100 000 im
londoner hyde park im vorprogramm der Rolling Stones,
eine ausverkaufte u.s.-tour, ein hastig eingespieltes album
und die rollbalken waren auch schon wieder dicht.
Crosby, Stills & Nash sangen erstmals gemeinsam 1968 auf
einer party von Cass Elliot (The Mamas And The Papas),
doch erst als 1970 Neil Young dazukam, entsprach man
den anforderungen dieses ausdrucks.
eine außerhalb der zeitspanne liegende gruppierung, die
dadurch gar nicht mit dem attribut versehen wurde, es
jedoch bestens repräsentiert, war Traveling Wilburys.
George Harrison, Bob Dylan, Jeff Lynne, Tom Petty, Roy
Orbison (plus Jim Keltner an den drums) sind von der
papierform her wohl kaum zu überbieten. zwischen ihnen
und Blind Faith liegen (mehr oder weniger passende)
vertreter wie Humble Pie, KGB, Plastic Ono Band, ELP,
The Honeydrippers u.v.m. .
für manch beteiligte war es ein befreiungsschlag, andere
wollten ihren spaß haben, jedoch schaute für die big player
auch ordentlich kohle raus. die Blind Faith mitglieder be-
kamen jeder eine mill. usd garantiert. Crosby, Stills & Nash
kassierten pro kopf 3 mill. usd für ihr debüt und als Young
dazukam, hatte er kurz danach eine neue ranch. für die
Wilburys begann das ganze als spaß und endete mit gutem
verdienst.
heute wird das geld nicht mehr so leichtfertig verteilt. den
künstlern bieten sich dadurch eher mehr betätigungsfelder
oder eventuell die möglichkeit einer wachsenden fange-
meinde. unter dem banner der wiederbelebten benennung
tummeln sich nun projekte wie Monsters Of Folk, Chicken
Foot, Shrinebuilder, The Dead Weather - und permanent
kommen neue dazu.
momentan heißester beitrag zum thema - Them Crooked
Vultures. sie werden dem anforderungsprofil nicht nur
musikalisch, sondern auch personell gerecht und rücken
das bild wieder gerade. Dave Grohl (NIrvana, Foo Fighters),
der mir manchmal richtig stargeil vorkommt und für
jeden trommelt, der ihm ein paar becken aufstellt, Josh
Homme (Queens Of The Stone Age, Eagles Of Death Metal),
weiß mit seiner freizeit anscheinend nichts anzufangen
und sucht stets nach neuen betätigungsfeldern, sowie
John Paul Jones, bei Led Zeppelin unterschätzt und danach
als reserverad verwendet, steht nun mal ohne Page & Plant
im beißenden scheinwerferlicht, bieten gepflegten (hard)
rock, der seine inspiration nicht verbergen kann und im
hintergrund quasi die "four symbols" hängen hat.
wenn jemand im jahre 2009 mit der vokabel Supergroup
geadelt werden sollte, dann dieser act. wo jeder einzelne
teil mehr einheiten verkaufte, als alle anderen zeitgleich
agierenden, ebenso betitelten konkurrenten zusammen.
wenn das Them Crooked Vultures zeichen den nachthimmel
erleuchtet, sollten die rivalen besser in deckung gehen, denn
sie werden den kürzeren ziehen. das bereits angedachte
nachfolgelbum wird die situation wohl kaum entschärfen.

Montag, 16. November 2009

Live Classics Vol. 5

cash

JOHNNY CASH - At Folsom Prison


gegen ende der 60er hatte die karriere des "man in black"
einen durchhänger. er hatte seine alkohol- und drogen-
probleme mehr oder weniger hinter sich gebracht, fühlte
sich nun ausgelaugt und seine schallplatten wurden auch
schon viel besser verkauft. jedoch fand er spät-`67 bei
seinem label Columbia Records in Bob Johnston endlich
jemanden, der nicht nur auf seine idee, ein livealbum im
gefängnis aufzunehmen, einstieg, sondern auch gleich den
produzenten machte.
seit 1957 trat JOHNNY immer wieder mal hinter gittern
auf, dreimal spielte er bereits in kalifornien´s Folsom State
Prison, der betreffende, vierte streich ging nun am 13. jän-
ner 1968 vor 2000 hauptsächlich weißen insassen plus
wachpersonal im speisesaal über die bühne. den zeremonien-
meister gab der autor & rundfunksprecher Hugh Cherry.
er wies das publikum an wie es sich zu verhalten hatte und
war auch für die ansagen zuständig. nichts wurde dem
zufall überlassen.
vorprogramm war The Statler Brothers als auch der ehe-
malige Sun Records kollege Carl Perkins, der ebenso im
hauptteil CASH´s band an der gitarre unterstützte. die
standardmusiker des meisters waren Bob Wootton (gitarre),
Marshall Grant (baß) sowie W. S. Holland (drums), besser
bekannt als The Tennessee Three (vormals, in teilweise
anderer besetzung, The Tennessee Two, da schlagzeuger
in der Countrymusik einst verpönt waren).
als alles startklar war begann der sänger mit "hello, i´m
JOHNNY CASH", als wenn das die knackis nicht gewußt
hätten, soviel freizeitprogramm wurde ja nicht geboten -
doch dies ist eben showbusiness. anschließend legten die
protagonisten mit dem (passenden) alten klassiker "folsom
prison blues" los. später kamen auch noch favoriten wie
"cocaine blues" oder "orange blossom special" zum einsatz.
dazu gab es material über herz, schmerz, einsamkeit als
auch dem gefängnisalltag angepaßtes in form von "25
minutes to go", "send a picture of mother", "the wall"
oder "greystone chapel".
letzteres wurde vom ebenfalls, für bewaffneten raub,
inhaftierten singer/songwriter Glen Sherley verfaßt
und CASH am vorabend zugespielt. als der autor später
entlassen wurde, verschaffte ihm JOHNNY einen platten-
vertrag und nahm ihm auch mit auf tour, doch Sherley,
der einen großteil seines daseins einsaß, kam draußen
nicht mehr klar und nahm sich in folge das leben.
JOHNNY´s auftritt drinnen wiederum, kam so authentisch
rüber, daß so mancher dachte, er wäre mal selbst sträfling
gewesen. dabei konnte er nur mit einer bedingten strafe
für das schmuggeln von amphetaminen aufwarten.
gegen schluß gab es noch "jackson" sowie "i got stripes" im
duett mit June Carter, die er bald darauf, nach langer
durststrecke, endlich heiraten konnte.
insgesamt wurden an diesem tag zwei vorstellungen aufge-
zeichnet, um abgesichert zu sein. der großteil des albums
resultiert aus der späteren darbietung, da es während der
ersten mikrophonprobleme gab. die mühe lohnte sich und
der noch im selben jahr veröffentlichte longplayer wurde
ein millionenseller. im soge dieses erfolges fabrizierte man
im darauffolgenden jahr ein da capo "at san quentin" und
dieses wird, kommerziell gesehen, noch erfolgreicher.
es sind auch die eingehenderen melodien darauf zu
finden. doch das rohere, ultimative, echtere erlebnis
ist dieser mitschnitt.

Sonntag, 8. November 2009

Erwartungshaltung

films


was kann man sich erwarten, von einer neuen band,
unbeschriebenen autor(in), unbekannten filmcrew?
um dem weizen anstelle des spreus zugehörig zu sein,
sollten sich die protagonisten zumindest irgendwie von
den anderen, am markt befindlichen, unterscheiden.
sollten im idealfall fähig sein, das heben der einen oder
weiteren augenbraune auszulösen.
wer braucht wirklich die x-te indiegroup, welche nach
ähnlichem strickmuster musik fabriziert, wie die meisten
vor ihr und noch tausende danach, ohne sich gravierend
abzuheben? oder abermals eine singer/songwriterin, die
ihre selbstvertonten weisen, zwar schön aber unspektakulär
vorträgt? romane die den handlungsablauf nach fünf seiten
bereits erahnen lassen, weil sie sich der handelsüblichen
schemen bedienen oder schablonenhafte filme, mit den
herkömmlichen, unter dem gefrierpunkt liegenden,
schauspielerischen leistungen. von dem großteil der fernseh-
serien oder soaps ganz zu schweigen. sie wirken anregender
auf den darm als das hirn.
andererseits ist dutzendware leicht produziert und kommt
anscheinend bei der masse bestens an. welcher konsument
will heute noch grenzen überschreiten oder geschmacklich
etwas riskieren? die verlage, fernsehsender, filmunter-
nehmen oder plattenfirmen stecken ihr geld am liebsten in
erprobtes, bewährtes sowie fortsetzungen. für außergewöhn-
liches ist nur schmales budget vorhanden - dafür wird dann
dann doppelt gefeiert, wenn solches abgeht.
doch ich möchte angesprungen, gepackt, eingenommen
sowie verstört zurückgelassen werden. nicht etwas konsu-
mieren, daß bei dem einen ohr rein- und beim anderen
wieder rauskriecht, ohne sinne oder nerven zu berühren.
gerade in der zweiten saisonhälfte kommt mir eigentlich
ziemlich viel belangloses daher. es scheint als wäre das jahr
bereits im ersten teil "passiert". oder werde ich nur immer
abgestumpfter?

Sonntag, 1. November 2009

Planlos

loggins-messina


sehe es durchaus als erwünschte serviceleistung, wenn in
einer konzertlokalität die "running order" (ablaufliste) aus-
gehängt wird. so sieht man generell wer, wann, eventuell
wo musiziert, sowie ende und falls nötig (für statistiker)
schreibweise der künstler. noch besser wäre, könnte man
diese informationen, vor allem den zeitplan, vorab im
internet einsehen. doch die angaben dort sind fast immer
08/15 bzw. allgemein, selten individuell. die möglichkeiten,
welche diese technik bietet, werden, bewußt oder unbewußt,
für diese zwecke nicht ausreichend genützt.
am schönsten jedoch wäre, würden die am auftrittsort
plakatierten daten der realität entsprechen. man hat
manchmal das gefühl, sie entstammen dem kaffeesatz
oder einer kristallkugel.
klar können mal technische probleme auftreten, die derart
gravierend sind, daß sie den beginn verzögern. doch dies
ist eher selten der fall. auch wäre möglich, daß sich die
protagonisten bei der anreise verspäten, jedoch erfolgt
diese normalerweise mehr als rechtzeitig. was sind nun
die gründe für die oftmaligen verspätungen - ignoranz,
größenwahn, mißmanagement?
da wurde eventuell das take-away-menü nicht rechtzeitig
geliefert und ungefüttert will mann/frau nicht auf die
bühne. die stimmung sei trotz stimulanzmittel noch nicht
ausreichend oder die sternschnuppe hat die krise. eventuell
muß auch noch eine sportübertragung zu ende verfolgt
werden. bei größeren veranstaltungen wird man als publi-
kum nun mit endlosen tests der instrumente sowie mikro-
phone genervt. check - one - two - two - two - check - one.
obwohl die künstler nachmittags ohnehin ein paar takte
zwecks einstellungen zum besten gaben. gerade nach solch
schier endlos dauernden umbauarbeiten, gibt es dann schon
nach dem zweiten song im programm die ersten probleme.
bei kleineren konzerten wird der/die geneigte besucher(in)
einfach mit den "greatest hits" des mischpultpersonals
berieselt, bei null bühnenbewegung.
jedoch muß man schon froh sein, wenn der act schlußend-
lich überhaupt erscheint. denn ich habe auch schon erlebt,
daß man den nichtauftritt des headliners erst erfuhr, als
dieser an der reihe gewesen wäre, oder wegen ungereimt-
heiten mit dem veranstalter wieder abreiste. da hilft einem
dann die ganze "running order" nichts.
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