Sonntag, 1. November 2009

Planlos

loggins-messina


sehe es durchaus als erwünschte serviceleistung, wenn in
einer konzertlokalität die "running order" (ablaufliste) aus-
gehängt wird. so sieht man generell wer, wann, eventuell
wo musiziert, sowie ende und falls nötig (für statistiker)
schreibweise der künstler. noch besser wäre, könnte man
diese informationen, vor allem den zeitplan, vorab im
internet einsehen. doch die angaben dort sind fast immer
08/15 bzw. allgemein, selten individuell. die möglichkeiten,
welche diese technik bietet, werden, bewußt oder unbewußt,
für diese zwecke nicht ausreichend genützt.
am schönsten jedoch wäre, würden die am auftrittsort
plakatierten daten der realität entsprechen. man hat
manchmal das gefühl, sie entstammen dem kaffeesatz
oder einer kristallkugel.
klar können mal technische probleme auftreten, die derart
gravierend sind, daß sie den beginn verzögern. doch dies
ist eher selten der fall. auch wäre möglich, daß sich die
protagonisten bei der anreise verspäten, jedoch erfolgt
diese normalerweise mehr als rechtzeitig. was sind nun
die gründe für die oftmaligen verspätungen - ignoranz,
größenwahn, mißmanagement?
da wurde eventuell das take-away-menü nicht rechtzeitig
geliefert und ungefüttert will mann/frau nicht auf die
bühne. die stimmung sei trotz stimulanzmittel noch nicht
ausreichend oder die sternschnuppe hat die krise. eventuell
muß auch noch eine sportübertragung zu ende verfolgt
werden. bei größeren veranstaltungen wird man als publi-
kum nun mit endlosen tests der instrumente sowie mikro-
phone genervt. check - one - two - two - two - check - one.
obwohl die künstler nachmittags ohnehin ein paar takte
zwecks einstellungen zum besten gaben. gerade nach solch
schier endlos dauernden umbauarbeiten, gibt es dann schon
nach dem zweiten song im programm die ersten probleme.
bei kleineren konzerten wird der/die geneigte besucher(in)
einfach mit den "greatest hits" des mischpultpersonals
berieselt, bei null bühnenbewegung.
jedoch muß man schon froh sein, wenn der act schlußend-
lich überhaupt erscheint. denn ich habe auch schon erlebt,
daß man den nichtauftritt des headliners erst erfuhr, als
dieser an der reihe gewesen wäre, oder wegen ungereimt-
heiten mit dem veranstalter wieder abreiste. da hilft einem
dann die ganze "running order" nichts.

Montag, 26. Oktober 2009

Top - 5 - Punk - Alben

Punk hat seine wurzeln im u.s. Garage-Rock mitte der 60er.
bands wie The Standells, The Seeds oder The Sonics fabrizier-
ten schon damals einen rauhen, ruppigen, minimalistischen
sound, der den eindruck erweckte, daß unbedingtes beherr-
schen der instrumente nicht oberste priorität genießt.
diese fackel wurde in folge an formationen wie MC5 als auch
The Stooges weitergereicht und sie inspirierten ihrerseits
z.b. Patti Smith oder New York Dolls. der später als Punk
bezeichnete stil fand somit seinen ausgang in den vereinig-
ten staaten, hatte ebendort in lokalitäten wie Hilly Kristal´s
CBGB´s sowie Max´s Kansas City seine nester. jedoch war der
boden vor ort (noch) unfruchtbar und dies behinderte die
weiterentwicklung. die beteiligten wurden von der breiten
masse belächelt, angefeindet, attackiert.
teilweise unterschiedlich die situation auf der anderen seite
des atlantiks. dort hatte man zu beginn der zweiten hälfte
der 70er genug vom bombastischen auftreten, der schier
endlos ausgereizten virtuosität sowie selbstgefälligkeit von
gruppen namens Yes, Genesis als auch Pink Floyd.

- interessanterweise gab es mit dem "feindbild" aber keine
berührungsängste. so waren/sind z.b. John Lydon oder
Julian Cope erklärte Krautrock-fans. Todd Rundgren
produzierte das debüt der Dolls und Nick Mason den
zweiten longplayer von The Damned. -

auch war in england das soziale umfeld empfänglicher für
eine musikalische als auch gesellschaftliche revolution
gegen das establishment und dem daraus resultierenden
generationskonflikt. hinzu kam noch der einfluß der u.k.
pubrock szene mit musikern wie Dr. Feelgood oder Eddie
& The Hot Rods, zusätzlich leisteten daheim erfolglose u.s.
bands mit tourneen missionarsarbeit.
über das erste aufkeimen der bewegung wurde hier bereits
berichtet. die welle erfaßte bald danach die gesamte insel,
schwappte zurück nach amerika und breitete sich auch
noch über den rest der welt aus. einmal losgetreten, war
diese jugendbewegung jedoch extrem kurzlebig. als die
ersten zuseher dachten dies auch zu können, sich mit
gleichgesinnten zusammentaten, ein paar songs probten,
mal in irgendeiner pißhütte auftraten und im idealfall
sofort einen plattenvertrag unter die nase gerieben
bekamen, waren sie mit der ersten veröffentlichung
bereits post-punk - extrem ausgedrückt.
hier geht es nun aber ausschließlich um des pudels kern;

pistols1
1) SEX PISTOLS - Never Mind The Bollocks
ein durch manager Malcolm McLaren, der den NY Dolls
einst unter die röcke guckte und diese erfahrung ein-
brachte, und der designerin Vivienne Westwood perfekt
inszinierter skandal. das ganze schaukelte sich derart
hoch, daß es selbst den beteiligten nicht mehr ganz
geheuer war. sänger John(ny Rotten) Lydon bekommt
heute noch einen hitzeausschlag, wenn man ihn auf
Malcolm anspricht. doch die summe aller teile machte
den immer noch andauernden erfolg aus.

ramones1
2) RAMONES - same
wurden von The Stooges sowie den NY Dolls beeinflußt,
wollten klingen wie The (early) Beatles on speed (ab-
solvierten ihren ersten auftritt in weniger als zwölf
minuten) und benannten sich nach Paul McCartney´s
pseudonym Paul Ramon(es). schafften damals mit
diesem um einen spottpreis eingespielten debüt nur
platz 111 in den Billboard charts, lieferten damit aber
einen heute genre-übergreifenden klassiker ab.

the-clash
3) THE CLASH - same
als der mitte `76 gegründete 4er anfang `77 bei
der übermächtigen CBS unterschrieb, setzten sie
laut der kerngemeinde ihre namen unter das
todesurteil des Punk. angetrieben vom McLaren
intimus, manager und späteren sargnagel Bernie
Rhodes detonierten sie mit ihrem gleichnamigen
erstling mitten in der bewegung. so rauh, schnell,
ungeschliffen und authentisch wie auf diesem, vom
ehemaligen roadie produzierten, longplayer waren
sie nie wieder.

ny-dolls
4) NEW YORK DOLLS - same
friedensapostel John Lennon bezeichnete den 5er
aus der gleichnamigen metropole in seiner bekannt
charmanten art einst als "a bunch of fucking faggots",
doch das einzige was er ihnen aus heutiger sicht vor-
werfen könnte, ist daß sie zur falschen zeit am verkehrten
ort waren. ihre karriere vertrocknete bevor die flut kam.
dies konnte den protagonisten "dank" ihrer alkohol- und
drogenexzesse nicht passieren. dieses später wegweisende
debüt war bei erscheinen ein mißerfolg und der nach-
folger litt unter dem lebensstil der beteiligten.

damned1
5) THE DAMNED - Damned Damned Damned
ihre erste lp bringt puren Punk und dient perfekt als
demonstration dieser musikrichtung. die mitglieder
entstammten teilweise der formation The London SS,
einer brutstelle des u.k.-Punk. böse zungen behaupten
The Damned waren die ersten aber auch die am
schlechtesten organisierten. ersteres in punkto
aufnahme, chartsplatzierung sowie u.s.-tour und
letzteres zeigte sich kurz nach diesem werk in form
von permanenten umbesetzungen, auflösungen als
auch reformierungen, die sich bis zu heutigem tage
durchziehen.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Jedem Das Seine

10cc


das stand ich nun, im eingangsbereich des second-hand-
plattenladens, der sich noch in der prä-eröffnungs-phase
befindet. der besitzer empfing mich mit aufgekrempelten
ärmeln und führte mich durch die den umständen ent-
sprechend noch mit kartons verstellten räumlichkeiten.
wir kamen in der großen klassikabteilung, sein stecken-
pferd, zu stehen. welche musikrichtung ich denn suche,
wollte er wissen. "eher rock, pop & ähnliches", gab ich zur
antwort. "verstehe", replizierte er mit leichter ernüchterung
in der stimme. wir wechselten in einen kleinen zwischen-
raum, wo er einen monolog bezüglich wertigkeit von musik
hielt;
"rock & pop ist eigentlich kinderkram, das hört man als
jugendlicher und sollte es baldigst hinter sich lassen. es
wird aber unverständlicherweise von weißhaarigen leuten
gekauft, die anscheinend nie erwachsen worden sind". er
selbst hätte damit schon vor langer, langer zeit abgeschlos-
sen, könne nichts mehr damit anfangen. es würde aber ver-
langt, darum führe er es auch, meinte er und hält mir wie
zur ent-dämonisierung ein livealbum von 10cc unter die
nase. danach erklärte er mir die teilweise bereits vorhan-
denen unterteilungen und widmete sich anschließend
wieder seinen schätzen.
während ich also in der "spielzeugabteilung" stöberte, kamen
in etappen noch zwei weitere kunden, mit ähnlicher ziel-
richtung wie der meinen, zur türe herein. auch denen ließ
er seinen vortrag, in immer wieder abgewandelter form,
zu teil werden.
nun, ist die favorisierung eines musikstils eine frage des
alters? hat man die überfahrt verpaßt, wenn man im fort-
geschrittenem alter nicht im anzug in der oper sitzt, son-
dern im HRC shirt, bei Kylesa die birne schüttelt? auch mir
gefällt (in maßen) klassisches, doch bevor ich mir etwas
davon anhören kann, kommt mir fast immer ein modern-
erer longplayer dazwischen. aber ich sehe die musik generell
nicht in lebensabschnitten unterteilt, sondern als lebens-
inhalt ohne altersgrenze. oder schreibt hier nur das "kind
im manne" und gibt es dann auch ein "kind in der frau" ;-)
gebe aber zu, daß ich trick- sowie animationsfilme ebenso
ignorant als kinderware schubladisiere. somit hatte ich
mit der einschätzung des generell freundlichen geschäfts-
betreibers überhaupt kein problem und kaufte ihm letztlich
noch vier lps ab.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Perlentaucher Nr. 11 / 12

the-bathers
künstler: THE BATHERS
album: Sweet Deceit


mangel an erfolg als auch musikalische differenzen, führten
ende `84, nach nur einem longplayer ("trapped and un-
wrapped"), zur auflösung des schottischen quintetts Friends
Again. die band war, inspiriert von der heimischen musik-
szene zu beginn der achtziger, mit bands wie Orange Juice,
Josef K oder Fire Engines, auf den zug aufgesprungen, doch
sah kein licht am ende des tunnels. während ein teil der
truppe sich sofort als Love And Money formierte, nahm sich
sänger und gitarrist Chris Thomson erst mal eine auszeit,
um 1987 mit bassist Sam Loup, pianist Jon Turner sowie
schlagzeuger James Locke schlußendlich THE BATHERS
zu gründen. die besetzung wechselte von zeit zu zeit, doch
grundsätzlich war die band nur ein mittel zum transport
von Thomson´s songs.
noch im selben jahr veröffentlichte man das debüt "unusu-
al places to die". es fand gefallen bei den kritikern und die
formation konnte sich damit auch eine kleine fangemeinde
erarbeiten. drei jahre später kam, nun bei der renomierten
firma Island Records, der nachfolger "sweet deceit", ein lie-
derzyklus über sehnsucht, liebe als auch abhängigkeit, auf
den markt. die instrumentierung darauf diente der unter-
malung sowie begleitung von Chris´stimme. tasteninstru-
mente gaben den ton an.
bei "for the delicious c.", "desire regained" sowie "the idyll
off crown circus" erinnern gesang und stimmung an die
anfänge von Bruce Springsteen, dagegen klingt er in songs
wie "the pursuit of an orchid", "two cats on the piano" als
auch "pistol crazed" ähnlich dem frühen Tom Waits. die
arrangements von "get out of life" und "the honeysuckle
rose" lassen die 80er nochmals revuepassieren. das ganze
vermittelt eine warme wohlfühl-atmosphäre, obwohl das
leid des darbietenden teilweise spürbar wird.
trotz allem bleiben THE BATHERS weiterhin ein kaum
wahrgenommener geheimtip und so macht Island Records
Thomson mit Neil Clark plus Stephen Irvine, vom kurz
zuvor aufgelösten schotten-quartett Lloyd Cole & The
Commotions, bekannt. mit ihnen startet er das projekt
BLOOMSDAY. wobei sie hier gemeinsam an den songs
schreiben und ebenfalls noch 1990 das album "fortuny"
herausbringen.
nun ist das tempo etwas höher, die stimmung deutlich
positiver, mehr gitarren und alles klingt wie eine
mischung aus Commotions sowie u.s. 80ies bands.
letzteres machten ihm die normal wohlgesinnten
kritiker zum vorwurf. doch "torn" oder "lemon beach"
erinnert an die anfänge von Lloyd Cole, "universal
thirst" ist eine reminiszenz an THE BATHERS und
"forever through traps & lies" sowie "i cheated myself
(for someone like you)" bringt eben acts wie Cock Robin
oder Mr. Mister in erinnerung.
jedoch klebt die erfolglosigkeit an Chris Thomson wie
hundekot an der profilsohle. der output wird ein reinfall,
die zusammenarbeit des trios beendet, Clark unterstützt
nun Lloyd Cole´s solokarriere, der ehemalige boxer Irvine
taucht ab, Thomson widmet sich nun wieder seiner alten
band und die plattenfirma sagt danke & auf wiedersehen.

bei einem neuem label erscheint 1993 das THE BATHERS
album "lagoon blues". drei weitere folgen und in `01 ein
"best of" mit teilweise neu eingespielten versionen. jeder
der die gruppe kennt, hat irgendein anderes werk als
favorit, doch verkaufserfolg waren alle zusammen nicht.
der nahezu verschollene Chris Thomson läßt die fans
immer wieder mal mit der ankündigung einer neuen cd
aufhorchen, doch darauf warten sie nun schon seit jahren.


album: Fortuny
künstler: BLOOMSDAY
bloomsday

Sonntag, 4. Oktober 2009

Bombastisch

u22


also ich bewundere jede(n), die/der sich stundenlang für
eine konzertkarte anstellt, welche sie/er am ende möglicher-
weise ohnehin nicht bekommt. noch mehr respekt habe ich
vielleicht sogar vor jenen, die es endlos am computer ver-
suchen und einen serverabsturz nach dem anderen über
sich ergehen lassen. eventuell dann eine karte bereits
(bildlich) in den händen halten, die möglicherweise augen-
blicke später in den weiten des internets verschwindet.
erinnert mich irgendwie an diese (einstigen?) automaten
in den vergnügungshallen, bei denen man geld einwarf,
um zu versuchen mit einem kran spielzeug aus den apparat
zu ziehen und schlußendlich meist ohne trophäe dastand.
so oder ähnlich ging es dieses wochenende vielen, die sich
eine oder mehrere der ca. 70000 hochpreisigen U2 tickets
für den wienauftritt im nächsten jahr sichern wollten.
nachdem der irische vierer dem heimischen publikum
dieses jahr die kalte schulter gezeigt hatte, waren die
fans nun anscheinend doppelt motiviert.
am meisten beeindrucken mich aber solch kurzfristige
besitzer(innen) von imaginären tickets, die selbige um-
gehend auf auktionsseiten um bis zum doppelten preis
wieder verscherbeln. da bliebe wohl sogar Bono & co die
spucke weg. so viel prozentuellen gewinn machten sie
wahrscheinlich nicht mal mit ihrem letzten, lauwarmen
album, von dem die lieder im liverepertoire (angeblich)
gleich zu beginn ins publikum gefeuert werden, damit
es alle beteiligten hinter sich haben und die party endlich
beginnen kann.
da zahlt der gerupfte besucher dann im web-schleichhandel,
für einen platz der sich eventuell fast außerhalb der arena
befindet, eine summe, um die frau/mann in intimer club-
atmosphäre fast sechs gigs sehen könnte, bei denen sich die
protagonisten noch ordentlich den arsch abspielen. der/die
begeisterte zuhörer(in) kauft sich dort anschließend gerne
den longplayer legal, wogegen sich bei astronomischen
eintrittspreisen (auch ohne verkauf durch dritte) keiner
wundern braucht, wenn der output oft illegal herunter-
geladen wird. so gleicht sich eben alles irgendwie aus.

andererseits muß eine 360 grad bühne (hatten übrigens
Metallica bereits anfang der 90er), laufbahnen, brücken,
videowalls sowie sonstiger großkotziger klimbim, auch
bezahlt werden. da frägt man sich, worauf es eigentlich
ankommt?
die antwort auf den bombast mitte der siebziger war einst
die punkrevolution. was wird heute der gigantomanie ein
ende bereiten? die wirtschaftskrise schaffte es nur bedingt.
vielleicht kommt ja eine (positive) bereinigung und "three
chords and the truth" bedeuten wieder mehr als glam und
glitter.
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