Donnerstag, 8. Mai 2008

Kunstdiebe

coldplay



der britpop-vierer COLDPLAY veröffentlicht am 12. juni
sein viertes album "viva la vida or death and all his friends".
am 29. april wurde bereits die erste single daraus "violent
hill" als gebührenfreier download via bandwebsite angeboten.
binnen 24 stunden konnten 600.000 schnäppchenjäger dieser
versuchung nicht wiederstehen. mittlerweile sind es bereits
mehr als 2 millionen.
mit gestern legte der englische New Musical Express noch
einmal nach und gab der aktuellen ausgabe ebendiese aus-
kopplung plus b-seite "a spell a rebel yell" (dieser song wird
nun ebenso auf der COLDPLAY-site bereitgestellt) als free 7-inch
vinyl bei. eine art der promotion, welche bereits in kooperation
mit The White Stripes sowie Babyshambles bestens funktionierte.

die gruppe selbst wird zwecks werbung in eigener sache drei
freikonzerte spielen, die in der londoner brixton academy (16. juni),
im new yorker madison square garden (23. juni) sowie barcelona
(noch kein termin fixiert) stattfinden, um die großen erwartungen
der plattenfirma zu erfüllen. alleine für den auftritt im big apple
belaufen sich die kosten laut sänger Chris Martin auf ca. 1 milli-
on gbp.
somit sind aber dann auch die fans gefordert, denn nur mit gratis-
downloads wird sich dieser aufwand in summe nicht rechnen
und wer will schon seine idole in die armut stürzen.
sicher auf dem einen oder anderen konzert zu sehen sein wird
die bessere hälfte des vokalisten, Gwyneth Paltrow. die auf grund
des gemeinsamen nachwuchs, aus ihrer "yoko-ono-rolle" schlüp-
fen mußte.
das artwork (ohne inschrift) des longplayers kann der kunst-
interessierte bewunderer übrigens im pariser louvre besichtigen.
es wurde 1830 vom französischen maler Eugene Delacroix auf
leinwand verewigt. konnte aber damals aus enwicklungstech-
nischen gründen noch nicht zur covergestaltung verwendet
werden. gut ding braucht eben weile.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Zwangsbeglückung

blink-182


bei manchen (vielen) konzerten versuchen die künstler
immer wieder das publikum zum mitmachen zu animieren.
sei es singen, klatschen, arme schwenken oder sonstiges.
das ist oft schon penetrant, denn ich komme weder um selbst
zu singen, noch um leute um mich herum zu hören, sondern die
personen auf der bühne.
okay, wenn zuseher mitmachen wollen, von mir aus, doch das
permanente auffordern von manchen acts empfinde ich als
belästigung bzw. störung des events. möchte lieber die unge-
trübte darbietung genießen und zahle schließlich um unterhalten
zu werden.
schon alleine wenn manche musiker immer wieder geschichten
zwischen den liedern erzählen (müssen) wird der fluß gestört.
"shut up and play yer guitar" meinte Frank Zappa einst und ich
kann mich dem nur anschließen. manche hörerschaft findet dies
dann arrogant, wenn kaum kommunikation stattfindet, doch hello,
good-bye und die songnamen sowie albumtitel reichen vollauf.
zusätzliche aktivitäten sind am merchandise-stand besser auf-
gehoben. dort wird man dann gerne in form von signaturen be-
dient. meinetwegen auch ein kleiner chat oder ein schwank, der
aufgrund einer straffen performance (positiv) unter den tisch
fiel. doch da sind sich dann viele zu gut dafür und verschwinden
backstage auf nimmerwiedersehen. aber jammern sie würden
fast verhungern.

Donnerstag, 24. April 2008

ausge-Power-t

jukebox


heute begann das zwei (lange) wochenenden dauernde
Donaufestival mit einem musikprogramm, welches für
mich keine reise nach krems wert gewesen wäre. die für
meine wenigkeit interessanten acts habe ich alle bereits
gesehen, ohne den rest kann ich auch leben. aber kurzfristig
wurde es doch noch reizvoll. in der endphase der vorbereitung
kündigten sie noch die wundervolle Cat Power an.
dies machte mich einerseits hellhörig andererseits mißtrauisch.
frei nach dem veranstaltungsmotto "der tabubruch als moral-
ischer act", wäre sie am 30. april "eingezwängt" gewesen
zwischen zwei uraufführungen des "satanisten" Kenneth
Anger und den krawallbrüdern Fuckhead.
diese frau war (ist?) alkoholikerin, depressiv und suizidgefährdet.
so kann man die gute nicht plazieren.
zu beginn dieser woche gab es erste informationen die künstlerin
hätte probleme mit ihrer band. somit bat man ihr eine soloperform-
ance an, einigte sich aber schlußendlich auf eine absage wegen
stimmband-problemen.
sicher kann man unter dem banner des tabubruchs kraut & rüben
auf die liste setzen. es könnte Leonard Cohen beim ozzfest auf-
treten, Slayer das jazzfest in montreux eröffnen oder die wieder-
belebten punkikonen The Sex Pistols auf einem oder mehreren
dieser mega-open-airs spielen. wo 80.000 oder noch mehr leute
hinpilgern um kollektiv beim event dabeizusein und im extremfall
bis zum nächsten jahr mit dem eintrittsband am handgelenk durch
die gegend laufen. bei solch einem auftritt würde sich dann der
punkgedanke selbst in den ungeputzten allerwertesten beißen.

Lydon & co neben Judas Priest sowie Die Ärzte, oder ein
ähnlich avantgardistisches line-up. in den ersten reihen stehen
dann die ganzen die-hard-fans und skandieren "wir wollen
Die Ärzte sehen" ohne ende. der alte Johnny würde ihnen
sodann über die absperrung hinweg ins gesicht spucken
wollen, doch anstelle lände seine zahnprothese im moshpit.
Steve Jones würde sich vor lachen biegen und dabei ob
seiner leibesfülle wie Divine in John Water´s "hairspray"
aussehen. dem leidgeprüften Glen Matlock wäre................

mit mir geht schon wieder die phantasie durch, kein normaler
mensch denkt sich solch einen irrsinn aus. zig-tausend besu-
cher, zwei bühnen, kebab, funpark, 50 bands und mittendrin
The Sex Pistols.

Mittwoch, 16. April 2008

Record Store Day

record1


plattenläden sind nicht erst seit Nick Hornby´s buch
"high fidelity" oder dessen verfilmung durch Stephen
Frears als mittelpunkt sozialem kontakts allgemein be-
kannt. man kann sich, was viele vielleicht gar nicht
wissen, auch heute noch vor ort neuveröffentlichungen
durchhören, unbekanntes entdecken sowie darüber
diskutieren.
aber schon als einst die megamärkte aufkamen begann
das fundament der kleinen unternehmen zu bröckeln. die
leute hörten in den "superstores" was ihnen vorgesetzt
wurde, kauften jenes das firmengesteuert in großen
mengen zum aktionspreis aufgestapelt war und vermieden
ein gespräch mit dem verkaufspersonal, welches ohnehin
immer aus einer anderen abteilung war.
die heutige download-generation trägt die eigene musiksamm-
lung um den hals oder in der hosentasche spazieren. gerech-
net wird in gigabyte statt alben und diese lädt man in den eigenen
vier wänden um ein butterbrot auf die obstschüssel.
das kleine musikgeschäft mit der oft stilbezogenen auswahl
an tonträgern, welches auch als ort der kommunikation diente,
verlor & verliert immer mehr an bedeutung. natürlich gab es in
einschlägigen quetschen auch des öfteren personal, das nur
zu gerne beratung mit belehrung verwechselte und somit ihren
teil dazu beitrug. bei schlechter entwicklung werden in zukunft
nur mehr kunden anzutreffen sein, denen 180g vinyl näher sind
als die eigene verwandtschaft.
um diesem szenario entgegenzuwirken findet am 19. april erst-
mals der RECORD STORE DAY, zumindest im anglo-amerikanischen
raum, statt. bezüglich aktivitäten in unseren breiten ist soweit nichts
bekannt. doch vielleicht springt noch der eine oder andere händler
in letzter sekunde auf, um dann abschließend mit einem trockenen
"war wohl nich´" zu bilanzieren.
die aktion soll im generellen dazu dienen die bedeutung des lokalen
musikfachgeschäfts herauszuheben und wird auch von so manchem
künstler bewußt unterstützt. so z.b. von REM, die dafür eigens eine
limitierte 7-inch single auf den markt bringen. individuelle shops
werden eigene aktivitäten setzen. so bieten Rough Trade in london
ein liveprogramm. doch kann jeder, überall per tonträgerkauf in
einem record store ein zeichen gegen die digitalisierung setzen.
countryrockerin Shelby Lynne hat auch gleich einen einkaufstip
parat; "you can´t roll a joint on an iPod - buy vinyl!"

Mittwoch, 9. April 2008

Dim A Light

shine-a-light


MARTIN SCORSESE schaffte es nun seine drei obsessionen -
film, musik, STONES - unter einen hut zu bringen und drehte
aus fast zwanzig kameraperspektiven eine konzert-doku
über THE ROLLING STONES.
zugunsten der (Bill) Clinton Foundation gaben die hauptprotago-
nisten ende `06 zwei konzerte im new yorker Beacon Theatre,
welche vom meister mitgeschnitten und zum film verarbeitet
wurden.
nebenbei erwähnt, kam bei einem der beiden auftritte (dem of-
fiziellem Clinton geburtstagskonzert) plattenmogul Ahmet Ertegun
hinter der bühne zu sturz und erlag wochen später der verletzung.
dies hatte das von Led Zeppelin mit gästen abgehaltene Ertegun-
tribute-concert zur folge.
Jagger, Richards und co. aber überlebten die new york shows
und präsentierten mit dem regisseur das ergebnis anläßlich der
letzten berlinale dem geneigten publikum. nun ist der besagte
streifen "shine a light" auch bei uns zu sehen.
darin gibt es, eingeleitet von einem amüsanten blick auf die vor-
bereitungsphase sowie meet & greets, die herren plus begleit-
band in liveaktion zu sehen. unterbrochen nur von sporadisch ein-
gespielten witzigen interviewfragmenten aus der vergangenheit
des nunmehrigen vierers. geboten werden hauptsächlich songs
aus den hinteren reihen der bandkarriere. "faraway eyes", "you
got the silver", "loving cup", "as tears go by" oder "some girls"
um nur einige zu nennen. zur dekoration tauchen auch Jack White,
Buddy Guy und Christina Aguilera zwecks gemeinsamen musi-
zierens auf der leinwand auf.
die band selbst gibt sich in bewährter manier. Mick Jagger macht
den singenden frosch, Keith Richards könnte nach "pirates of the
caribbean 3" nun auch schon bei der nächsten fortsetzung von
"the mummy" mitspielen, Ron Wood spielt wie immer den "trockenen"
sideman und Charlie Watts begutachtet den ganzen rummel aus
der ersten reihe rückwärts.
das publikum bestand wahrscheinlich zur gänze aus elitären bzw.
geladenen gästen und benahm sich auch so. doch die darbietung
war auf grund der setlist (die Marty auch als running-gag diente)
ohnehin eher zum ansehen & genießen , denn zum mitgröhlen
und klatschen. als gegen ende aber die hits kommen, bleibt kein
designershirt mehr trocken.
die gruppe in solch einer "intimen" atmosphäre zu sehen ist natür-
lich ein bild, das per luxushandy verewigt wird. unsereinem bleibt
nur die massenabfertigung in den stadien dieser welt. doch auf
diese art von junkfood sollte man nach möglichkeit verzichten,
denn sie schlägt sich auf den magen.
nachdem MARTIN SCORSESE endlich seinen (film-)oscar bekam,
widmet er sich nun verstärkt seiner musikleidenschaft. diese hatte
er ja teilweise schon via "woodstock", "the last waltz", "presents
the blues" und "no direction home" ausgelebt. im gegensatz zu
seinen spielfilmen hat er diesmal auf eine verwendung des klas-
sikers "gimme shelter" verzichtet.
zum film gibt es natürlich den obligaten soundtrack (somit das x-te
livealbum der formation) sowie eine zukünftige dvd-version. ein
neues album haben die werten herren auch bereits angedroht.
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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Zuletzt aktualisiert: 12. Mai, 14:38

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