Sonntag, 22. Juli 2012

Baroque Star

lord


JON DOUGLAS LORD, geboren am 9. juni 1941 in leicester, england, als sohn von Miriam & Reg, fand bereits früh seinen weg zur musik. im elternhaus stand ein piano und schon als 5-jähriger erhielt er klassischen klavierunterricht. als teenager war er jedoch hauptsächlich an jazz wie rock & roll interessiert. somit könnte man seine einflüße grob mit Johann Sebastian Bach, Jimmy Smith sowie Jerry Lee Lewis umreißen. mit 19 jahren bekam er ein stipendium an einer theaterschule in london. allerdings spielte er, zu beginn der 60er, abends in pubs mit jazz aber auch rhythm & blues bands und jobbte nebenbei als session-musiker. hier lag seine bestimmung. 1963 hatte er sein erstes elektronisches tasteninstrument und stieß als keyboarder zu Arthur Wood´s r&b-combo The Artwoods. ein haufen, der zwar umtriebig aber gleichfalls kurzlebig war und es nur zu einer (anerkannter) lp namens "art gallery" brachte.
eine noch kürzere lebensdauer war der nächsten station des verblichenen beschienen - Santa Barbara Machine Head, in der er u.a. mit Art´s bruder Ronnie zusammenspielte. publicity-trächtiger war da schon sein gastspiel als tour-musiker der psychedelic pop group The Flowerpot Men, wobei er erstmals auf bassist Nick Simper traf. jedoch hatte LORD seinen musikalischen (stamm-) platz noch nicht gefunden.
der ehemalige schlagzeuger der mersey beat band The Searchers, Chris Curtis, hatte 1967 vor, eine formation mit namen Roundabout aufzustellen, um seine vokalkünste unters volk zu bringen. wandte sich in dieser sache an den geschäftsmann Tony Edwards, ob er nicht ins music-business investieren wolle. dies war damals nicht ungewöhnlich und als investor oder manager konnte man mitunter mehr rausholen, wie die musiker selbst. somit war er interessiert und brachte auch noch John Coletta als partner mit an bord. Curtis machte Lord das projekt schmackhaft und man kontaktierte den bereits geeichten gitarristen Ritchie Blackmore. weiters kamen Chris´ bruder Dave (baß) und via annonce schlagzeuger Bobby Woodman dazu. die jungs mieteten sich ein haus um zu proben, kamen jedoch auf keinen grünen zweig. infolge verabschiedeten sich die Curtis-brüder sowie Woodman. Ritchie brachte nun drummer Ian Paice (ex- Maze) dazu und dieser empfahl seinen (band-) kollegen Rod Evans (gesang). komplettiert wurde das line-up vom bereits erwähnten Nick Simper. im april `68 gab man das live-debüt am europäischen festland als DEEP PURPLE.
diese aufstellung hatte mit der ersten single, einer coverversion von Joe South´s "hush", umgehend einen hit in den staaten und brachte in weiterer folge drei lps raus. "shades of deep purple" (1968), "book of taliesyn" (1969) plus im selben jahr "deep purple". der sound war angelehnt an ihre leitbilder, dem u.s. psychedelic-symphonic rock act Vanilla Fudge, doch auch die spätere linie war schon erkennbar. dominiert wurde DEEP PURPLE von den beiden (gegensätzlichen) polen Jon Lord sowie Ritchie Blackmore. der eine wollte mehr klassisches, jazziges, der andere tendierte eher zur vollen rock-breitseite. aber um den nächsten schritt zu tun, mußten Simper wie Evans gehen, darin war man sich einig. für sie kamen zwei musiker der pop gruppe Episode Six - Roger Glover (bass) & Ian Gillan (vocals). nun hatte man die ultimative aufstellung, in fachkreisen auch mk.II genannt.
der erste gemeinsame schuß ging aber eher nach hinten los. das von Lord initierte "concerto for group and orchestra" (1970) war zwar wegen der fusion von rock mit klassik vielbeachtet, verkaufte im gegenzug aber eher mäßig. daher riß Blackmore das riff-ruder herum und infolgedessen zementierten die veröffentlichungen "in rock" (1970), "fireball" (1971), "machine head" (1972), "who do we think we are!" (1973) plus der all-time-live-klassiker "made in japan" (1972) den ruf der band, beeinflußten generationen von nachkommen und stellten PURPLE auf eine stufe mit Black Sabbath als auch Led Zeppelin.
dennoch war die geschichte des quartetts immer wieder von streit, zwietracht, mißgunst, neid oder egoproblemen begleitet und somit kam es 1973 abermals zu umbesetzungen. der bereits isolierte Gillan wurde durch den newcomer David Coverdale und Glover mit Glenn Hughes (ex- Trapeze) ersetzt. der sound bekam einen blues-einschlag, trotzdem oder gerade deswegen ließen "burn" als auch "stormbringer" (beide 1974) kaum etwas anbrennen. der druck auf die truppe wurde immer stärker, massives touren zerrte an den nerven, die bühne glich einem minenfeld, Blackmore wurde unberechenbar. auch paßte ihm die weitere musikalische entwicklung nicht und er packte seine gitarren-koffer. ihn ersetzte wunderknabe Tommy Bolin (ex- James Gang), der jedoch ein schweres drogenproblem als ballast mitbrachte. aber auch Hughes stand damals neben sich. "come taste the band" (1975) rundete die bandgeschichte vorerst ab.
schon während seiner zeit bei Deep Purple brachte JON LORD zwei soloalben ("gemini suite", "windows") sowie eine kollaboration mit kumpel Tony Ashton ("first of the big bands") in die läden, im trennungsjahr (1976) veröffentlichte er "sarabande", seinen meistbeachtesten output. er stürzte sich nun förmlich in die arbeit und (mitbe-) gründete Paice, Ashton & Lord. unterstützt wurden sie dabei von Bernie Marsden an der gitarre (ex- Babe Ruth) als auch bassist Paul Martinez (ex- Stretch). nach einem "malice in wonderland" (`77) betitelten longplayer verabschiedete sich Marsden in richtung des, aus heutiger sicht, erfolgreichsten Purple-ableger - (Coverdale´s) Whitesnake. LORD und kurz darauf Paice folgten. aber JON fühlte sich in dieser formation generell unter wert geschlagen und nebenbei schlecht bezahlt. so tauchte er daneben immer wieder wo als gastmusiker auf und produzierte weiters musik für das fernsehen.
die reuniongespräche von DEEP PURPLE mk.II kamen ihm da wie gelegen, er fühlte sich bereit und 1984 waren Gillan, Blackmore, Glover, Paice sowie Lord wieder eine einheit - zumindest anfangs. "perfect strangers" hieß die comeback-scheibe gegen ende `84 und der wiedererwachte anhang stürmte die plattengeschäfte. eine ausgedehnte world tour wurde absolviert, bei der kein gehörgang geschont wurde. darauf folgte im jänner `87 "the house of blue light". beide longplayer plus alles was folgte, machten das PURPLE-kraut nicht fett, nichts konnte sich mit den klassikern messen, doch die shows nach der wiedervereinigung ließen die alte genialität aufblitzen, waren ein erlebnis. aber die fassade bröckelte bereits. Gillan verließ, nach stetigen differenzen mit Blackmore, mitte `89 das gefüge, kehrte jedoch ende `92 wieder zurück. indessen war ein jahr später abermals Blackmore weg. das personal-karussell drehte sich weiter, andere mitstreiter sollten folgen, der stammbaum wuchs & gedieh. im jahre `99 wiederholte man Lord´s herzstück, das "concerto for group and orchestra" und der tastenmann hatte seinen endgültig letzten auftritt mit DEEP PURPLE, die immer noch rumwerken, am 19. september 2002 in ipswich, england.
von nun an widmete sich JON LORD wieder vermehrt der klassischen tonkunst, trat mit orchestern auf, hatte aber mit freunden auch sein Blues Project am laufen und war 2011 gleichfalls an der weiterführung der charity-sache Rock Aid Armenia, in form von Who Cares mit u.a. Tony Iommi (Black Sabbath), Gillan oder Jason Newsted (Metallica), beteiligt. bis ihm fast gleichzeitig die diagnose bauchspeichel-drüsenkrebs einholte. nach erfolgter therapie machte er schaumgebremst weiter. mit unterstützung von n.a. Joe Bonamassa, Bruce Dickinson (Iron Maiden) oder Steve Morse (zuletzt Purple) setzte er sein "concerto" im studio um. dann mußte er abermals ins spital und erlag am 16. juli in einer londoner klinik einer lungenembolie.
JON heiratete zweimal und hat aus jeder ehe eine tochter. sein name wird stets mit Deep Purple verbunden sein, jener einflußreichen hard rock band, der er mit seinen orgelklängen den unverkennbaren sound verpaßte und für die er auch zahlreiche songs mitverfaßte.

Sonntag, 15. Juli 2012

Jubiläumsrummel

the-rolling-stones1


50 jahre ROLLING STONES, diesem jubiläum kann man momentan nicht entkommen. dabei drängt sich die frage auf - fluch oder segen? nun, die anfänge der formation waren eine bereicherung, der mittelteil ein segen für die musikgeschichte, mittlerweile könnte man in böser absicht durchaus von einem fluch sprechen. einst die heißeste band des planeten, nunmehr die älteste. wenn sie ihre wirkungszeit halbiert hätten, wäre der kulturelle wert ihres schaffens, gesamt gesehen, denkbar höher. jedem guten album steht ein schlechtes gegenüber, weiters ein (offizieller) live-mitschnitt, eine compilation als auch ein arsch voller bootlegs. letzteres problem hat man inzwischen in (Frank) Zappa-manier via ROLLING STONES Archive teilweise selbst in die hand genommen. zusätzlich hat noch jedes mitglied über die jahre den einen oder anderen solo-longplayer auf den markt gebracht, um den eingefleischten fans mit zumeist lauwarmen darbietungen, die letzte münze aus der tasche zu ziehen. alles zu kaufen, kann nur leuten ohne geschmacksnerven empfohlen werden.
jedenfalls ist der jetzige vierer zur zeit omnipräsent, obwohl weder ein aktuelles werk in den läden ist, noch eine tournee vor der tür steht. zeitungen, magazine, bücher, tv, dvds, internet, experten, zeitzeugen, protagonisten und trittbrettfahrer (zu diensten). je nach erscheinungsdatum hängt jede/r den runden jahrestsag an einem anderen haken auf. nun, die gründung der (anfangs) ROLLIN´ STONES war eigentlich bereits im frühjahr `62. das erste (?), jetzt viel erwähnte konzert war am 12. juli 1962, im rahmen der wöchentlichen r&b session im londoner Marquee Club, im doppelpack mit Long John Baldry und seiner truppe. die besetzung damals war Mick Jagger (gesang), Keith Richards (gitarre), Elmo Lewis (Brian Jones´ deckname, damit er erdiger rüberkam, gitarre), Ian Stewart (piano), Dick Taylor (baß, später The Pretty Things) und Mick Avory (schlagzeug, später The Kinks). Keith wird wiederum zitiert, daß es (quasi) erst begonnen hätte, als sich Charlie Watts hinter die becken gequetscht hatte. wogegen es für Mick Jagger wohl erst richtig losging, als er das erste groupie abgeschleppt hatte. für den im dezember `85 verstorbenen Ian Stewart hingegen, war der karren bereits im dreck steckengeblieben, ehe er richtig anrollte. im märz `63 war er ein rad zuviel und somit nur mehr begleitmusiker. der charismatische wie leichtlebige Brian Jones war im juni `69 der nächste auf der abschußliste. für ihn kam gitarrist Mick Taylor, welcher nach 5,5 jahren der Jagger-Richards-herrschaftsachse wich. sein nachfolger Ronnie Wood kam 1975 als aushilfe und wurde im nächsten jahr aufgenommen. seither bekämpft er interne spannungen mit einer gehörigen portion alkohol. ganz genau wie, was & wann, weiß wohl der im dezember `62 ein- und anfang der 90er wieder aus-gestiegene bassist Bill Wyman. er war statistiker als auch biograph der truppe.
jedenfalls nutzten die jungs damals die gunst der stunde. die nun seit jahrzehnten als greatest rock & roll band in the world gepriesenen, sahen sich zu beginn nämlich als rhythm & blues act und dies lag im großbritannien der 60er voll im trend. pioniere dieses booms waren Chris Barber, Alexis Korner oder Cyril Davies. protagonisten à la Yardbirds, John Mayall´s Bluesbreakers sowie Animals ließen infolge die ohren von musikliebhabern/innen glühen. ihr rüstzeug holten sie sich via schallplatten von u.s.-musikern wie z.b. Jimmy Reed, Sonny Boy Williams, John Lee Hooker als auch Muddy Waters. dieses ding wurde schließlich so groß, daß man es den amerikanern, die es eigentlich erfunden hatten, wieder zurückverkaufte. die marke hierfür war british invasion. doch die ROLLING STONES benützten das ganze bloß als sprungbrett, entwuchsen bald der abflauenden (r&b) bewegung und kochten ihr eigenes süppchen. ähnliches taten u.a. The Kinks, The Who und Small Faces.
wie auch immer, die erste 7-inch der STONES erschien im juni 1963, hatte Chuck Berry´s "come on" auf der a- und Willie Dixon´s "i want to be loved" auf der b-seite. der selbstbetitelte debüt-longplayer kam im april 1964 in die läden, hieß jedoch jenseits der insel "england´s newest hitmakers". es folgte ein kreislauf aus singles, albums, tourneen, skandalen, welcher die erfolgsspirale nach oben trieb, bis der plafond erreicht war. zumindest einen studio-output soll es angeblich noch geben und als produzent wird immer wieder ex- White Stripes hälfte Jack White ins spiel gebracht. er wäre wohl das beste, was ihnen derzeit passieren könnte, sofern sie auf ihn hören würden. jedoch gelten Jagger & Richards, auch bekannt als Glimmer Twins, mittlerweile als beratungsresistent, da sie ja ohnehin wüßten, wie die ROLLING STONES (nicht) zu klingen hätten. da kann hinter den reglern platz nehmen wer will, es klingt alles wie aus einem (inzwischen verbeulten) trichter.
auch die aller-aller-aller-letzte abkassierer-tour wird unvermeidlich sein. die hardcore-gemeinde sitzt ohnehin bereits auf nadeln. eine live-aufnahme gibt es dann wohl noch als nachschlag. das Guinness Book Of Records wird wohl umgeschrieben werden müssen.

Sonntag, 8. Juli 2012

Personaldiskussionen

innuendo


"the show must go on", heißt ein Queen-song aus ihrer (kulturell) dünnflüssigen spätphase. dieses motto gilt heutzutage für viele einstige (mehr oder weniger) größen, welche sich nochmals aufmachen, um mit dem klingelbeutel den rock & roll highway abzugrasen. daß nicht mehr alle vom damaligen stammpersonal dabeisein können, wollen, dürfen, ist kein geheimnis. wer aber dann die vakanten stellen auffüllt oder nicht, ist mitunter gegenstand hitziger debatten innerhalb der jeweiligen (fan-) gemeinde.
so ist allseits bekannt, daß Led Zeppelin zuletzt, ohne den sich zierenden Robert Plant, touren als auch eventuell etwas neues aufnehmen wollten. doch der gegenwind, welcher Page, Jones plus Bonham jun. in punkto sängerersatz entgegenblies, veranlaßte sie die idee fallenzulassen. hingegen juckt heute wohl keine/n Deep Purple konzertbesucher/in mehr wirklich, daß Ritchie Blackmore nicht mehr dabei ist. abgesehen von denen, die sonst noch fehlen.
dagegen sorgte in 2010 die The Faces reunion, mit Simply Red´s Mick Hucknall anstelle von Rod Stewart an den vocals, für aufregung bei der alt-anhängerschaft. da gingen ex- Pistols Glen Matlock und Jesse Wood, den vater Ronnie reindrückte, als aushilfs-line-up fast unter. dabei waren die verbliebenen original-mitglieder Ian McLagan, Kenney Jones sowie Ronnie Wood lange genug in verhandlung mit dem über-satten Stewart, der sich nunmehr eher als entertainer denn rock & roller sieht, doch dieser konnte wie wollte nicht. mittlerweile, bei gelegentlichen konzerten, hat sich alles beruhigt. im gegenzug war es bei Pink Floyd scheinbar nie ein großes problem, wer hinter den instrumenten saß oder stand. Syd Barrett war von einem tag auf den anderen weg, dann fehlte eine zeit lang Rick Wright unmd schlußendlich war Roger Waters raus. hauptsache der (band-) name paßte.
auch die progressiven fabelerzähler Yes sind beim publikum noch gerne gesehen, selbst wenn die (original-) aufstellung durchaus löchrig daherkommt. die ersatzkräfte werden akzeptiert, weil das zusammenspiel bzw. die alten lieder im vordergrund stehen. weit problematischer war es heuer bei Queen, den rock-motor am laufen zu halten. diesen sommer sollten gitarrist Brian May und schlagzeuger Roger Taylor, mit casting-show-absolvent Adam Lambert als sänger, beim Sonisphere Festival U.K. als headliner auftreten. dies führte zu heftigen diskussionen bezüglich credibility wie nachlaßverwaltung. besagtes festival wurde mittlerweile abgesagt, doch May & Taylor waren sicher, die richtige personal-wahl getroffen zu haben und unterschrieben als trotzreaktion für (mittlerweile) drei abende (11.,12. & 14.7.) im legendären londoner Hammersmith (nunmehr) Apollo. zwecks warm-up versuchte man sich jedoch weiter östlich.
so trat man zuerst am 30.6. in kiew auf. nach gut drei wochen fußball sollten die dortigen zuschauer wohl weichgeklopft und hungrig auf ein paar rockige töne sein. somit gab es ein greatest-hits-programm zu bestaunen, von dem der großteil der besucher durchaus angetan schien. andererseits sind gute songs einfach schwer abzuwürgen. jedenfalls deuten die kommentare der ukrainian hardcore-fanbase auf eine aufführung nach lokalem geschmack hin. abschließend gab man am 3.7. ein gastspiel in moskau und auch dort waren die gekommenen dankbar für das dargebotene.
gut, vielleicht kommt das ganze am computer nicht so gut rüber wie vor ort in der brodelnden menge, aber als neutraler beobachter hat man nicht das gefühl, groß etwas versäumt zu haben. die auftritte hatten für mich irgendwie ein "the rocky horror picture show" flair. May gab den Frank N Furter, Taylor, der sich vermehrt in den vordergrund drängt, machte einen auf Eddie und Lambert erinnerte mich an Columbia. okay, geschmäcker sind verschieden und dies ist gut so, aber bei all dem dargebotenem fielen mir auf der ukrainischen seite die Femen-aktivistinnen ein, welche für ihre auftritte wie vieh abtransportiert und mitunter auch mißhandelt wurden, sowie auf der russischen die punkerinnen von Pussy Riot, denen es dort für ihre performances an den kragen geht. wogegen die Queen-shows in beiden ländern unbedenklich waren. rückblickend nicht ganz fair. wenn sie damit durchkommen, dann muß dies auch den ladies gestattet sein.
fordere hiermit gleiches recht (oder unrecht) für alle protagonisten/innen.

Sonntag, 1. Juli 2012

Top 5 Big Beat Alben

Big Beat, das war der rock & roll der 90er dance-bewegung. grundsätzlich ist diese art von elektronischer musik eine kreuzung von techno als auch rock, gespickt mit hip hop versatzstücken. es fanden jedoch noch weitere zutaten den weg in den Big Beat topf. so z.b. house, funk, jazz, rave, punk, psychedelic etc. . hier wurde einfach alles zusammengeklaut, was frei herumlag. das erfolgsrezept bestand aus ordentlich baß, breakbeats, samples, loops, treibender grundbeat, soundeffekte, eine melodie, welche hängen bleibt, sowie eine schlagzahl über 100. musikalisch erledigte man das meiste via computers als auch synthesizers. beliebt waren mitunter auch gastsänger/innen aus anderen kategorien. angesagte plattenfirmen waren Skint Records, Wall Of Sound oder Heavenly Records in england bzw. City Of Angels Records in den staaten. das ganze griff von der insel auf die u.s.a. über, wo vor allem die rockigeren töne gut ankamen und die hip hop einflüsse ohnehin beheimatet waren. die werke erschienen zumeist auf doppelvinyl, damit man die rillen breiter setzen konnte und somit der klang fetter rüberkam. zeitgemäß begann dieser relativ kurzlebige musiktrend so mitte der 90er und klang gegen die jahrtausendwende wieder aus. heute will keine/r mehr etwas davon wissen. die dance-puristen hatten ohnehin nie eine rechte freude damit. das teil war ihnen zu kommerziell, brachial, aufgeblasen oder einfach nur zu dumm. jedoch rockten die songs jeden tanzboden und wurden bei damals gehypten clubnights wie Big Beat Boutique oder Sunday Social rauf- & runtergenudelt. pioniere waren The Chemical Brothers oder Norman Cook. (möglicherweise) vergessene protagonisten waren z.b. Bentley Rhythm Ace, Lo-Fidelity Allstars bzw. The Wiseguys. auch wurden diverse cuts gerne in film, tv, werbung, computerspielen und sonstigem zeugs verwendet. die ware griff einfach.
in summe haben nur wenige acts von damals das abklingen der begeisterungswelle überlebt und jene, die noch herumhüpfen, konnten ihren status von damals nicht halten. manche fuhren aber ohnehin nur vorübergehend am trittbrett mit und stiegen bei der nächsten möglichkeit gleich wieder um. diese wertung läßt nun die alten helden (-taten) nochmals aufleben, obgleich böse zungen wohl behaupten mögen, daß es viel mehr (longplay-) output ohnehin nicht gegeben hätte.



prodigy
1) PRODIGY - The Fat Of The Land
das quartett aus der englischen grafschaft essex fährt dem/der
zuhörer/in mit diesem monster von album, welches zugleich
einen meilenstein des genres darstellt, mitten ins verdammte
gesicht. das ganze ist kontrovers, brachial, aggressiv, bedrohend.
wenn man sich beim abspielen zu nahe an die lautsprecher wagt,
muß man angst haben eins auf die schnauze zu bekommen. musik
wie aus dem tollhaus verbunden mit hoch-oktan-treibstoff im
grenzbereich des gehörsturzes. während ihrer glanzzeit kamen sie
live rüber, als wäre im viertel von "the warriors" schulabschlußball
und "mad max" hielte die ansprache. auch heute sind sie in concert
noch eine pompöse nummer, jedoch zelebrieren sie nur mehr ihr
einstiges potential.


fatboy
2) FATBOY SLIM - You´ve Come A Long Way, Baby
schon das cover assoziiert man mit big - big ego, jedoch stehen
dem die beats um nichts nach. die person dahinter wurde
als Quentin Cook an der londoner peripherie geboren, nannte
sich später Norman, zupfte anfangs den baß bei der gute-laune-
combo The Housemartins, hatte anschließend mit Beats Inter-
national als auch Freak Power bereits groovigere projekte am
laufen und werkte unter pseudonyme wie Pizzaman, Fried Funk
Food, Might Dub Katz und weiß der teufel wie noch. sein
erfolgreichstes alter ego war allerdings Fatboy Slim. als dieser
schuf er hiermit einen tanzbodenfeger, der um die welt ging und
bei dem kein hühnerauge schmerzfrei blieb. die samples dafür
kratzte er aus seiner riesigen plattensammlung zusammen.


moby
3) MOBY - Play
benannt nach dem gleichnamigen wal. heißt aber eigentlich
Richard Melville Hall und geht gerne damit hausieren, daß
er über hundert ecken mit dem amerikanischen schriftsteller
Herman Melville verwandt ist. dereinst in new york geboren,
machte er vorerst mal in der hardcore punk szene rum, fummelte
anschließend an den turntables, um infolge erfolgreich sein
eigenes ding durchzuziehen. man kann ihn zwar nicht als
vertreter des genres bezeichnen, da sein in- wie output
mannigfaltig ist, doch diese (doppel-) scheibe hatte die beats
dicke, wie keine andere seiner arbeiten. auch findet man
hier nichts, was bei einem album dieser gattung fehlen
sollte. ein variantenreicher wellenritt über die (amerikanische)
musikgeschichte, der damals auch live optimal umgesetzt wurde.


exit
4) THE CHEMICAL BROTHERS - Exit Planet Dust
debüt (do-) lp der urväter dieser musikrichtung, die optisch
rüberkommen wie zwei langzeit-studenten. Tom Rowlands sowie
Ed Simons legten bereits anfang der 90er unter dem künstler-
namen Dust Brothers platten auf, doch das u.s.-produzenten-
team gleichen namens hatte ältere rechte. mit diesem teil servierten
sie deftige beats, satten rhythmus sowie dicke samples, bei denen
eine ordentliche darmflora garantiert ist. es wird kein breakbeat
ausgelassen, party pur ist angesagt, der kreislaufkollaps kann
kommen. dekoriert wird die sache mit gastgesang von Portishead
sängerinBeth Orton sowie The Charlatans frontmann Tim Burgess.


propeller
5) PROPELLERHEADS - Decksandrumsandrockandroll
das englische electronic-gespann Will White & Alex Gifford
fabrizierten mit ihrem einzigen studioalbum einen breitwand-
epos verteilt auf vier seiten. schon das front-cover wirkt wie ein
promo-poster für die Filmstadt Babelsberg. geboten werden teil-
weise dramatische, pompöse soundwände, untermalt von einem
jazzigen unterton, wobei die beatanzahl mit fortdauer steigt.
der longplayer wird sozusagen von hinten aufgerollt. prunkstück
des ganzen ist der track "history repeating", für den die grande
dame Shirley Bassey ihre stimme erbeben ließ. passend dazu
wurde auch noch soundtrack-godfather John Barry verwurstet.
filmmusik fürs kopfkino.


vegas
5) THE CRYSTAL METHOD - Vegas
das u.s.-team aus las vegas, nevada, welches sein glück in los
angeles, kalifornien suchte, wurde von der dortigen rave-
bewegung mit offenen armen aufgenommen und konnte infolge
reüssieren. Ken Jordan & Scott Kirkland werden gerne mit den
Chemical Brothers verglichen, ihr sound ist aber, (zumindest hier)
beim 1997 erschienenen erstling, teilweise spaciger, trippiger
und die songs haben mitunter ein paar beats weniger am buckel.
sind mitunter auch düsterer, näher an Prodigy als Fatboy Slim.
dies war ihr größter erfolg und ihre sounds wurden & werden
generell in verschiedenen medien als auch entertainment-bereichen
verbraten.

Sonntag, 24. Juni 2012

Hackordnung

never-say-die


meiner meinung nach sollte das ziel eines support-acts sein, den headliner von der bühne zu blasen, oder übertrieben ausgedrückt, die bühnenbretter dermaßen in schweiß zu tränken, daß die hauptdarsteller darauf ausrutschen. einfach dem publikum so richtig einzuheizen, damit die nachkommenden alle hände voll zu tun haben, um nachlegen zu können, nicht abzudriften. die begeisterung der zuseher sollte durch die eigene bühnenpräsenz als auch spielerische leistung erzielt werden und nicht durch alibi-ansagen wie "freut ihr euch schon auf XXXX" oder "wir spielen noch zwei songs und dann kommen XXXX". als devote draufgabe gibt es anschließend eventuell noch einen kuß auf den arsch, bei der quasi übergabe des schauplatzes. klar kann man auch mit heißer luft bewegung in die menge bringen, doch generell hat man bei manchem vorprogramm das gefühl, sie leben den olympischen gedanken - dabei sein ist alles. performen ihr weichspül-programm runter, um bloß nirgends anzuecken und die hackordnung zu wahren. da ist man dann froh, wenn es vorbei ist und nimmt die umbauphase gerne in kauf. sicher, so manche/r hauptprotagonist/in sieht es nicht gerne, wenn die eröffnungspartie druck macht, die wollen lieber flankenschutz. jedoch erobert man im energiespar-modus wohl kaum neues klientel (und dies wäre wohl der zweck der übung) oder gar die weite welt. da muß man schon etwas vorlegen.
so wie comic-rockers Kiss, welche in frühen jahren so manchem main act das fürchten lehrten. mit ihrer maskerade, den riff-betonten, stampfenden songs und den immer spektakulärer werdenden shows plus stetig wachsender fangemeinde, waren sie bald zu groß für das kleingedruckte. oder die (damals) heavy rock frischlinge Van Halen, die 1978 mit dem als neues gittarren-wunderkind geltenden Eddie Van Halen sowie dem hyperaktiven David Lee Roth am mikrophonständer, nicht nur der meute die hölle heiß machten, sondern auch den headlinern Black Sabbath. letztere waren auf ihrer "never say die!" tour knapp daran das motto umzudrehen, waren im stand-by-modus unterwegs und vokalist Ozzy Osbourne hing in einer nebelwolke aus alkohol & drogen. es war der (vorübergehende) abgesang für den schlurfenden schreihals. obgleich man fairerweise erwähnen sollte, daß auch der rest des vierers die nasenflügel staubig hatte. wobei wiederum die (mittlerweile) gesättigten Van Halen, zehn jahre später, nun mit ex- Montrose Sammy Hagar am rohr und dem reparatur-album "ou812" am markt, im zuge der u.s. Monsters Of Rock konzertserie, teilweise gegen ihre unterstützer Metallica den kürzeren zogen. die letztgenannten hatten damals gerade ihr bis dato kommerziell erfolgreichstes werk "... and justice for all" veröffentlicht und viele fans kamen bloß um sie zu sehen. wiewohl andere, reserviertere quellen von einem super line-up sprechen. waren doch weiters auch die Scorpions, Dokken als auch Kingdom Come an bord. überhaupt, schon in den (früheren) 60ern wurden beispielweise The Beatles und später die Rolling Stones, im laufe von damals üblichen package-tours, zu groß für ihre reihung.
selbst sah ich z.b. (später) mal die (seinerzeit) wiedererstarkten Aerosmith vor Whitesnake und für (nicht nur) meinen geschmack, ging das duell klar an die herausforderer, bei denen sänger Steven Tyler die paarungsbereite rampensau gab und damit sein gegenüber David Coverdale alt aussehen ließ. oder die zur damaligen zeit gerade aufkommenden walisischen indie-rockers Stereophonics, welche den nunmehr durchstartenden brit-poppers Supergrass das wasser abgruben. zum schluß noch, alternative-rockers Skunk Anansie, die mit ihrem radikalen, brachialen sound dem hauptprotagonisten Lenny Kravitz die dreadlocks aus dem gesicht bliesen. aber natürlich muß man dazu anmerken, daß jene, welche wegen Lenny´s (größtenteils) gestylten, radiotauglichem programm vor ort waren, dies definitiv anders sahen.
jetzt werden die einen meinen, daß der support loyal zum hauptkünstler sein muß, sich unterordnen sollte, doch bei aller freundschaft, als konsument möchte ich für mein geld auch ordentlich etwas geboten bekommen - auch im vorprogamm, nicht bloß eine lahme anmache. der headliner muß sich bestätigen, die eröffnungsnummer soll überraschen.
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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