Sonntag, 16. Oktober 2011

Gitarrenkastenrevoluzzer

q


das englische, monatliche musikmagazin Q feiert 25-jähriges jubiläum und um dieses zu zelebrieren, veröffentlicht es die aktuelle ausgabe mit 27 verschiedenen umschlägen. für jeden geschmack einer, was auch die bandbreite der publikation unterstreichen soll. 25 davon (passend zum jahrestag), mit u.a. Green Day, Mumford & Sons, Laura Marling oder Cee Lo Green, sind im freien handel erhältlich. alle verschiedenen, abgebildeten künstler/innen geben im inneren darüber auskunft, welche musik ihr leben verändert hat. natürlich gibt es auch den üblichen mix aus rezensionen, entdeckungen, empfehlungen sowie kuriositäten. weiters gibt es noch ein eigenes cover für abonnenten, das Jay-Z zeigt, sowie ein weiteres mit den walisischen alternative-rock-guerillas MANIC STREET PREACHERS. diese variante wird mit einer limitierten langspielplatte verkauft. es handelt sich dabei um den vinyl-ableger der MANICS-compilation "national treasures - the selected singles" und ist für nicht-briten ausschließlich online erhältlich.
darauf zu finden sind meilensteine aus dem zehn studioalben umfassenden repertoire der einstigen punk-revivalisten, die sich anfangs als generations-terroristen sahen, zu (musikalischen) revolutions-sympathisanten wurden und heute würdeträger des u.k.-alternative sind. beeinflußt wurden sie von The Clash, Guns n´ Roses als auch den Sex Pistols. an letztere angelehnt hatten sie zu beginn den plan, ein hammer-album detonieren zu lassen und sich damit selbst in die luft zu sprengen. doch die druckwelle war nicht stark genug. obwohl die gegen ende der 80er von den cousins James Dean Bradfield (gesang & gitarre) sowie Sean Moore (schlagzeug) plus den ex-schulfreunden Nicky Wire (baß) und Richey Edwards (texte & mehr oder weniger gitarre) gegründete formation das punk-abc eigentlich perfekt umsetzte. sie finanzierten ihre erste single ("suicide alley") selbst und verkauften diese auf konzerten an fans oder verschenkten sie an journalisten. nach zwei ep´s plus einer weiteren 7-inch bei indie-labels, wurden sie von Columbia Records als große hoffnung unter vertrag genommen und dementsprechend gepusht. diesem (vor allem auf der insel) hype konnten sie damals nicht ganz gerecht werden. trotz provozierendem auftreten, kontroversem gehabe, prahlerischen interviews und songzeilen wie "you love us like a holocaust" oder "fuck queen and country" bzw. liedertiteln à la "we her majesty´s prisoners" als auch "democracy coma". jedoch bewiesen sie letztlich qualität durch ihre langjährige wie immer noch andauernde karriere sowie ihren einfluß auf nachfolgende musiker/innen-jahrgänge. auch steckten sie das spurlose verschwinden von Edwards (1995) fast (musikalisch) unbeschadet weg und machten als trio weiter.
die auswahl dieser mit Q kombinierten a-seiten-werkschau, die im handel als doppel-cd erhältlich sein wird und der 2004er hit-zusammenstellung "forever delayed" folgt, umfaßt elf nummern aus der gesamten bandgeschichte. darunter "motown junk", "la tristesse durera", "australia" oder "your love alone is not enough". als zusätzlichen zwölften track gibt es exklusiv die interpretation der John Cale komposition "the endless plain of fortune". mit dieser veröffentlichung wollen die MANIC STREET PREACHERS angeblich einen vorübergehenden schlußstrich unter ihr wirken ziehen. nach einer längeren pause will man aber weitermachen, für einen neuen output gibt es bereits ideen.
in eigenem interesse möchte ich noch anmerken; bevor noch eine zusammenstellung in die läden kommt, könnte man eventuell mal "the holy bible" auf richtigem vinyl, keine picture-disc, re-releasen.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Gleichmacherei

eric-gale


es ist ja einerseits nett, manchen leuten gefällt es ganz besonders, wenn musiker/innen auf der bühne das gefühl vermitteln (wollen), sie wären eine/r aus der menge. vor ungefähr zwei jahren, so die leier, seien sie noch selbst im publikum gestanden, nun stünden sie plötzlich auf den brettern, welche die welt bedeuten - oder zumindest den unterschied zwischen winner und loser ausmachen. aber gehe ich in ein konzert um einen typen wie mich zu sehen? da kann ich doch gleich zu hause bleiben und in den spiegel gucken!
abgesehen davon, daß ich dies schleimige getue ohnehin nicht ernst nehme, möchte ich generell doch etwas (mehr oder weniger) außergewöhnliches geboten bekommen und keine "wir kommen aus der selben scheiße" halbwahrheiten. wie wäre es mit freaks, gauklern und magiern, die aus jedem loch eine arena machen und zusätzlich das dach wegsprengen, anstelle von am-boden-klebenden 08/15 figuren, bei denen man sich anfangs gar nicht sicher ist, ob es ein roadie beim soundcheck, oder bereits der act ist.
wer will schon den fernseher aufdrehen und ins eigene wohnzimmer gucken? gut, möglicherweise jene, welche sich diese ganzen gescripteten reality-docs bzw. castingshows reinziehen, die immer häufiger werden. somit wohl momentan die beste masche, um aus der menge auf die showbühne zu kommen. so wie - es ist möglich, darum jubelt mir heute zu, denn möglicherweise seid ihr morgen an der reihe. oder frei nach dem motto - jede/r kann es schaffen, man muß nur wollen. aber eben nicht jede/r kann eine große nummer im showbiz werden, denn dazu braucht es schon etwas mehr als ein zahnpasta-lächeln. zumindest anfangs mal ein management, welches einen frosch als zierfisch verkaufen kann. dann wäre (wirkliches) talent nicht schlecht, denn der wille steht nicht fürs werk, sondern nur am beginn. auch das strahlen der scheiwerfer genügt nicht, wenn sie erlöschen sind alle gleich. genau deswegen braucht es persönlichkeit, eine art von zauber, um den einheitsbrei hinter sich zu lassen.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Rhythmusarbeit

queen-news-of-the-world


musikpsychologen von Goldsmiths, University Of London sowie der University Of York sind im rahmen einer wissenschaftlichen untersuchung dem klassischen gassenhauer zu leibe gerückt. das ziel war eine formel für erfolgreiche mitsingmelodien zu finden. dafür haben sie das verhalten tausender leute beim mitgrölen von mehreren hundert songs analysiert, um sich auf die hintergründe einen reim zu machen. infolge läge man mit einem langen atem beim singen schon mal gut im rennen. verschiedene tonlagen im einprägsamen refrain, am besten dargeboten via prägnanter stimme, erledigen ein übriges. die besten aussichten auf (planbaren) erfolg birgt das männliche organ, welchem auch höhere lagen nicht fremd sein sollten. denn sie (männer) führten die massen einst lautstark in die schlacht, so die erkenntnis - dies gilt dann wohl auch für die hitparaden. zur abrundung des ultimativen chartbusters können ein paar synthesizer-beats nicht schaden. da brauchen somit die manager, produzenten oder plattenfirmen nur mehr die suppe anrühren, denn angeblich ist das ganze eine sache von mathematik, wissenschaft sowie technik. als draufgabe liefern die doktoren noch eine top-ten-liste, welche ihre theorie untermauert, basierend auf ihren nachforschungen. hierbei trug schlußendlich Queen´s "we are the champions" den sieg davon. gefolgt von "y.m.c.a." der Village People, Sum 41 mit "fat lip" und "the final countdown" von Europe.
bei durchsicht der wertung kommt mir vor, die probanden, wohl vorwiegend maskulin, wurden im pub ums eck, kurz nach ablauf der happy hour getestet. befreit von etwaigen hemmungen konnte im schunkeltakt kollektiv mitgejodelt werden. da blieb kein tresen trocken.
schlager am reißbrett zu entwerfen klingt zwar irgendwie logisch, doch bei weitem nicht so leicht machbar, wie es die analyse auswirft. leute die hits aus dem ärmel schütteln, hat es immer schon gegeben, doch nie auf dauer. jene meinten auch stets, hätten sie dafür eine formel, würden sie diese patentieren lassen und verkaufen. jedoch versiegte jede quelle mal, wenn die muse, früher oder später, das küssen einstellte. was das geschlecht der vokalisten betrifft, haben die forschenden wohl noch nie von Madonna, Connie Francis, Lady Gaga oder The Supremes gehört und das ergebnis wurde wohl bereits, bewußt oder unbewußt, durch die vorauswahl gesteuert.
erinnert mich irgendwie an diese statistiken wie auswertungen der lottozahlen, welche auf papier gedruckt immer gut rüberkommen, doch in der praxis nicht greifen.

Sonntag, 25. September 2011

Alleingang

diana-ross


was treibt musiker/innen dazu, die gewohnte umgebung einer mehr oder weniger erfolgreichen formation zu verlassen, um auf sich selbst gestellt, den weiteren karriereweg zu bestreiten? das warum ist ja, grob betrachtet, relativ klar, denn die vorteile einer effektiven veränderung liegen auf der hand - mehr geld, alleiniger mittelpunkt, weniger diskussionen, mehr flexibilität sowie verwirklichung eigener vorstellungen. glaube trotzdem, die wenigsten steigen aufgrund von eigeninitiative aus. das umfeld treibt sie dazu. manager/in, plattenfirma, einflüsterer/in, lebenspartner/in und wer sonst noch schlechten einfluß ausüben kann. andererseits kann es sich aber auch zum guten wenden, alles geht auf. hierfür gibt es genug beispiele von leuten, die nie mehr zurückblicken mußten, weil sie in einer aufwärtsspirale gelandet waren. nehmen wir mal zu demonstrationszwecken die sänger/innen her, welche für gewöhnlich sowieso die meisten scheinwerfer auf sich gerichtet haben, der gruppe stimmlich den stempel aufdrücken und daher damit assoziiert werden. für sie ist ein alleingang scheinbar am einfachsten.
bewiesen hat dies neben anderen Steve Winwood, der, nachdem er 1967 die Spencer Davis Group verließ, immer erfolgreicher wurde. zunächst mit Traffic, danach die kurzlebigen Blind Faith, eine gastrolle in Ginger Baker´s Airforce, nochmals Traffic und letztlich eine beachtliche laufbahn unter eigenem namen. aber auch Diana Ross, die sich unter mithilfe von labelboß wie verehrer Berry Gordy in den mittelpunkt des trios The Supremes schieben konnte und von dort weg, ab anfang `70, ihre eigene megakarriere startete. sowie Peter Gabriel, der Genesis 1975 den rücken kehrte und bis zum 86er übererfolg "so", alles richtig machte. als auch Rod Stewart, der ja in einigen formationen aktiv war, unter anderen Steampacket, The Jeff Beck Group oder The Faces, aber ab den 70ern konzentrierte er sich voll auf seinen solo-weg und verkaufte zig-millionen tonträger.
jedoch gibt es fast für jedes positive vorbild auch ein weniger erfolgreiches. so eine gemischte sache war der ausflug in eigener sache jedenfalls für David Lee Roth, denn als Van Halen mit "1984" aus selbigem jahr ganz oben waren, stieg er bald danach aus um sich auf seine ideen zu konzentrieren. die band machte mit ersatzmann Sammy Hagar auf hohem niveau weiter und auch für Diamond Dave lief es anfangs gut, doch jeder weitere output war ein schritt runter, was wiederum für ihn zu persönlichen problemen führte. er kam dann 1996 kurzzeitig zu Van Halen zurück, doch die alten gräben brachen wieder auf und er zog erneut ab. mitte der 00er gab es abermals eine wiedervereinigung, man tourte heftig und arbeitet nun, mit vereinten kräften, an einem neuen longplayer. da paßt auch die geschichte der Pixies dazu. sie wurden von sänger, gitarrist als auch songwriter Black Francis dominiert. jedoch wurde dies sowie seine launen, für manche immer unerträglicher. ende `92 erklärte Francis das quartett (künstlerisch rechtzeitig) als aufgelöst und startete sein eigenes ding. die erste veröffentlichung davon, das schlicht "Frank Black" betitelte werk, war auch ein erfolg, doch auch hier ging es schrittweise bergab, die vorschußlorbeeren waren bald verbraucht. 2004 gab es die unvermeidbare Pixies-live-reunion. auch David Clayton-Thomas, welcher ab der zweiten lp am mikrophon von den in turbulenzen gekommenen Blood, Sweat & Tears stand, versuchte es nach drei gemeinsamen kassenschlagern auf eigene faust. doch wiederum drei verhältnismäßig erfolglose solo-arbeiten später, war er wieder zurück und auch nach dem eigentlichen ende dieser wegweisenden formation 1980, war und ist er immer wieder reunionmäßig, in variierenden besetzungen, damit unterwegs. schlußendlich widmete sich nach "the raw and the cooked", dem erfolgreichsten schaffen der Fine Young Cannibals, sänger Roland Gift vollends der schauspielerei und der dreier zerbrach. er konnte zwar einige rollen an land ziehen, doch oscarreife darbietung war keine darunter. am ende pfiff er drauf.
final betrachtet muß jede/r für sich selbst wissen, wofür er sich entscheidet. die obligaten querelen mit den kollegen/innen oder der einzelkampf ohne verbündete, umzingelt von besserwissern. aber wenn alle beim geringsten widerstand, der kleinsten meinungsverschiedenheit wie dem leisesten einsager gleich davongelaufen wären, hätten wir auf so manche essentielle gruppendynamik verzichten müssen.

Sonntag, 18. September 2011

Übergewicht

superheavy


SUPERHEAVY, das klingt schon so, als dürfte man sich dabei etwas gröberes erwarten. es geistert auch schon etwas länger durch die diversen medien, wurde mit kurzmeldungen am köcheln gehalten, obwohl alles eigentlich `09 in geheimer mission begann. aber sogar frau nachbarin wußte nun schon bescheid. hat ihr wohl Keith Richards gesteckt, der ist zwar nicht involviert, köchelt möglicherweise aber ebenso, denn sein kollege ist dabei, der Mick.
das ganze ist überhaupt so `ne art supergroup, zumindest für die plattenfirma und wahrscheinlich auch für den wohlwollenden musikkonsumenten, zielgruppe 35+. denn Jagger kennt sogar die werte oma. weiters hätten wir im gefüge noch Dave A. Stewart, da steht dann in der klammer sofort Eurythmics plus ein paar prominente namen, die er bereits produzierte, ergibt somit den aha-effekt. dazu kommt Joss Stone, die ihrem gefeierten 2004er debüt "the soul sessions" mit jedem weiteren release hinterherhechelt. sowie Damian Marley, vor allem bekannt durch seinen verstorbenen vater Bob plus A. R. Rahman, der in unseren breiten durch den soundtrack zu "slumdog millionaire" auffiel.
nun ist es da, das schwere stück. albumtitel ist gleich bandname oder umgekehrt. zwölf titel beinhaltet die cd bzw. das vinyl, sechzehn der limited deluxe edition silberling. jedoch ist dieses werk, in welcher ausgabe auch immer, ungefähr so essentiell wie eine ausgedehnte nagelbettenentzündung. die ingredienzen sind ragga, dub, etwas world, pop und eine prise rock. das gebotene reiht sich irgendwie in die immer schlechter gewordenen Mick Jagger solo-longplayer ein und erinnert teils an benefiz-fußballturniere - für alle beteiligten eine gute sache, jedoch vom modernen spiel meilenweit entfernt. wenn man jetzt einzelne stücke "lobend" herausheben möchte, dann am ehesten noch "miracle worker", "energy", "i can´t take it no more" sowie "hey captain" von den bonustracks. die/der lifelong-Stones-fanatic stellt dieses teil natürlich gleich neben The New Barbarians und Bill Wyman´s Rhythm Kings ins regal. ob die letzten überlebenden Eurythmics-fans umgehend zuschlagen, ist fraglich. alle anderen warten möglicherweise auf den abverkauf.
mit der kohle, die A&M Records in diese produktion gesteckt hat, könnte man wohl drei bis fünf junge, talentierte, hungrige bands an den start bringen. kommt mir vor, als wenn pensionisten im ärgsten frühverkehr die öffis benutzen und eventuell ein paar leute, die zur arbeit müssen, nicht mehr einsteigen können, weil die garnitur voll belegt ist.
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Vinyl über alles!

in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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