Sonntag, 25. April 2010

Totes Kapital

nma


im idealfall werden künstler(innen) durch ihr schaffen
unsterblich. kurz nach dem leiblichen tod der/des besagten,
laufen alle in die läden um sich zumindest noch ein "best
of" zu kaufen oder gleich via computer abzuspeichern, ob-
wohl während der letzten lebensjahre kein(e) hahn/henne
mehr nach ihnen krähte.
so war Michael Jackson einst nur mehr in der hitparade
der schuldner vorne, doch seine hinterbliebenen unter-
zeichneten einen monstermäßigen verwertungsvertrag,
der jede menge kohle reinspült, damit die plattenfirma
auch noch den letzten furz des "moonwalkers" mit musik
unterlegen kann. oder Falco´s unveröffentlichte songs,
die hätte er selbst wohl nicht mal seinen feinden zum
geburtstag vorgesungen, er sah schon keine zukunft für
jene die er rausbringen wollte, doch heute verkauft sein
nachlaß von diesem abfall mehr einheiten als der "falke"
damals vom verkannten lp-juwel "junge roemer". auch
der estate von Elvis Presley hat seit seinem tode mehr
geld umgesetzt, als der "king" je in der lage gewesen wäre
niederzuschreiben.
desgleichen erinnert man sich in späteren jahren, jahr-
zehnten immer wieder gerne an verblichene idole. dafür
sorgt schon ein ganzer stamm an parasiten, welche die
kuh immer noch melken, selbst wenn keine milch mehr
im euter ist. manchmal sind von-uns-gegangene posthum
berühmter als zu lebzeiten.
Nick Drake oder Elliot Smith nahmen sich aufgrund von
erfolglosigkeit das leben, heute werden sie verehrt und
Jeff Buckley hat die depression von seinem vater Tim
geerbt, beide sind daran zerbrochen, nur um nun ungleich
angesehener zu sein, als während ihrer schaffensperiode.

andere (untote) wiederum sind selbstläufer. ob The Beatles,
The Doors oder Led Zeppelin, keine dieser formationen war
viel länger als zehn jahre aktiv, doch sind sie seit dekaden
aus der musikgeschichte nicht mehr wegzudenken bzw.
immer noch einfluß für nachrückende musiker(innen)
und die kasse klingelt viel lauter als bei vielen aktiven.

es gibt natürlich auch jene, die nicht totzukriegen sind.
Alanis Morissette zum beispiel, das ein-album-wunder
katapultierte sich mitte der 90er mit dem gefühlsausbruch
"jagged little pill" von 0 auf 100 und infolge wieder retour.
jeder neue longplayer ist ein stück reputation weniger.
oder Mark Knopfler - über die Dire Straits kann man nichts
schlechtes schreiben, außer daß sie sich etwas früher auf-
lösen hätten sollen, am besten nach "brothers in arms",
doch seine soloalben sind eher für leute, die älter sind als
er. nicht zu vergessen New Model Army, die 80er protest-
rocker um die singende zahnlücke Justin Sullivan, der
als einziger über all die jahre dabei war, touren immer
noch landauf/landab und bringen alle zeiten mal ein
album raus, an das sich 14 tage später keine(r) mehr
erinnern kann.
wenn dies so weitergeht, werden die labels bald nur mehr
verstorbene verpflichten, denn hierbei ist noch etwas
zu verdienen.

Sonntag, 18. April 2010

Live Classics Vol. 7

live-killers

QUEEN - Live Killers


also dieses album habe ich seinerzeit so oft gehört, daß ich
heute noch bei den diversen ansagen soufflieren könnte.
dies war das erste livealbum der 1971 gegründeten gruppe,
bestehend aus Freddie Mercury (gesang, piano), Brian May
(gitarre), John Deacon (baß) sowie Roger Taylor (schlag-
zeug), aufgenommen an verschiedenen stationen der
europa-tournee jänner bis märz `79, zur unterstützung
des (vielleicht) besten QUEEN longplayers aller zeiten -
"jazz".
weitere live-mitschnitte sollten folgen, der letzte ist sicher-
lich noch nicht veröffentlicht, jedoch keiner (bis jetzt) hat
die kompaktheit, den drive und die ausstrahlung dieses
werks. wogegen die später folgenden stimmübungen von
Freddie, welche ihm das publikum "zurückwarf", der ganze
bombast mit hermelinmantel plus krone und der restliche
bühnen-schnick-schnack, das war die dunkle seite der 80er.

man sehe sich nur die bilder rund ums (gatefold-) cover
von "live killers" an, da gab es noch so eine art dresscode
und der suggerierte rock & roll. gegen ende der band-
karriere kamen die mitglieder manchmal auf die bühne,
als kämen sie gerade von einem angelausflug. natürlich
geht es hier nicht um eine modeschau, doch das auftreten
der formation ging mit der jeweiligen schaffensperiode
hand in hand und mit dem hier besprochenen klassiker
befinden wir uns mitten in der rockigen phase - so klingt
er auch.
beginnend mit einer beschleunigten version von "we will
rock you", bei der Brian seine heimwerker-gitarre so richtig
aufheulen läßt. "are you ready to rock, are you ready to roll"
will Freddie von den fans wissen und der fuß bleibt am
(effekt-) pedal. von "let me entertain you" sowie "get down,
make love" über "now i´m here", "don´t stop me now" und
natürlich "bohemian rhapsody" bis zur standardversion
von "we will rock you" mit "we are the champions" als auch
das outro "god save the queen" im bandeigenen arrange-
ment, mehr als 20 songs, welche heute bereits legendär
sind, bietet dieser in-concert-überblick des vierers. wer
da nicht beim durchhören mal die faust im griechisch-
römischen stil gen zimmerdecke streckt, im ausfallschritt
in die luftgitarre greift oder in der schiunterwäsche à la
Mercury durchs wohnzimmer hüpft, die/der hat keinen
sinn fürs theatralische.
ein jahr nach diesem anfang `79 veröffentlichten doppel-
vinyl, kam mit "the game" nochmals ein studiowerk auf
den markt, das diesen hier demonstrierten schwung mit-
nahm. danach begannen die folgen des harten partylebens
an der kreativität zu nagen - QUEEN wurde zum egotrip.
natürlich hatten sie auch in zukunft noch einige hits, doch
die sangen dann auch oma & opa mit. in der endphase der
laufbahn wäre es wünschenswert gewesen, daß jemand
aus dem umfeld des quartetts die qualitätskontrolle reakti-
viert hätte, denn was gegen ende sowie posthum noch an
material veröffentlicht wurde, ruinierte (für meinen
geschmack) zumindest 35% der reputation von QUEEN.
aber zum glück gibt es tonträger wie diesen.

Sonntag, 11. April 2010

Puppenspieler

malcolm


der in london geborene MALCOLM McLAREN verstarb am
donnerstag 64-jährig. man konnte ihm als macher, genie,
manipulator, wegbereiter, innovator oder scharlatan sehen,
doch grundsätzlich war er (ein guter) geschäftsmann und
seine bewährte betriebsformel lautete "cash from chaos".
er hat den punk weder erfunden noch ausgerufen, sondern
in den staaten entdeckt, ins vereinte königreich importiert,
umgepackt, bestens verkauft und war infolge bzw. für die
laufzeit dieser relativ kurzlebigen bewegung, der weltweite
generalvertreter.
anfangs noch vom traditionellen u.s. rock & roll fasziniert,
besuchte er in den 60ern verschiedene kunstakademien.
war aber bald mehr von den (franz.) studentenprotesten
begeistert, als von der trockenen thematik. ende des jahr-
zehnts traf er die spätere mode-avantgardistin Vivienne
Westwood und 1971 eröffneten die beiden die boutique
"let it rock", spezialisiert auf teddy-boy- sowie rockabilly-
outfits.
als MALCOLM mal geschäftlich in new york war, stieß er
auf die formation New York Dolls. dieses erlebnis ließ ihn,
zurück auf der insel, den laden in "too fast to live, too young
to die" unbenennen und glam-klamotten forcieren. die
begeisterung für die Dolls trieb ihm aber wieder nach
amerika, um sich der band als manager anzubieten. doch
auch er konnte die vorreiter des punk nicht vom untergang
retten.
somit machte sich McLAREN wieder auf in die heimat um
seine erfahrungen aufzuarbeiten. der shop wurde nun "sex"
getauft und man handelte mit s&m adjustierungen plus
sonstigem provokativen zubehör. hier konnte Westwood
ihrer kreativität freiem lauf lassen. um ihren kreationen
eine plattform zu bieten und den laden zu promoten, castete
MALCOLM, der auf den geschmack des musikbusiness ge-
kommen war, typen welche im "sex" abhingen für die
namensverwandte boyband Sex Pistols. wie einst Andy
Warhol mit The Velvet Underground, wollte er die jungs
als hausband halten und zeitgleich sich selbst in den mittel-
punkt stellen.
diesmal gelang es besser als erwartet. er spielte alle - medien
plattenfirmen, publikum als auch die musiker. nur einmal
drohten ihm die fäden zu entgleiten, als gitarrist Steve
Jones, während eines band-interviews live im englischen
fernsehen, den tv-moderator Bill Grundy beschimpfte.
der ausbruch der entrüstung erstreckte sich über das
gesamte königreich, in dem ohnehin jedes 4-buchstaben-
wort, egal ob negativ oder positiv, gegen die etikette ver-
stieß. darauf folgendes radio- sowie fernsehboykott plus
teilweises auftrittsverbot setzte seinem projekt zu, doch
mittels schubumkehr wurde auch diese situation zum
vorteil verwendet. dagegen war seine spätere verhaftung
während einer werbeaktivität für die single "god save the
queen" reines kalkül.
auch der NY Dolls nachfolgeformation - Heartbreakers - griff
er nebenbei unter die arme. als die Pistols schlußendlich am
eigenen schleim "erstickten", preßte McLAREN noch den
letzten saft aus dem nachlaß und wandte sich dann dem
nächsten, verhältnismaßig kleinen skandal zu - Bow Wow
Wow. auch bei Boy George und Adam Ant mischte er vor-
übergehend mit, aber eigentlich hatte er am musikma-
nagement kein interesse mehr. der boutique hieß in der
zwischenzeit "world´s end" und wurde, nach vorüber-
gehender schließung, von Westwood alleine betrieben.

seit den frühen 80ern arbeitete MALCOLM auch an einer
eigenen tonkunstkarriere. hierfür wanderte er mit dem
einkaufskorb durch die musikwelt, packte ein was er
brauchen konnte und machte sein ding daraus. ob hip-hop,
world music, oper oder chanson, alles wurde verwurstet
und es schaute auch der eine oder andere kleinere hit dabei
raus. provokativ war aber nichts mehr.
an anderen fronten versuchte er sich auch im filmbusiness,
als buchautor, herausgeber von zeitschriften und ende
der 90er betreute er abermals einen act, die chinesische
girlgroup Jungk. gegen ende des jahrhunderts überlegte
er auch eine kanditatur als bürgermeister von london.
hierbei wollte er sich vor allem für prostitution als auch
der legalisierung leichter drogen einsetzen. es blieb aber
nur beim rühren der werbetrommel. später schnupperte
er noch beim format reality-tv rein.
noch im letzten jahr veröffentlichte er ein album namens
"shallow - musical paintings", ohne viel staub damit aufzu-
wirbeln. die "fingerfertigkeit" war (schon länger) nicht
mehr vorhanden. der kampf gegen den bereits vor jahren
diagnostizierten krebs trug seinen teil dazu bei. gerade als
man dachte es ging wieder bergauf, schnappte er zu.

wann immer man ein interview mit MALCOLM McLAREN
sah oder las, er hatte immer interessantes zu erzählen und
wußte, wo die wunde für seine spezielle prise salz gelegen
war - ein wahres original.

Sonntag, 4. April 2010

Frage Der Zeit

visage-best


oft wird ein song, album als auch film aus der vergangen-
heit, in der gegenwart belächelt, als blödsinn abgetan.
jedoch muß man die zeit erlebt haben, in der das werk
entstanden ist, um sich wundern zu können, daß einem
dieses & jenes mal gefiel.
natürlich wird etwas wirklich gutes (mehr od. weniger)
immer klasse haben, doch manche dinge passen einfach
besser in die jeweilige epoche, sollten eventuell auch dort
bleiben und stoßen jahre später auf unverständnis. sie
spiegeln eben vorteilhafter den zeitpunkt ihres erschaffens
wieder bzw. brauchen dieses umfeld um optimal zur geltung
zu kommen. wie ein modestück, welches man heute nur
mehr aus nostalgischen gründen aufhebt als auch trägt.
aber weggeben braucht man heutzutage eigentlich nichts
mehr wirklich, weil das nächste revival kommt bestimmt,
nur eine frage der zeit.
dann werden nicht nur die alten sachen hervorgekramt
sowie gerne gehört als auch gesehen, nein, auch neues
wird produziert, als wäre es von damals. oder es werden
elemente aufgegriffen und eingefügt, um sich an gewesenes
anzulehnen. das ganze wird infolge massiv betrieben, bis
es uns zum hals raushängt. aber kein problem, dann wird
einfach der nächste zeitabschnitt revitalisiert.
jenen, welchen die 80ies nun schon reichen und die nicht
bei fast jeder band eine synthesizer-line raushören wollen,
können beruhigt sein, härtere gitarren sind bereits wieder
salonfähig - anschließend gibt es ohnedies das dance-revival.

Sonntag, 28. März 2010

Kostenexplosion

paul-live


die preise für konzerttickets gehen jedes jahr eine stufe nach
oben. da will ich jetzt gar nicht die veranstalter verdam-
men, denn sie wollen doch auch nur ein eck vom rock & roll
lifestyle und alles wird sowieso immer teurer, doch wenn,
wie gegenzeitlich die norm, irgendwelche alte legenden auf
tour gehen, sind die gebühren dafür meist über der schmerz-
grenze.
gut, das ganze hat sich bekannterweise gedreht. früher hat
man mit gutem wind mehrere millionen von einem long-
player verkauft, da diente eine tournee nur der promotion,
oft auf druck der plattenfirma. etablierte acts verzichteten
das eine oder andere mal darauf. The Beatles spielten ihr
letztes konzert ende august `66 in san francisco (abgesehen
vom kurzauftritt auf dem dach ihres labels `69), den rest
ihrer karriere verbrachten sie im studio. heute tritt Paul
McCartney bei jeder gelegenheit, ob katastrophe oder
jubiläum, auf die bühne.
es ist eben total umgekehrt, mit konzertreisen kann nun
die kohle gemacht werden. eine million einheiten eines
releases zu verkaufen, ist heutzutage schon eine schall-
mauer, newcomer brauchen davon eigentlich nicht zu
träumen, denn ihre fans, die jugend von heute, saugt
sich das werk aus dem netz, in dem die ernte selten
hängen bleibt. diese künstler/innen gehen aber auch
anders an die sache heran, für sie ist die heutige situation
die normalität, haben selbst einen I-pod oder ähnliches.
da rotzt ein Jonny Davy, sänger der metal-formation
Job For A Cowboy, schon mal zynisch von der bühne runter;
"this is a new song and i don´t give a fuck, if you load it
down for free". er kennt es praktisch nicht anders, lebt
mehr oder weniger von den auftritten sowie dem merchan-
dise. die musik dient, geschäftlich gesehen, als vehikel um
die band zu transportieren, spielt jedoch nicht die haupt-
rolle. wenn frau/mann infolge mehr als eine million
davon absetzen, darf "bingo" gerufen werden.
wer aber von den "alten" nicht mehr in der lage ist zu
touren, hat hoffentlich genug angespart. jene die noch
können, schmeißen sich auf die bretter, oft ist es schon
die reinste freakshow. die konzertkarte ist die hauptein-
nahmequelle und darum so hoch wie möglich bemessen.
damit sind nun solche konsumenten/innen, welche trotz-
dem noch musik legal erwerben, die dummen und werden
volles rohr zur kasse gebeten. wenn ich 70 euro für das
billett zahle und mir den output gratis besorge, kann ich
wahrscheinlich damit leben, doch wer fürs liveerlebnis
die erwähnten 70 nüsse berappt, plus gute 20 für den ton-
träger, der/die muß tief luft holen, denn da geht die wunde
bis fast auf den knochen. wenn man da noch kinder hat,
die t-shirts, poster, soft-drinks sowie popcorn wollen, dann
geht man besser gar nicht hin.
obwohl, bei wirklichem interesse an nur ein oder zwei
künstler/innen, gönnt man sich diesen luxus, aber bei
allgemeinem, muß genauer kalkuliert werden.
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