Sonntag, 14. Juni 2009

Namhaft

yoko-ono


kürzlich wurde die zweijährlich stattfindende Biennale Di
Venezia, eine kunstausstellung, welche sich heuer zum drei-
undfünfzigsten mal jährt, eröffnet. seit 1970 wird dabei
unregelmäßig ein Goldener Bär für das lebenswerk eines
künstlers vergeben. vergangene preisträger sind unter
anderen Orson Welles, Charles Chaplin, Clint Eastwood
oder Ennio Morricone. die diesjährige war YOKO ONO.
sie wurde als schlüsselfigur der nachkriegskunst, sowie
für die pionierarbeit auf dem gebiet der performance-
und konzeptkunst ausgezeichnet.
YOKO hatte bereits mehrmals im rahmen der Biennale
werke ausgestellt. am spektakulärsten 2002, als sie ein-
hundert särge, die jeweils einen kleinen olivenbaum als
symbol des friedens trugen, betitelt "face it", zur schau
stellte.
die preisträgerin hatte sich bereits in den frühen 60ern
in new york, via performance- sowie improvisationskreisen,
etabliert. sie ging mitte des jahrzehnts nach london und
wie das schicksal es wollte, traf sie am 9. nov. 1966 in
einer lokalen kunstgalerie, die eine ihrer ausstellungen
zeigte, auf John Lennon. infolge beschritten die beiden
von `68 - `80 gemeinsame wege.
dazwischen lagen eine hochzeit in gibraltar, bed-ins, sieben
gemeinsame alben (vom 68er "two virgins" bis zum post-
humen 84er "milk and honey"), bagism-events, konzerte
plus filme, drogenräusche, friedensaktivismus, urschrei-
therapien, trennung (lost weekend) sowie wiedervereini-
gung, ein sohn und schlußendlich das ende der beziehung,
durch den gewaltsamen tod des ex-Beatle, am 8. dez. 1980.

die witwe Lennon hatte bereits während der gemeinsamen
tage, musik unter eigenem namen veröffentlicht. "plastic
ono band" (gegenstück zu John´s gleichnamiger lp) oder
"approximately infinite universe", setzte ihr tonkünstler-
isches schaffen nach seinem ableben fort - "season of glass",
"yes, i´m a witch" - brachte diese woche eine 4-track-ep
"don´t stop me" in die downloadshops und wird im herbst
ihren nächsten longplayer "my head and the sky" veröf-
fentlichen. doch ihre musik war dann am erfolgreichsten,
wenn sie von anderen remixed wurde bzw. sorgte am
meisten mit prominenten mitspielern für aufregung.

nun für ihr musikalisches lebenswerk wurde sie (berech-
tigterweise) nicht ausgezeichnet. auch ihr restliches
kunstschaffen ist zwar ideenreich, teilweise originell
sowie avantgardistisch, doch die frage nach anspruch
der ehrung bleibt ebenso spekulativ, wie ob sie es ohne
Lennon als mäzen, partner, kooperator überhaupt bis
zur Biennale geschafft hätte. denn auch diese festivals
schmücken sich gerne mit großen namen.
den globalen status der wiedererkennung erreichte sie
hauptsächlich durch die gemeinsamen tage mit John
Lennon beziehungsweise der verbreiteten annahme, sie
hätte The Beatles terminiert.
das ganze hat auf jeden fall etwas avantgardistisches.

Montag, 8. Juni 2009

Schnappschüsse

ethan-russell


in den 50ern, 60ern und teilweise auch noch in den 70ern,
hatten manche photographen fast unbehinderten zutritt
zu den musikern. sie hingen mit ihnen backstage ab,
fuhren manchmal auch im bus mit bzw. dokumentierten
die tournee, hielten photoshootings ab, welche sich über
den ganzen tag, sowie after-work, bis in den nächsten tag
zogen und waren teilweise auch in der privaten welt der
stars gern gesehen.
solche meister der linse wie Henry Diltz, der in zusammen-
arbeit mit dem graphiker Gary Burden auch covers für
Crosby, Stills & Nash, The Doors oder Eagles schuf. oder
Ethan Russell, der für The Beatles die "let it be" sessions als
auch für die Rolling Stones deren gesamte 1969 u.s. tour
dokumentierte. der ehemalige photograph des Rolling
Stone magazins Mark Seliger, er lichtete in seinem treppen-
haus leute wie Lou Reed, Paul McCartney, Keith Richards
sowie Mick Jagger u.a. ab.
nicht zu vergessen lichtbildner wie Robert Altman, Mick
Rock, Bob Gruen, Annie Leibovitz und viele, viele mehr.
sie alle können von der guten alten zeit ein lied singen.
heute gibt es für den umgang mit berühmtheiten auflagen,
zonen, verbote etc.. bei konzerten gibt es photopässe, die
meist nur vor der bühne gelten (wenn überhaupt) und
die großen acts erlauben nur während einiger songs den
druck auf den auslöser.
an das objekt der begierde hautnah heran, können nur
ausgewählte professionelle mit genehmigung des manage-
ments. das ergebnis muß oft noch abgesegnet werden.
dadurch gibt es fast nur mehr shots, die so aussehen wie
sie entstanden sind - gestellt. die distanz wird immer
größer. der künstler oder die künstlerin sollen so dargestellt
werden, wie man sie der öffentlichkeit verkaufen will.
doch "frisierte" pressephotos sowie ein myspace oder facebook
auftritt machen noch keine legende. das gewisse etwas fehlt
und man sieht es. bilder, die etwas mehr über die gezeigte
person erzählen, sie einem näher bringen, sieht man gegen-
wertig nicht mehr. vielleicht auch ein grund, warum die
lebensdauer der sternchen immer kürzer wird.
die bestätigung dieser these findet man in ausstellungen
der alten meister, diavorträgen, themenschwerpunkten
oder auch bildbänden. dort/damit kann man noch die
damalige atmosphäre aufsaugen, sich hineinziehen lassen.
unmöglich bei den heutigen, oft durchaus gelungenen aber
eigentlich leblosen, porträts.

Sonntag, 31. Mai 2009

Banausen

manic-street-preachers


kürzlich wurde das neunte album der walisischen indie-
rocker MANIC STREET PREACHERS - "journal for plague
lovers" - veröffentlicht. nachdem in großbritannien bereits
im vorfeld einige supermarktketten (Tesco, Sainsbury´s
u.a.) das cover dafür, für ihre kunden nicht zumutbar
fanden, wurde es an die betroffenen geschäfte in einer
unbebilderten edition ausgeliefert. der stein des anstoß,
das "stare" betitelte 2005er gemälde der englischen
künstlerin Jenny Saville, welches den output ziert.

abgesehen davon, daß malerei auf tonträgerhüllen
momentan angesagt ist (siehe Coldplay, Graham Coxon,
The Cure etc.), kann man die erwähnte aufregung schwer
nachvollziehen. anscheinend haben hier leute zu entschei-
den, welche kunst nicht mal erkennen würden, wenn sie
sich draufsetzen.
probleme mit "unpassenden" record-sleeves gab es immer
wieder. von The Beatles und Rolling Stones, über Led
Zeppelin oder Jane´s Addiction, bis zu Guns `n´ Roses
sowie The Strokes. meist sind es dann u.k. oder u.s.
verbrauchermärkte, die ohnehin mit ihren tonträger-
verkäufen zu oft dumpingpreisen dem fachhandel die luft
zum atmen nehmen, die hiermit angst um das wohlbe-
finden ihrer kunden ausdrücken wollen. nebenbei aber
kein problem damit haben, waren aus bedenklicher
herkunft bzw. menschenunwürdiger produktion oder
waffen feilzubieten.
die plattenfirmen wiederum wollen auf solche umsatz-
bringer nicht verzichten, die künstler haben kaum eine
wahl. der protest der MANIC STREET PREACHERS verhallte
ungehört.
die 1988 von James Dean Bradfield (gesang/gitarre),
Nicky Wire (baß), Sean Moore (schlagzeug) als auch
Richey Edwards (gitarre) gegründete band, startete
mit ein paar singles bei kleinen labels und wurde darauf
vom big player Columbia Records unter vertrag genommen.
nun wurde die hypemaschine angeworfen, wobei die jungs
auch eine dicke lippe riskierten. Bradfield bemerkte, das
ziel der band wäre ein doppelalbum, welches welteit auf
nummer eins geht, um sich anschließend aufzulösen.
mit mächtigem trara sowie weiteren kernigen sprüchen
erschien im februar `92 das krachende debüt "generation
terrorists". es schaffte (nur) top-20 im königreich, was
zu leichter ernüchterung aller beteiligten führte.
noch im vorfeld ritzte sich freigeist Edwards, im rahmen
eines promotion-interviews für die einstige alternative-
bible Melody Maker, mit einer klinge "4 real" breitfächrig
in den oberarm. im anschluß mußte er ärztlich versorgt
werden.
jener Richey Edwards, der sein instrument ähnlich gut
beherrschte, wie der (dafür gar nicht) legendäre Sex
Pistols bassist Sid Vicous, aber die fans mit seinen (oft)
schmerzverzerrten texten begeisterte und angeblich
für das bandgefüge wichtig war, verschwand nach dem
dritten album - "the holy bible" (welches ebenso mit einem
Saville gemälde versehen war) - spurlos. er, der nach
abschluß der aufnahmen noch einen klinikaufenthalt
absolvierte, da er auf röntgenbildformat abgemagert
war, ward nie mehr gesehen. die gruppe machte fortan
als trio weiter.
seither schwebt der schatten des "verlorenen sohns" über
der band. um damit endlich abzuschließen, haben Bradfield,
Wire sowie Moore nun den aktuellen longplayer mit übrigen
texten ihres ehemaligen bandkollegen eingespielt.
das artwork spiegelt, meines erachtens, die persönlichkeit
von Richey wieder, doch dies juckt keinen der bosse in den
department stores. weiters würde es mich freuen, könnten
die MANIC STREET PREACHERS nochmals ein werk ein-
spielen, welches der kraft des verwendeten kunstwerks
entspricht.

Sonntag, 24. Mai 2009

Enttäuschungen

wenn man sich für einzelne acts begeistert, anstelle des
gesamtbildes, der musik, droht früher oder später das
unausweichliche - nämlich daß man von einer künstlerin
bzw. einem künstler via einer veröffentlichung enttäuscht
wird.
man wird auf jemanden aufmerksam, hört das album oder
auszüge davon, kauft es und ist begeistert. eventuell ist
man beim nächsten longplayer trotzdem noch skeptisch,
wartet ab, erwirbt ihn doch und das glücksgefühl kehrt
zurück. meistens ist man nun gefangen, im netz des ver-
trauens. dem nächsten output fiebert man jetzt entgegen.
wird dann noch mit promotricks auf die folter gespannt.
im vorabinterview hat man noch gelesen, es stecke das
gesamte herzblut in diesem werk, 100%ig deren album
soll es sein bla, bla, bla. sogar der journalist ist vom bisher
gehörtem positiv überrascht. wenn dies kein gütesiegel
ist? endlich soll das teil erscheinen, noch dazu in einer
limited edition, da heißt es schnell sein. man kauft sich
die veröffentlichung beim dealer des vertrauens oder
irgendwo - auch schon egal - packt sie aus, haut sie auf
denn teller (oder sonstwohin), legt los und traut den boxen
nicht. nicht was man erwartet hat, aber auch nicht diese
art von überraschung, mit der man eine freude hat. das
kann nicht stimmen - nochmals durchhören.
anscheinend hatten alle beteiligten ihren spaß, nur man
selbst nicht. das ist wie wenn man jemanden zu sich nach
hause einlädt und der/die beklaut einem. da baut sich
dann einfach eine barriere auf, wie soll man diese wieder
überbrücken? es bedürfte schon eines feuerwerks um
wieder vertrauen zu fassen. doch die skepsis einteilt der
hoffnung.
andere machen es sich eben leichter, die reden sich auch
solch eine ernüchterung schön. sehen erbrochenes und
machen ein smiley daraus. doch das muß man können,
nebenbei sind geschmäcker ohnehin verschieden. was
dem einen mißfällt, empfindet der andere oft auch als
meisterwerk. sellerie - so ist das leben.
abschließend sind hier noch fünf "prachtstücke" aus
meiner sammlung, an denen ich beim besten wille
kein gutes haar finden kann;

rem
REM - "up"
nach dem abgang von schlagzeuger Bill Berry,
das erste album als trio. zugleich auch mein
letztes der gruppe. das gleichgewicht ging
verloren, zusammengefaßt in dieser zu musik
gemachten schadensbegrenzung.

springsteen
Bruce Springsteen - "lucky town"
klingt wie mehrfach aufgebrühter tee.
der "boss" spielt mit ausnahme der drums
alle instrumente selbst - weniger wäre
wohl mehr. das zeitgleich erschienene
"human touch" ist auch nicht um vieles
besser.

pilots
Stone Temple Pilots - "tiny music..."
untertitel "songs from the vatican gift shop"
diese scheibe mag ja in rom ein hit gewesen
sein, war es definitiv in den staaten, doch
wohl nur aufgrund der beiden vorgänger.
die einen werden von drogen beflügelt, die
anderen gelähmt - letzteres haben wir hier.

cure2
The Cure - "wild mood swings"
diese (dbl-) platte hört sich an wie ein vertonter
vollrausch und entspricht in etwa der damaligen
bandsituation. zeitweise hat man das gefühl,
sänger Robert Smith würde lallen. der schlechteste
output dieser formation.

gray
Macy Gray - "the id"
sofern ihr erstling "on how life is" tag war,
dann ist dieser nachfolger nacht - und zwar
wenn alle schon schlafen. belangloser, beliebiger,
unmotivierter r&b, der sich am besten als hinter-
grundmusik für shopping-malls eignet.

Sonntag, 17. Mai 2009

Meinungsbildung

vampire-weekend


laut einer BBC-meldung kam eine britische studie zum
schluß, daß durch internet im allgemeinen, sowie file-
sharing, webauftritte als auch communities im speziellen,
nicht unbedingt neue, unbekannte künstler profitieren,
sondern hauptsächlich arrivierte. bekannte musiker
werden mit online-hilfe nur noch berühmter, illegale
downloadcharts würden sich oft mit legalen reihungen
decken. die menge an möglichkeiten lässe für den user
keine zeit zur suche nach protagonisten, außerhalb des
scheinwerfers.
nun dies erinnert mich an den alten witz des deutschen
komikers Otto Waalkes - "rauchen ist doch nicht schädlich!
gezeichnet dr. Marlboro".
es ist natürlich klar, daß weltweit mehr leute Lady Gaga
oder Eminem aus dem netz saugen als z.b. Men Without
Pants, Liondialer oder auch Karima Francis (sofern über-
haupt zu finden). doch schon vor dem siegeszug des w.w.w.,
wurden bei radiowunschsendungen hauptsächlich die
namhaften acts verlangt bzw. wenn man einen "underdog"
forderte, kam man gar nicht zum zug.
nun können sich jene, welche nicht ins schema der her-
kömmlichen medien passen, untereinander austauschen.
schaffende haben die möglichkeit sich zu präsentieren
und werden auch registriert. karrieren wie die von den
Arctic Monkeys, Vampire Weekend, MGMT sowie weiteren
belegen es. okay, letztere kamen zwar nicht unbedingt
durch das world wide web zu ihrer laufbahn, aber via
verbreiteter, selbstgebrannter cds, welche den weg zu
einer plattenfirma fanden, als sich das duo eigentlich
bereits aufgelöst hatte.
nun all dies weicht natürlich über jahrzehnte eingespielte
abläufe auf und um alles wieder in lenkbare bahnen zu
bekommen, muß man vorhandene euphorie eindämmen,
geeignete meinungen bilden, damit sich dinge nicht selbst-
ständig entwickeln.
durch die unendlichen weiten des webs hat jede/jeder
selbst die möglichkeit sich ihre/seine früchte rauszupicken
und ist nicht (nur) auf jenes angewiesen, was ihr/ihm
vorgesetzt wird.
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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