Donnerstag, 24. Juli 2008

Marktkontrolle

tom-waits


TOM WAITS, der exzentrische liedermacher mit der reibeisen-
stimme, absolviert derzeit mit 5-köpfiger begleitband eine
seiner seltenen tourneen.
nachdem er bereits 13 konzerte in den vereinigten staaten
hinter sich gebracht hat, beehrt er nun europa. mit seiner
"glitter and doom tour" machte er bereits in san sebastian,
barcelona, milan sowie prag station. heute und morgen be-
spielt er paris, den abschluß bilden edinburgh als auch dublin.
keine auftritte in england, deutschland, holland, schweiz und
leider auch nicht österreich.
die tickets waren rasch vergriffen. trotz der eigenwilligen art
der vergabe. um schwarzhändlern keine chance zu bieten gab
es pro person nur zwei tickets, welche mit dem namen des
käufers plus dem der begleitung versehen wurden. am einlaß
ist ein lichtbildausweis erforderlich. stimmt die inschrift nicht mit
der legitimation überein, wird der eintritt verwehrt. hat man für
jemanden eine karte (mit-)besorgt und jene(r) ist verhindert,
verfällt das zweite billett, denn eine weitergabe ist nicht möglich.

bei solch raren live-gelegenheiten wandern normalerweise bis
zu 20% des vorverkaufs in den schleich- sowie zwischenhandel,
um infolge mit überhöhten preisen weiterverkauft zu werden.
diesem problem wollten künstler & management entgegenwirken.
auch gegen die "legale" preistreiberei im zuge der kalkulation ver-
suchte man vorzugehen und legte einen grundpreis, zu dem nur
service- + beitungsgebühr aufgeschlagen werden dürfen, fest.

kann nur von vorteil für den konsumenten sein wenn versucht
wird der preisspirale bei konzertkarten ein ende zu setzen.
vielleicht entdecken ein paar andere musikanten auch noch diese
möglichkeiten. andererseits sind die top-konzerte dann wahrschein-
lich noch früher ausverkauft.

Samstag, 19. Juli 2008

Perlentaucher Nr. 9

birdland
künstler: BIRDLAND
album: same


die englische indie rock formation BIRDLAND (benannt nach
dem gleichnamigen Patti Smith lied) wurde 1988 von den
brüdern Robert (gesang) & Lee (gitarre) Vince sowie
Gene Kale (schlagzeug), mit dem sie bereits bei Zodiac
Motel zusammenspielten, gegründet. Sid Rogers am baß
verfolständigte das quartett.
noch im gründungsjahr bekamen sie einen vertrag mit dem
londoner independent label Lazy Records und konnten bereits
mit ihrer dritten single "sleep with me", welche wie die Stone
Roses auf speed klingt, einen kleinen chart-erfolg erzielen.
die nächste 7-inch war eine engagierte coverversion des
kontroversiellen Patti Smith Group titels "rock `n´ roll nigger".

die bisher erbrachten leistungen brachten ihnen distributions-
verträge für amerika und japan. es folgte der nächste appetizer
auf das debüt in form von "everybody needs somebody". hier
wiederum wurde ein riff von The Cult verbraten.
im februar `91 wird endlich das erste (und letzte) schlicht
"birdland" betitelte album veröffentlicht. es vermittelt spielfreude,
klingt wie aus einem guß und bestätigt die vorab-singles. einflüsse
der band sind deutlich hörbar. dies legten ihnen manche kritiker
als mangelnde originalität aus, doch einzelne tracks würden heute
durchaus auf einen Babyshambles output passen.

in england verfehlte der longplayer damals knapp die top 40, im
ausland gelang es überhaupt nicht anzuschreiben. die vertriebs-
verträge wurden gelöst und infolge die band vom label gekündigt.
ohne vertrag, geld sowie zukunftsaussichten löste sich die gruppe
kurz danach auf.

Freitag, 11. Juli 2008

Ansichtssache

system-of-a-down


ein musiker hält mir am merchandise-stand seinen aktuellen
silberling unter die nase und meint dazu, daß, sofern ich sein
schaffen gut fände, ich hiermit bestens bedient wäre. neben-
bei würde ich ihn auch unterstützen bzw. die möglichkeit geben
sich seiner künstlerischen tätigkeit weiter zu widmen.
also nicht wie meine wenigkeit, um 7 uhr aus den federn, kurze
stimmprobe unter der kalten dusche und ab in die firma.
"es tut mir leid ich kaufe keine cds", erwiedere ich. sein blick
drückt skepsis aus, soll er sich überhaupt noch weiter mit mir
unterhalten? "du bist einer dieser downloader", stellt er nach
kurzer pause fest.
darauf erkläre ich ihm, daß wenn er meint seine kunst würde
nicht ausreichend gewürdigt oder abgegolten, er sich durch
minimale tonträgerverkäufe (denn an den verkauften mp3s
verdienen angeblich immer nur die anderen) den arsch ab-
touren müsse und ihm am ende trotzdem kaum etwas bleibt -
also nicht wie seine vorgänger, die, sofern sie ihren vertrag
gelesen haben, aufgrund von millionen tonträgerverkäufen
einen standesgemäßen lebensstil im sinne von sex, drugs &
rock `n´ roll pflegen konnten -
genau dies stück plastik in seiner hand der ausgangspunkt dafür
sei. wäre angenommen die compact disc nie erfunden worden,
stattdessen die schallplatte - exakt diese kaufe ich nämlich aus-
schließlich - das handelsübliche format, würden wohl kaum die
mehrzahl der musikinteressierten songs vom turntable auf den
computer transferieren, in mp3s umwandeln, bei der nächsten
tauschbörse feilbieten, als empfänger downloaden, wieder um-
formatieren sowie abschließend in vinyl schneiden. es wäre
zu aufwändig, zu teuer sowie unbefriedigend.
"je darüber nachgedacht", werfe ich ihm noch hinterher.
er runzelt ungläubig die stirn, nimmt einen großen schluck
aus seiner (mittlerweile warmen) bierdose, ringt sich ein
lächeln ab, entschuldigt sich und verlegt seine aufmerk-
samkeit auf weniger komplizierte interessenten.
okay, vielleicht hätte ich es mir doch verkneifen sollen, aber
das permanente, allseitige gejammere über den niedergang
des musikgeschäfts kann ich fast schon nicht mehr hören.
fragt mich mal über ticket- oder albumpreise.

Samstag, 5. Juli 2008

Neulich Beim Chinesen

guns-n-roses


GUNS N´ ROSES - gegründet 1985, schafften den aufstieg
vom kleinkriminellentum zur weltweiten hitparadendominanz.
mit ihrem debüt "appetite for destruction" zeigten sie `87 der
hair metal gemeinde vom sunset strip wo der hammer hängt
und lieferten gleichzeitig einen klassiker für die ewigkeit.
selbst die schnell nachgeschobene resteverwertung "g n´r lies"
wurde ein erfolg. bald danach begann das erfolgs-line-up in
form von Axl Rose (gesang & geschrei), Slash (gitarre), Izzi
Stradlin (gitarre), Duff McKagan (baß) sowie Steve Adler
(schlagzeug) zu bröckeln.
nichtsdestotrotz folgte 1991 der (musikalisch) teils dünne
aber kommerziell dafür umso erfolgreichere doppelschlag
"use your illusion I & II".
nun forderte das permanente touren als auch der exzessive
lebensstil seinen tribut und die ausgebrannte band wußte sich
zwei jahre später nur mehr mit der künstlerischen kapitulation
"the spaghetti incident" zu helfen. ein weiteres jahr danach hatte
Axl all seine alten weggefährten aus der band geekelt und
sich im gegenzug die alleinigen rechte an der gruppe gesichert.

seit dieser zeit arbeitet er auch mit wechselnden helfern an einem
ominösen longplayer, betitelt "chinese democracy", von dem er bei
zwischenzeitlichen konzerten bereits die eine oder andere demo-
version unter gedämpften applaus zum besten gab.
auch im internet sind div. studiofassungen aufgetaucht, doch
kürzlich gab es auf einer privaten website (antiquiet.com) neun
praktisch fertige nummern zum probehören. der darauffolgende
ansturm an besuchern führte zum absturz der seite.
für den netzauftritt verantwortlich ist Kevin Skwerl, ein ehe-
maliger Universal Music angestellter. er bekam kurz darauf einen
drohanruf von Rose´s anwalt und entfernte anschließend die
files. trotzdem wurde Kevin zwei tage später von fbi agenten
befragt - wahrscheinlich im rahmen des "war on terror" - es
wurde aber keine anklage erhoben.

die kosten für "chinese democracy" belaufen sich bis jetzt auf
fast 15 mio. usd, das epos soll aber laut management endlich
fertig sein. die plattenfirma weiß aber noch nicht wie bzw. wann
(oder überhaupt) sie diesen kracher zünden soll.
Axl wiederum meint, daß nur mehr details zu klären sind und er
schon drei weitere alben im köcher hätte.
klingt nach drohung.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Top-5-Wunschkonzerte

eigentlich mache ich mir nichts aus zeitreisen.
möchte weder die vergangenheit noch die zukunft besuchen.
mir reicht der kampf mit der gegenwart.
doch angenommen es käme eine ultra-gute fee und würde mir
vorschlagen, ich könnte fünf konzerten meiner wahl beiwohnen,
für welche unvergesslichen erlebnisse würde ich mich ent-
scheiden?
da bietet sich natürlich eine reise in die musikgeschichte an.
denn etwas sehen zu wollen, was noch gar nicht stattfand
und wobei man keine ahnung hätte wie es sein würde, wäre
sicher reizvoll, doch stehen nur 5 wünsche zur verfügung.
diese sollte man gut nützen und damit halte ich mich lieber
an bewährtes und wähle wie folgt;



elvis-68
1) Elvis Presley live beim `68 comeback special
warum: heute der legendärste auftritt von Presley.
ohne las vegas klimbim und kreischenden teenagern.
ein unverfälschtes erlebnis.
fakten: der king wollte von der leinwand wieder ins
musikgeschäft. als vehikel schien ein "nbc christmas tv special"
gesponsert von singer nähmaschinen geeignet. musikalisch
unterstützt von den alten weggefährten DJ Fontana & Scotty
Moore plus Charlie Hodge und Alan Fortas als sidekicks, gab
Elvis größtenteils eine "back to the roots" performance, welche
am 27. + 29. juni in zwei mal zwei shows vor selektiertem,
wechselndem publikum aufgezeichnet wurde.


let-it-be
2) The Beatles live am apple-building
warum: die band locker, geil aufs spielen und ohne hyste-
rische "fans", während ihrer besten periode - den späten 60ern.
fakten: gegen ende der arbeiten an "let it be" wollten
The Beatles (plus Billy Preston), die schon jahrelang nicht
live aufgetreten sind, das material am dach ihrer plattenfirma
live performen. am 30. jänner 1969 ging es nach kurzem ein-
spielen mit "get back" los, doch nach ca. einer halben stunde
kam die polizei und beendete den letzten auftritt des vierers.


stardust
3) David Bowie & band live als Ziggy Stardust &The Spiders From Mars
warum: Ziggy And The Spiders waren Bowie´s
beste formation und das gemeinsame album war sein/ihr
meisterwerk. beim "letzten abendmahl" dabeizusein
wäre total abgehoben.
fakten: am 3. juli 1973 spielte die gruppe das tour-
abschlußkonzert im londoner hammersmith odeon. kurz vor ende
des gefeierten auftritts bittet David um ruhe und gibt bekannt;
"not only is it the last show of the tour, but it´s the last show
that we´ll ever do, thank you". "nooo" schrie das publikum,
schlagzeuger Mick Woodmansey sowie bassist Trevor Boulder
schauten verdutzt, das sie keine ahnung davon hatten. nur
gitarrist Mick Ronson blieb cool, er hatte bereits einen solovertrag
in der tasche.


anarchy
4) The Sex Pistols live in manchester
warum: man sah die noch "ungeschliffenen",
spielfreudigen Sex Pistols krawallfrei und war nebenbei
noch bei der zeugung des manchester musikwunders dabei.
fakten: vor einer überschaubaren menge an besuchern
spielten die Pistols am 4. 6.`76 in der lesser free trade hall.
organisiert wurde das ganze von den lokalen punks Howard
Devoto sowie Pete Shelley (zusammen 50% der Buzzcocks).
im publikum amüsierten sich The Stiff Kittens (später Joy Division),
Martin Hannett (produzent), Tony Wilson (zukünftige legende),
Mick Hucknall (in folge popstar) und andere berühmtheiten,
die je nach quelle differieren.


leeds
5) The Who live in leeds
warum: Pete Townshend, Roger Daltrey, Keith Moon
plus John Entwistle waren nie wieder so "privat" zu erleben.
es folgten alkohol- sowie drogenprobleme und in zukunft ein
aufgeblasener sound.
fakten: kurz zuvor spielten sie noch eine us-tour in
mittelgroßen hallen, doch für das geplante live-album wollte
Townshend eine intimere atmosphäre. dieses konzert vom
samstag den 14. februar 1970 in der leeds university vor
ein paar hundert leuten war maximum r&b mitten ins gesicht.
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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