Sonntag, 8. April 2012

Feierlichkeiten

rolling


dem deutschen, seit 1994 aktiven, ableger der u.s. zeitschrift Rolling Stone umgibt zwar nicht der mythos, den sich das original in den späten 60ern sowie während der 70er erworben hat, aber mit vinyl hat er definitiv mehr am hut. so liegt der aktuellen ausgabe 4/2012, neben der obligaten cd, eine vinylnachpressung der allerersten single "wir sind bereit" von Die Toten Hosen bei. 1982 auf dem bandeigenen Totenkopf label veröffentlicht und mit "jürgen engler´s party" als rückseite, wurde das damalige debüt nun exklusiv durch das magazin neu aufgelegt. darauf abgestimmt ist das highlight der publikation dann auch ein interview mit sänger Campino, zum 30-jährigen jubiläum der truppe. der 5er mutierte von rotzigen (spät-) punks, welche einst in besetzten häusern, jugendzentren als auch bei parties auftraten, zum mega rock act im deutschsprachigen raum, mit über 15 mill. verkauften tonträgern. aber auch international konnte man sich ein gewisses renommee erspielen, wenn auch im weit kleineren rahmen. in der heimat gibt es aber wohl kein (größeres) stadion, in dem sie noch nicht aufgetreten sind. zum jubeljahr werden sie dagegen, laut der monatsschrift, auf eine alte tradition zurückgreifen - Magical Mystery Tour. erstmals 1986 durchgeführt, treten sie hierbei bei fans im wohnzimmer oder partykeller auf. so kriegen wohl auch die geschätzten nachbarn "ein kleines bißchen horrorschau".
aber damit nicht genug der vinylhuldigung des Rolling Stone, denn die kommende nummer (5/2012) wird ende april mit einer Bruce Springsteen 7-inch in die läden kommen. darauf zu finden der song "rocky ground" aus dem aktuellen album "wrecking ball". die b-seite wird verziert sein von der signatur des Boss, der sich vom rock & roll romantic, welcher das leben in der kleinstadt besang, zum working class hero und schlußendlich zum elder statesman entwickelte. heutzutage wirkt neben ihm selbst Joan Baez räudig. weiters wird der ausgabe zusätzlich ein dossier zum 40-jährigen karriere-jubiläum von (damals) "rock and roll´s future" beigelegt sein. letztes zitat stammt übrigens aus einer 1974er konzert-rezension des journalisten John Landau, später co-producer als auch manager von Bruce. Landau schrieb (unter anderen) von der ersten nummer weg für den amerikanischen Rolling Stone, womit sich der kreis wieder schließt.
zeitschriften, schallplatten, jubiläen, da paßt gleichfalls die 1979 aus der taufe gehobene, monatlich erscheinende sammlerbibel Record Collector mit ihrer 400. ausgabe ins bild. die redaktion hielt auch die vinyl-fahne hoch, als andere meinten, die cd sei der heißeste scheiß seit bedrucktem toiletten-papier. cover story der april 2012 edtion, im einklang mit der jubelzahl, ist "400 rare gems" (aus britischer sicht). diese auflistung wurde in zusammenarbeit mit der ebenfalls publizierten, jährlichen Rare Record Price Guide erstellt und reiht seltene pressungen von künstlern wie The Beatles, Madonna oder Sex Pistols auf bzw. verzeichnet wertvolle perlen genre-mäßig (rock & roll, reggae, psych etc.). jedoch schreiben die beim Record Collector nicht nur (neben anderen) über schwarze scheiben, sondern man sorgt auch für nachschub. so wurde mittlerweile bereits die zehnte lp im hauseigenen Rare Record Club herausgebracht. es handelt sich hierbei um eine nachpressung des 1971 in einer anzahl von 99 stück (aus steuergründen) erschienenen, gleichnamigen prog/acid albums der londoner formation Grannie. frühere veröffentlichungen dieser serie waren z.b. Orange Bicycle - same, The Smoke - "it´s smoke time" oder "the lost tapes" von Cressida. alles longplayer, dessen erst-exemplare praktisch nicht mehr aufzutreiben sind und auch in der zweitauflage teilweise bereits wieder vergriffen sind.
wem wertpapiere zu unsicher, immobilien zu bulkig und sparbücher zu konservativ sind, hätte hier generell ein paar alternativen.


collector

Sonntag, 1. April 2012

Wertmissachtung

utopia


also mir persönlich tut es immer weh, wenn ich jemanden sehe, der irgendwie schlampig mit vinyl umgeht. beispielsweise die scheibe salopp aus der inner-sleeve zieht und dies mit allen fünf fingern an der rille. davon muß ich mich für gewöhnlich mit schaudern abwenden. wogegen andere es wiederum lächerlich finden, daß ich meine platten wie rohe eier behandle. ist eben ein unterschied, ob etwas für eine/m ein heiligtum darstellt, oder eben als gebrauchsgegenstand gesehen wird bzw. als werkzeug dient. aber gar kein verständnis kann ich für mutwillige zerstörung aufbringen. schon gar nicht, wenn es sich um kulturgut handelt. jedoch genau hier treten fanatiker, fundamentalisten, verblendete oder schlicht spinner auf den plan. denen ist in ihrer quasi mission nichts mehr wertvoll. daran hat sich nichts geändert und das hat die geschichte bereits häufig bewiesen - auch was die musik und ihre trägermedien betrifft.
so löste John Lennon im u.k., märz `66, mittels seines gewohnt launisch-provokanten statements, The Beatles seien nun "bigger than Jesus", ebendort kaum ärgernis aus, doch als im august die u.s.-tour anstand, wurde im vorfeld von der dortigen journaille die suppe wieder aufgewärmt. dies diente so manchen eiferer als weckruf, erhitzte sich infolge immer mehr und kochte schließlich im ohnehin brodelnden süden der staaten über. hier starteten zwei radio deejays ( Tommy Charles & Doug Layton) die ban the Beatles-kampagne und hatten damit, zumindest was die rundfunkeinsätze betraf, teilweise auch erfolg. weiters wurden ihre tonträger boykottiert, drohungen ausgesprochen, demonstrationen abgehalten und die hetze mündete schlußendlich in hirnlose, öffentliche verbrennungen von schallplatten der pilzköpfe. ein photo davon diente übrigens der progressiven rockband um Todd Rundgren - Utopia - 1982 als cover (in abgewandelter form) für "swing to the right". die damalige haßwelle gegen die liverpooler diente auch dem Ku Klux Klan zur bühne. so mancher mitarbeiter der jeweiligen ortsgruppe tauchte vor konzertlokalitäten auf, um die stimmung anzuheizen und bei manchen vereinsabenden wurden symbolisch The Beatles longplayer ans kreuz genagelt. wenn es ganz heiß her ging, wurde das ganze auch noch angezündet. letztlich schwappte die scheiße auch noch nach mexiko und in andere staaten rüber. Lennon wurde in weiterer folge vom management zu einer richtigstellung überredet, um die wogen zu glätten.
doch es war bei weitem nicht die einzige, mutwillige vernichtung von tonträgern. disco sucks war die idee des frustrierten rock radio djs Steve Dahl, der seine felle davonschwimmen sah, weil die disco-musik damals die große nummer war, die charts als auch clubs und den hörfunk dominierte. aber er war nicht der einzige, dem diese vorherrschaft stank. somit organisierte er für den denkwürdigen 12. juli 1979, als pausenattraktion zum baseballspiel Chicago White Sox vs. Detroit Tygers, ein großes disco-vinyl-vernichten. wer eine platte dieser musikrichtung dabeihatte, kam um 98 cent rein. so kamen zig-tausende scheiben zusammen. diese wurden in einem stahlcontainer gesammelt und anschließend zur explosion gebracht. jener müde spaß machte weltweit schlagzeilen und stärkte die gegner dieser tanzbewegung. bald danach verlor disco (zu großem teil auch selbstverschuldet) den platz an der sonne und wurde wieder mehr in den underground zurückgedrängt, aus dem es gekommen war. Steve Dahl und seine handlanger konnten wieder ruhiger schlafen.
zu beginn der 80er schlug das pendel dann in die andere richtung aus. aufgrund der politischen lage hatten fanatische, christliche gruppierungen in den vereinigten staaten rückenwind und das zu bekämpfende böse sahen sie in der rockmusik wie auch in deren protagonisten. jede/r musiker/in der härteren fraktion war praktisch ein/e satansjünger/in, welche/r die botschaft des teufels ans demütige volk verbreitete. sich selbst sahen die selbsternannten gutmenschen als moral majority und hörten zudem aus jedem stück vinyl verborgene botschaften heraus, plaziert um die jugendlichen in ihren bann zu ziehen als auch in die sünde zu treiben. fundamentalistische radio-moderatoren hetzten, nahe medien schürten, unterwanderte elternvereine tobten, kirchenführer verteufelten, labile politiker popularisierten und sogar das FBI sah sich zur einmischung gezwungen. beliebte feindbilder waren unter anderen Led Zeppelin, Judas Priest, Slayer oder Iron Maiden. es kam zu plattenverbrennungen, öffentlichen zerstörungen und sogar bei gottesdiensten wurde sinnbildlich vinyl gebrochen. das aufkommen der cd kühlte die aufgereizte stimmung wieder ab - vorerst.
denn als Yusuf Islam im februar 1989 das von Ayatollah Khomeini über Salman Rushdie, in bezug auf dessen buch "the satanic verses", ausgesprochene todesurteil mehr oder weniger goutierte, brach in verschiedenen ländern ein sturm der entrüstung gegen den einst als Cat Stevens bekannten singer/songwriter aus. Tom Leykis, der in los angeles eine rundfunk-sendung hatte, rief zum boykott des sängers auf und organisierte eine großangelegte verbrennung seiner werke, die jedoch von der feuerwehr im vorfeld untersagt wurde. so fuhr man als gegenstück eben mit dem bulldozer über die tonträger. davon inspiriert fanden auch in anderen ländern solch zweifelhafte happenings statt.
den haß der amerikanischen öffentlichkeit bekam 2003 in ähnlicher weise das weibliche alternative country trio Dixie Chicks zu spüren. während eines konzerts im londoner Shepard´s Bush Empire, märz `03, kritisierte lead-sängerin Natalie Maines den u.s. präsidenten George W. Bush jun. plus dessen (bevorstehenden) irak-feldzug. was in der themse-metropole (zumindest vom anwesenden publikum) noch mit zustimmung bedacht wurde, löste in der heimat, beim rechten flügel sowie blinden patrioten, massiven ärger aus. die anhängerschaft der einst beliebten, erfolgreichen formation halbierte sich und für viele kurzsichtige waren sie nur mehr die Dixie Sluts. boykotte, anfeindungen, beschimpfungen, morddrohungen, proteste und als höhepunkt, wurden cds des dreiers verbrannt oder mit baggern plattgemacht. die staaten-tour mußte abgesagt werden, weil viele den shows fernblieben sowie sponsor Lipton sein soft-drink-image nicht besudelt haben wollte. das gesamte drama wurde später mit der dokumentation "shut up & sing" aufgearbeitet. die Dixie Chicks spielen, trotz damaliger, öffentlicher entschuldigung, nunmehr zwei etagen tiefer.
zusammengefassend sieht man, wenn das feuer des wahnsinns lodert, schmelzen werte wie grenzen dahin und die vernunft löst sich in rauch auf. gleichfalls wird die moral von jenen am meisten mit füßen getreten, welche am lautesten danach rufen. zweifelsohne wird aufkeimender hass auch weiterhin fruchtbaren boden vorfinden.

Sonntag, 25. März 2012

Scharfmacherei

chili


wer schon ein paarmal auf konzerten war kennt sie, diese stände innerhalb der lokalität, an denen die auftretenden künstler/innen fanartikel anbieten. dieses sortiment hat in den letzten jahren an bedeutung gewonnen, auch plattenfirmen haben sich eingeklickt, wogegen es früher rein eine sache der musiker/innen war, denn für die record companies war dieses segment uninteressant. aber heute saugen sich die konsumenten den tonträger irgendwo aus dem netz oder ziehen sich eine kopie, vom bereits selbstgebrannten album einer bekannten eines freundes. doch eventuell kauft sich jemand (oder mehrere) aus dieser kette eine eintrittskarte und erwirbt dann vor ort das zum event passende shirt bzw. sonstiges zeugs.
jedoch, sogar wenn man schon um einiges älter ist als das durchschnittliche konzertpublikum, dann waren sie trotzdem schon immer da, diese typen, die nach größeren konzerten, vor den hallen, organisiert aber einzeln, inoffizielles merchandise anbieten. sie kommen mit großen sporttaschen, vollgestopft hauptsächlich mit tees, aber auch sweater, schals, caps, posters und breiten ihr sortiment am asphalt auf, um es marktschreierisch zu offerieren. die preise dafür sind oft bis zu zwei drittel unter denen der legalen ware, indoors. aber dies wirkt sich natürlich auf die qualität aus. da kann es schon passieren, daß man ein solches tour-souvenir nach dreimal waschen nur mehr an die wand nageln kann, da es jegliche form verloren hat - sofern noch ein aufdruck vorhanden. zur ehrenrettung sei gesagt, auch bei rechtmäßig erworbenen exemplaren ist dies schon vorgekommen. dagegen sind die motive bei den produktpiraten gelegentlich besser. früher hatten diese, im soge der bands reisenden händler, mitunter auch mal das eine oder andere bootleg-tape zur auswahl und falls sie sich schon vorab im bereich der venues herumdrückten, fischten sie für spätentschossene zusätzlich noch ein ticket aus der hosentasche. mittlerweile sind die vertriebszweige aufgeteilt.
jetzt war beim NME zu lesen, daß die führende music merchandise company Bravado International Group, den im tampa, florida ansässigen Mike Smith (nicht der eishockey-spieler) diese woche verklagt hatte, weil er mit unlizensierten Red Hot Chili Peppers t-shirts handeln würde. wogegen Bravado die exklusivrechte für sämtliche fan-artikel des vierers innehat. nebenbei sei erwähnt, nicht nur diese, sondern u.a. auch Michael Jackson, Lady Gaga, Kayne West, The Killers, Lamb Of God etc. . ein überraschendes repertoire könnte man meinen, wenn man nicht wüßte, daß die firma zur Universal Music Group gehört. weiters wirft man Smith vor, er hätte seine illegale bekleidung an den stil der original-ware angepaßt und schädige damit die reputation der klagenden partei. so ziehen sie nun gegen den ungeliebten schatten-konkurrenten vor gericht. wohl auch um ein abschreckendes exempel zu statuieren. das ganze paßt auch vom datum her, denn am 29.3. starten die Chili Peppers, just im Tampa Bay Times Forum, ihre "i´m with you" nordamerika-tour. dies verspätet, denn sänger Anthony Kiedis hatte fußprobleme und somit mußte der start verschoben werden. möglicherweise überlegt sich jetzt manch eine/r mit der gefälschten kollektion vor ort aufzutauchen und überhaupt.
in früheren zeiten wurden diese angelegenheiten zum teil noch direkt gelöst. da knöpfte sich die roadcrew der betroffenen musiker/innen, lästig gewordene mitanbieter vor und nahm ihnen die ware ab. als draufgabe gab es noch eine tracht prügel. aber die big player führen heutzutage natürlich die feine klinge und fordern daher Mike Smith via anwälte zur einstellung des handels, vernichtung der lagerbestände sowie ersatzzahlung für geschäftsschädigung auf. nachdem man der tonträger-piraten-industrie (mehr oder weniger) das handwerk legen und auch professionelle filesharing-plattformen zurückdrängen konnte, sind wohl jetzt die bootleg-couture-dealers an der reihe. ein kampf bis aufs letzte hemd steht bevor.

Sonntag, 18. März 2012

Berufskrankheit

inthrough-the-outdoor


es ist immer traurig anzusehen, wenn jemand der/die mit besonderem talent gesegnet ist oder sich besonders hohe sympathiewerte erarbeitet hat, sein/ihr ganzes können beziehungsweise haben, aufgrund von mißbrauch oder sucht nach zweifelhaften hilfsmitteln, gegen die wand fährt. da wird dann aus der zweiten reihe gerne eingeworfen, daß der erfolg eine/m eben kaputt macht. aber wo bitte steht geschrieben, daß man dem größenwahn freien lauf lassen bzw. alle leinen lösen und die (innere) sau permanent auf trab halten muß? klar, je weiter man nach oben kommt, desto dünner wird die luft und da sehen manche heftige flüßigkeits- wie substanzzufuhr als unerläßlich. aber es geht unvermeidlich auch wieder in die andere richtung und dann macht es den unterschied aus, wie lange dies dauert. ob man runtersteigt, -schwebt oder -springt. drogen, alkohol, arzneimittel und was eine/m sonst noch zudröhnt oder kurzfristig aufputscht, sind allzuoft strom aber auch sargnagel in der musikszene. anfangs antrieb, später ballast, schlußendlich bremse, die zum stillstand führt.
nahezu jede/r weiß, daß wunder-gitarrist Jimi Hendrix nach bereits längerem (drogen) mißbrauch an den folgen einer überdosis starb. er wurde keine 28 jahre alt. saiten-künstler Tommy Bolin starb exakt an seinem 26. geburtstag. er besorgte sich zur feier des tages einen megarausch aus morphium, kokain sowie harten getränken. als er einst Ritchie Blackmore in Deep Purple ersetzte, schien er am höhepunkt angekommen, doch die sucht zog ihm runter. jedoch litt er schon seit jahren darunter. schlußendlich konnte Bolin nur mehr einfache akkorde spielen, da sein arm mit jeder nadel die er sich setzte, unbeweglicher wurde. nicht nur ein schleichender tod des körpers, sondern auch der karriere.
1980 erstickte nicht nur AC/DC sänger Bon Scott, nach ausgiebiger sauftour plus der einen oder anderen substanz als unterlage, weniger geschmackvoll am eigenen erbrochenem, sondern, ein paar monate später, auch der legendäre Led Zeppelin schlagzeuger John Bonham. beide waren knapp über 30 und bekannt für ihren vollgas-lebensstil. apropos drummer, einer der hier voll ins bild paßt ist The Who teufels-sticksman Keith Moon - auch in punkto alter ist er dabei. er war erprobter kampftrinker, koks-staubsauger und auch sonst nahm er gerne mal etwas mit. die tabletten, welche sein suchtverhalten bekämpfen sollten, nahm er wie Tic Tacs - bis er sich 1978 für immer hinlegte. einen trommler habe ich noch - Dennis Wilson. er beabeitete von beginn weg die felle beim (damals praktisch) familienbetrieb The Beach Boys und schrieb auch bei ein paar songs mit. verfiel aber in der erfolgseuphorie den harten getränken wie giften. investierte in weiterer folge sein gesamtes vermögen in die befriedigung seiner abhängigkeit. bis er so blank war, daß er teilweise auf die gunst von freunden angewiesen war. der strandjunge ertrank ende `83, schwer alkoholisiert, beim sinnlosen spaßtauchen im rahmen einer bootstour.
gleichfalls sind uns allen noch die tode von Amy Winehouse als auch Whitney Houston in schlechtester erinnerung. erstere soff mit dem sensenmann um die wette und nahm außerdem noch manch anderes um bei laune zu sein, zweitere sang zwar nicht von "rehab", absolvierte jedoch mehrere, die in summe das ende aber nur hinauszögerten. wogegen besagte einrichtung zu zeiten der kozmic-blues-röhre Janis Joplin noch nicht gebräuchlich war. sie setzte ihren dämonen, die in form von unsicherheit wie angst auftraten, flaschen voll alkohol plus alles was die dealer so dabeihatten entgegen. 1970 besiegelte heroin ihr schicksal.
davon könnten auch andere ein lied singen, wenn sie noch leben würden. so der original Pretenders bassist Pete Farndon. er wurde mitte `82, nach dem zweiten longplayer ("II"), von ex-freundin & bandleaderin Chrissie Hynde aus der band geworfen, weil seine trink- wie drogeneskapaden die musikalischen fähigkeiten massiv beeinträchtigten. weniger als ein jahr später ertrank er, nach einem verabreichtem schuß, in der badewanne. sein bester (drogen-) kumpel in der band war gitarrist James Honeyman-Scott. der wiederum starb kurz nach der ausbootung Farndon´s an einem schlummertrunk aus heroin & kokain. dieser doppelschlag schwebt heute noch über dieser formation.
bloß ein kleiner auszug aus einer ellenlangen liste, der jährlich neue namen hinzugefügt werden und die trotzdem nicht abschreckt, weil jede/r glaubt, sie/er hätte ohnehin alles im griff. andererseits ist das motto "live free & fast and die young" die basis des rock & roll. also wer lange genug lebt um davon zu erzählen, hat anscheinend nicht genug gas gegeben - oder vielleicht doch glück gehabt.

Sonntag, 11. März 2012

Snobismus

live1


je weiter manche leute nach oben kommen, desto ausgeprägter werden mitunter ihre macken. da reicht es einem/r musiker/in oft nicht mehr, wenn hinter der bühne canapés & champagner gereicht werden, da muß letzteres schon ein bestimmter jahrgang vom südhang, einer gewissen kellerei sein. dazu nüsse, welche von kinderhänden geerntet wurden, kaviar direkt vom Kreml, mit butter aus milch von trächtigen kühen, auf im mondlicht gebackenen weißbrot und wasser aus dem himalajagebirge zum nachspülen. als abschluß sollten weiters zigarren bereitliegen, die von nackten kubanerinnen an ihren körpern gerollt wurden. so oder ähnlich gewünscht von menschen, welche einst in mülltonnen nach nahrung fischten, als straßenmusiker/in für jede münze dankbar waren oder arbeitslos bei den eltern abhingen und im späteren taumel des ruhms oft vergaßen, woher sie gekommen sind. in den frühzeiten des rock & roll und auch teilweise in den 60ern, da gab es getränke, eventuell ein paar häppchen sowie manchmal zigaretten. je ertragreicher das geschäft, umso größer wurden die ansprüche.
Rider, auch Hospitality Rider oder Backstage Rider nennt man in der fachsprache die von künstlerseite diktierte auflistung von lebensmitteln plus sonstigen dingen, die den aufenthalt der protagonisten im hinteren, abgegrenzten teil der veranstaltungs-lokalität so bequem wie möglich machen sollen. da steht dann nicht nur bier geschrieben, sondern ebenso wieviel, welche marke, art als auch abfüllmenge. die beschaffenheit der einrichtung plus sonstigen utensilien, menge wie größe der handtücher, bademäntel, wäsche etc. . dabei kann schon einiges zusammenkommen, was den lokalen ausrichter schwitzen läßt.
natürlich gibt es auch heute noch stars, die eher bescheidene wünsche haben. tantra-sexperte Sting soll einer davon sein. ihm genügt, überzogen ausgedrückt, grüner tee und eine matte für seine yogaübungen. mehr oder weniger pflegeleicht auch brachial-musikant Kid Rock. abgesehen von jeder menge alkohol will der alte schweißfuß bloß socken zum wechseln. electro-veggie Moby hingegen läßt gleich die ganze abgetragene unterwäsche vor ort zurück. er besteht unter anderem auf mehrere garnituren neuware, für den sicheren abgang. zum waschen ist auf tour eben wenig zeit und all die schmutzwäsche mittransportieren, vergiftet bloß das interne klima. auf der anderen seite haben junge newcomer, die mit klapprigem gefährt von einer pißbude zur nächsten tingeln, keinen anspruch auf sonderwünsche. die bekommen vom veranstalter, mit etwas pech, einen kübel eintopf nach art des hauses aufgetischt, welcher schlußendlich die wahl läßt, zwischen hungrig in die koje oder die reisezeit zum nächsten auftrittsort auf dem bus-lokus zu verbringen. möglicherweise rächt man sich dafür dann, wenn man es geschafft hat.
die standardgeschichte bezüglich abgefahrener künstlerwünsche, kommt für gewöhnlich aus dem Van Halen lager. die hatten in ihren hoch-zeiten auf der megaliste immer eine schüssel mit M&Ms, wobei keine braunen dabei sein durften. sänger David Lee Roth erklärte mal, daß dies der tester war. denn wenn diese kleinigkeit nicht klappte, fehlte es wohl auch bei den wirklichen, für die show relevanten dingen am Technical Rider. er war es auch, der im märz 1980 in der (damaligen) University Of Southern Colorado den ruhebereich kurz & klein schlug, weil er dragees unerwünschter farbe entdeckte. tja, strenge rechnung, gute freunde. auch der fürst der finsternis, kinderschreck Marilyn Manson stellt teuflische ansprüche. die ihm zugeteilten räume müssen (im sommer) zum frösteln gekühlt sein, weiters unlimitierte liter dieser braunen brause, ausreichend gummibären einer bonner firma, knabbereien und mitunter schockt er die booking agency indem er (spaßhalber) vertraglich nach einer glatzköpfigen, zahnlosen prostituierten verlangt.
aber da kann punk-uronkel Iggy Pop gleichermaßen mithalten. er verlangte 2001 bei einem schottischen festival 7 zwerge. diese sollten nach Disney´s "snow white" kostümiert sein. zur erleichterung der aufgabe konnten die darsteller auch größer als üblich sein, sie sollten bloß glaubhaft wirken. in ähnlicher manier wollten die grapscher der Bloodhound Gang einst einen lebenden affen und möchtegern Hank Williams III wollte ein anderes mal, zusätzlich zum primaten, einen weißen hai. billiger gaben es da die hair-metal-rabauken Mötley Crüe, sie wünschten sich eine boa constrictor.
weniger mit tieren hat es hip-hop-loverboy Pharrell Williams. er wollte bauchtänzerinnen, welche ihm die wartezeit vertreiben sollten. "Weird Al" Yankovic brauchte hingegen bei seiner 2003er tournee zwei ausgebildete tänzmädchen, die gleichfalls auf der bühne einsetzbar waren. selbstverständlich wurde auch hinter der bühne das bein geschwungen. bodenständiger ist da schon die besatzung der hard-rock-dampfmaschine AC/DC. bei ihnen stehen mittlerweile sauerstofftanks ganz oben auf der liste. gleiches galt vor ein paar jahren noch für gevatter James Brown. die kehrseite hingegen stand bei den 2009 aufgelösten, alternativen jammer-rockern Live im fokus. sie bestanden auf einweg-abdeckungen für die klobrille, wogegen man bei superstar Madonna ohne neue, ungebrauchte toiletten keinen auftrag hat. funk-wicht Prince wiederum pocht auf mit plastikfolie abgedeckte speisen plus einer fachgerecht gesetzten vitamin b12 spritze, um sein wirres blutbild in ordnung zu halten.
so hat eben jede/r seine launen. die einen bestellen sich dies & jenes und rühren dann kaum etwas an, wogegen andere alles mitgehen lassen, was nicht niet- & nagelfest ist. manch eine/r dreht durch, wenn irgendetwas nicht paßt, doch der/die nächste weiß gar nicht mehr, was bestellt wurde. diese geben strikte anordnungen wie der backstage-bereich aussehen muß, jene wollen bloß ihre ruhe und ungestört sein. wobei die big player ohnehin die meiste zeit im hotel abhängen, kurz vor dem auftritt ankommen um anschließend gleich wieder im bademantel via limo oder gar hubschrauber zu verschwinden. da war dann das ganze tamtam für arsch & friederich.
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der schallplattenfreund

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Vinyl über alles!

in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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