Sonntag, 30. Dezember 2012

Das Beste Aus `12

wieder geht ein jahr vor die hunde. 12 monate rasseln mir beim einen ohr rein und teilweise beim anderen wieder raus. aber so manch gehörtes blieb auch hängen, weil es mehr zu bieten hatte als der durchschnitt. hier mußte jetzt nochmals ein kleiner-maschiges sieb verwendet werden um den teil auszusortieren, der unterhalb zu sehen ist. nach schlaflosen nächten, alkoholexzessen und allem was dazugehört, nervenzusammenbrüchen und schlußendlicher kapitulation konnte eine auflistung erstellt werden, an der ich bereits morgen wohl wieder etwas auszusetzen haben werde. trotzdem, hier ist das beste aus 2012 aus musikalischer sicht. nächste woche folgt die filmische aufarbeitung.


album des jahres:
deftones
DEFTONES - Koi No Yokan
das Maya-volk prophezeite für dezember den weltuntergang,
dieser 1989 gegründete, kalifornische new-metal-5er lieferte
bereits im november den soundtrack dazu ab. erstere hatten
unrecht, zweitere lagen genau richtig. hier werden die gehör-
gänge mit baeball-schlägern bearbeitet und die gehirnwin-
dungen mit kreissägen durchtrennt. wer diesen longplayer
mit geschlossenen augen, volles rohr durchhört, wird den
planeten vor seinem/ihrem geistigen auge in sich zusammen-
brechen sehen. mit ihrem siebten werk schließt die band
künstlerisch endlich an das dritte ("white pony", 2000) an,
hat somit nochmals ordentlich die kurve gekratzt. die vinyl-
ausgabe erscheint jedoch erst im jänner. zuerst müssen wohl
mal die downloader/innen versorgt werden.
knapp dran:
Goat - world music
Black Moth - the killing jar


song des jahres:
gossip
GOSSIP - Move In The Right Direction
die wilden zeiten sind (leider) vorbei, die kanten weggeschliffen,
die produktionen wurden glatter, alles muß rund laufen um so
gut wie möglich in die radiolandschaft hineinzupassen - zu jeder
tageszeit. auch in den cocktailbars soll die musik im hintergrund
laufen können, ohne daß brezeln oder nüsse aus der schale
hüpfen. da bleibt dann album-mäßig nicht mehr viel über, wie
das diesjährige, mittlerweile fünfte, "a joyful noise", beweist. doch
dieser stampfer, der als zweite single ausgekoppelt wurde, ist das
prunkstück eines lauen werks. jene nummer holt eine/m auch
noch auf die beine, wenn beim rest des longplayers bereits die
füße eingeschlafen sind.
knapp dran:
Bruno Mars - locked out of heaven
Jack White - sixteen saltines


wiederveröffentlichung des jahres:
nuggets
NUGGETS - Various Artists
untertitelt "original artyfacts from the first psychedelic era
1965 - 1968" und (selbst-) bezeichnet als something out of
the ordinary
, ist ein sammelsurium von (damals) jungen
u.s. rock-bands, welche sich im zuge der british invasion ihrer
wurzeln besannen und erdige, blues- wie soul-beeinflußte,
mitunter durch halluzinogene inspirierte musik fabrizierten,
die infolge als garage-rock bezeichnet wurde. zu späterer zeit
nahm dann die punk-bewegung genau diesen ball auf. Elektra
Records boß Jac Holzman erdachte hierfür das konzept und
spannte musik-experten Lenny Kaye (später Patti Smith Group)
ein um es umzusetzen. das ergebnis wird 1972 als do-lp veröf-
fentlicht und diente als blaupause für ähnlich gelagerte compi-
lations. später wieder mal aufgelegt, auch als erweitertes box-
set und nun wieder als zweifach-vinyl im handel. darauf zu
finden sind u.a. acts wie The Electric Prunes, The Amboy
Dukes, The Thirteenth Floor Elevators oder Chocolate
Watch Band.
knapp dran:
T. Rex - electric warrior
Paul Simon - graceland


konzert des jahres:
the-cribs
THE CRIBS @ Szene, wien
die gebrüder Jarman kommen einmal in 10 jahren bandgeschich-
te nach wien und dann verirren sich gerademal knapp fünfzig
personen, welche die u.k.-rocks-fahne hochhalten, in die lokalität.
dabei wurden vorab noch ticklets verlost! auf der insel stars, bei
uns hätte es wohl noch freibier geben müssen, damit fünf leute
mehr auftauchen. hätte das trio auf den auftritt verzichtet, man
hätte es wohl verstanden, doch die jungs ließen sich nicht beirren,
gaben trotz, oder gerade wegen, der spärlichen kulisse vollgas. kein
lästiges herumgerede sondern den fuß aufs effektpedal und ab ging
es. spiellaune, keine durchhänger, schlag auf schlag, volle vitalität
und (leider) oft übersteuerte vocals. am ende gab es sogar noch
einen instrumenten-salat mit feedback-dressing à la frühe The Who.
ein lebender beweis dafür, daß man auch nach bereits längerer zeit
im geschäft noch ordentlich dampf ablassen kann, anstatt im auto-
pilot-modus dahinzuvegetieren.
knapp dran:
Refused @ Arena, wien
Dirty Beaches @ Chelsea, wien


band des jahres:
riot
PUSSY RIOT
weder The Beatles noch Led Zeppelin, auch nicht Lady Gaga
oder Robbie Williams waren heuer häufiger wie breiter in der
medienlandchaft vertreten, als dieses mehrköpfige, weibliche,
russische punk-kollektiv. ihr name war deswegen sogar menschen
ein begriff, die vorher meinten, daß pussies bloß streicheltiere
wären. im februar des abgelaufenen jahres protestierten fünf
mitgliederinnen in der moskauer Erlöserkirche mit der darbiet-
ung ihres "punk prayer" gegen den extrem diktatorischen
führungsstil Vladimir Putin´s sowie die russisch-orthodoxe
kirche, welche seinen wahlkampf unterstützte. dafür wurden sie
von letzterer verdammt und von den handlangern des staatschef
ausgeforscht (drei aktivistinnen), verhaftet sowie vor gericht
gestellt. eine des inhaftierten trios wurde später, nach einspruch,
freigelassen, die anderen beiden verbüßen noch fast zwei jahre
arbeitslager. musikalisch gesehen steht eine ep, bestehend
aus sechs einfach gestrickten, rohen demo-versionen namens
"ubey seksista", im netz zum gratis-download bereit.
knapp dran:
Swans
First Aid Kit


künstlerin des jahres:
lana-del-rey
LANA DEL REY
Lizzy Grant, wie sie sich einst nannte, oder Elizabeth Woolridge
Grant, so heißt sie wirklich, war heuer scheinbar everybody´s
darling. lieferte mit "born to die" einen longplayer, sowie mit
songs wie "video games" oder "summertime sadness" songs ab,
die in fast jedes radioformat paßten. dazu wurde sie werbe-
testimonial für den schwedischen bekleidungsriesen H&M
und setzte sich für Jaguar auf die motorhaube. dabei guckte
sie mitunter in die kamera wie ein robben-baby. da mußte man
einfach schwach werden, auch wenn alles manchmal manufaktu-
riert rüberkam. aber sie kann auch anders. im titel "cola", von
der nachgeschobenen, lasziv-angehauchten 8-track ep "paradise",
singt sie my pussy tastes like pepsi cola - und hallo, da täte
sich doch schon wieder ein werbedeal auf. da könnte sich dann
der/die geneigte hörer/in während des durchhörens sofort einen
mundvoll genehmigen. wie auch immer, 2013 beehrt sie europa
und daß jeder hype seinen preis hat, beweisen die ticketkosten.
knapp dran:
Bat For Lashes
Grimes


künstler des jahres:
ty-segall
TY SEGALL
der kalifornische garage-punk hat sich diesen titel uneinholbar
verdient. veröffentlichte er doch drei longplayer innerhalb von
2012. zum ersten im april "hair", eine kollaboration mit dem
ein-mann psychedelic-outfit White Fence aus gleichem bundes-
staate. zwei monate später kam "slaughterhouse", daß er mit
seiner aktuellen tour-truppe unter The Ty Segall Band einspielte
und welches von den drei arbeiten die meisten ps hat. der letzte
streich war das als solo-album ausgewiesene "twins", im oktober.
keines davon versank in beliebigkeit oder füllmaterial, jedes steht
für sich. generell präsentiert er sich, seit er 2008 auf eigenen füßen
steht, als workaholic und setzt sich somit der gefahr von baldiger
übersättigung des publikums aus. dieses jahr aber paßte es gänzlich.
knbapp dran:
Lee Fields
Michael Kiwanuka


neuentdeckung des jahres:
deep-vally
DEAP VALLY
okay, vielleicht gehen mir hier die gäule durch - oder bloß die
hormone, aber wenn die beiden ladies 2013 per debüt-lp
erfüllen, was sie heuer anklingen ließen, dann bin ich nicht
mehr zu halten. die kalifonierinnen Lindsey Troy (gitarre,
gesang) sowie Julie Edwards (schlagzeug), welche sich angeb-
lich in einer handarbeits-klasse kennenlernten (muß unbedingt
stricken lernen), praktizieren einen garage-/blues-rock, der voll
erdig, total bodenständig und ohne firlefanz daherkommt. das
ganze klingt als ob sich The Black Keys mit Janis Joplin paaren
und The White Stripes dazu La Ola machen. gaben 2012 bereits
den support für acts wie Muse, The Vaccines oder Eagles Of Death
Metal.
knapp dran:
Metz
Jake Bugg


comeback des jahres:
rolling-stones
THE ROLLING STONES
wenn die alten knacker die gehhilfen ins eck stellen, dann sind
die fans scheinbar bereit jeden ticket-preis zu zahlen. auch wenn
es sich nur um den x-ten aufguß der alten suppe handelt. aufge-
peppt mit dem einen oder der anderen gaststar/let als einlage
sowie ein paar selten gehörten songs als würze. dazu kommt die
gefühlte 100ste compilation in verschiedenen varianten, mit zwei
neuen stücken als kaufanreiz, in die regale. der eine, "doom &
gloom"
, kommt erfreulich ruppig daher. wobei man den ein-
druck hat, es handelt sich um ein altes, überarbeitetes stück
aus der schublade, der andere, "one more shot", welcher zwar
"street fighting man" anklänge hat, jedoch eher als schunkel-
nummer durchgeht und daher neueren datums sein dürfte.
zwei dokumentationen wurden im rahmen des 50-jährigen
jubiläums ebenso vorgestellt ("charlie is my darling" plus
"crossfire hurricane") als auch eine neue merchandise-
kollektion, für die sich das publikum bei den wenigen
shows ellenlang anstellte.
knapp dran:
Fiona Apple
Soundgarden


musikalische enttäuschung des jahres:
muse1
MUSE
"the 2nd law", dieser output ist nicht direkt scheiße, jedoch
knapp dran. einfach total überzogen. mir kommt vor, die
hatten sich zusammengesetzt und beschlossen, ihr nächstes
(dieses) werk übermäßig aufzublasen um zu sehen, ob es die
leute schlucken (können) - letztere taten es und tanzen dazu
wohl wie die lippizanzer. raus kam nämlich progressiver dubstep
gestreckt mit funk-rock, der immer wieder mal an Queen in ihrer
"hot space" phase sowie deren späterem auslauf-zeitraum erinnert.
für mich ist dieses, mittlerweile sechste werk des englischen
dreiers, zugleich ihr schlechtestes. fast unmöglich es ohne
magenkrämpfe durchzuhören. für jene, die es nicht erlebt
haben, aus solcher überdrehter, musikalischer selbstbefrie-
digung heraus wurde der punk-rock geboren und rotzte
über die ganze selbstverherrlichung hinweg.
knapp dran:
Madonna
The Darkness
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in jeder hinsicht, denn vinyl kann man theoretisch auch ohne strom- oder batteriebetrieb abspielen. es würde, rein mechanisch, sogar mit dem eigenen fingernagel funktionieren. probiert das mal mit einer cd, dvd oder mp3. oder eines der genannten formate rückwärts abzuspielen und dann auch noch die teuflische botschaft verstehen. viel vergnügen!

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